Text: Stephan Thomas I Fotos: Remy Steiner
Dezent, aber selbstbewusst. Tobias Wegelin ist kein Mann der lauten Töne. Mit Zurückhaltung und Bescheidenheit spricht er über seine Laufbahn und seine Weine. Selbstbewusstsein blitzt dann auf, wenn er sagt: «Mein Ziel ist es, mich im Kreis der besten Pinot-Noir-Produzenten zu etablieren.» Womit gleich gesagt ist, auf welcher Sorte sein Fokus liegt. Trotz seinen Ausflügen ins Bordelais und nach Südafrika ist es die Bündner Parade-Sorte, der sein ganzes Interesse gilt. In seinem Rebbergen steht exklusiv Pinot Noir. Wegelins Talent bleibt nicht unentdeckt: Die GaultMillau-Weinjury zeichnet ihn als «Rookie des Jahres 2027» aus.

Alle Roten gehen durchs Holz. Tobias Wegelin im Barriquekeller.
Tschilp! «Il Vin» ist der Name von Wegelins Weingut. Es tauchen bis heute immer wieder rätoromanische Namen auf vielen Flaschen der Bündner Herrschaft auf, obwohl das Gebiet seit langer Zeit ausschliesslich deutschsprachig ist. Im Fall von Wegelin wurde der Name des Guts von seiner Partnerin Angela inspiriert, die aus der Surselva stammt. Das Logo ziert ein pfeifendes Vögelchen, das sich auf dem Schriftzug niedergelassen hat. Der Vogel bezieht sich auf die Lage mit dem Flurnamen «Vogelherd», eine der Parzellen, die Wegelin gehört.

Zwischen Trockenmauern und Schieferbergen: Wegelins Reblagen in Malans.

Kleine Menge, grosse Weine: Rookie Tobias Wegelin.

Der Wein mit dem Vögelchen: Weingut «Il Vin».
Klinkenputzen mag er weniger. Tobias Wegelin war durchaus zum Winzerberuf prädestiniert: Sein Onkel Peter Wegelin hat das berühmte Malanser Weingut gleichen Namens aufgebaut. Nach der Lehre führte sein Weg zu Christoph Rutishauser nach Thal und auf den Rütihof in Uerikon. In Folge arbeitete er auf verschiedenen Betrieben, und noch heute geht er Thomas Studach in einem 60-Prozent-Pensum zur Hand. Seit 2019 baut er daneben an seiner eigenen Existenz, wie er es ausdrückt. Seinen Wohnsitz hat er in einem historischen Haus im Ortskern von Malans, dessen Ausstattung man klugerweise erhalten hat. Den angebauten Stall hat Wegelin behutsam konsolidiert, für die Kellerarbeit tauglich gemacht, ebenso für Degustationen – Wegelin zeigt seine Weine nämlich gerne. Klinkenputzen, etwa bei den Gastronomen, liegt ihm weniger.

«Il Vin» ist Bio: Gut für die Umwelt, gut für den Geschmack.
Tipp von Kollege Studach. Dem Pinot Noir gewinnt Wegelin zwei Weine ab, einen klassischen Rotwein und einen Blanc de Noir. Der Rotwein ist in der Regel in zwei Jahrgängen greifbar. Alle werden im kleinen Holz ausgebaut. «Anfänglich habe ich auch im Stahltank vinifiziert, bis mir Thomas Studach gesagt hat: Das trinkt heute niemand mehr, was ich dann beherzigt habe.» Rookie Wegelin spielt mit dem Gedanken, in Zukunft einmal Lagenweine auf die Flasche zu bringen. Dass er ausschliesslich auf Pinot Noir setzt, darin sieht er keinen Nachteil. «Man lernt den Charakter einer Rebsorte tiefer kennen, wenn man sich längere Zeit ausschliesslich mit ihr beschäftigt.»
Bio – für den Geschmack. Tobias Wegelins Weine tragen auf dem Etikett die Bio-Knospe. Als Begründung hierfür nennt er überraschenderweise nicht ökologische oder ethische Gründe, sondern er sagt: «Ich mache es wegen des Geschmacks. Weine aus Bio-Trauben sind aromatischer.» Zudem verzichtet Wegelin auf Kaltstandzeiten. «Ich halte es wie ein guter Koch. Ich ernte, ich verarbeite.» Apropos Küche: Seine Pinot Noirs kann er sich zu Rindsvoressen mit Polenta gut vorstellen. Zum Blanc de Noir würde er spontan einen Spargelrisotto servieren.
www.ilvin.ch
