Text: Stephan Thomas I Fotos: Sedrik Nemeth

Durchbruch mit seinem Fendant. Im Leben von Pierre Dorsaz aus Charrat VS gibt es einen Tag X. Nicht jener, als er sich entschieden hat, die Reben zum Beruf zu machen – das war für ihn immer klar. Vielmehr jener, als er am «Mondial du Chasselas» mit seinem Fendant zuoberst auf dem Treppchen stand – nota bene: als erster Walliser überhaupt. «Das war schon wichtig fürs Renommée und die Sichtbarkeit. So konnten meine Weine ein wenig aus dem Schatten treten.» Auch die GaultMillau-Weinjury holt ihn auf die Bühne: Er ist «Rookie des Jahres 2027». 

Pierre Dorsaz, Cave des collines.

Pierre Dorsaz: Der Meister des Fendant kann auch rot.

Dorsaz glaubt an Weinbau! Von anderen Winzern unterscheidet sich Dorsaz dadurch, dass er nicht nur Weinbau, sondern auch Obstbau gelernt hat. Heute sind die Aprikosen darum sein zweites Standbein. Ein ideales Konzept, um das unternehmerische Risiko aufzuteilen. Zudem ist die Nachfrage nach Aprikosen solider als bei den Trauben. Vor nicht allzu langer Zeit spielte Dorsaz deshalb mit dem Gedanken, auf gewissen Parzellen die Reben durch Aprikosenbäume zu ersetzen. Ist das noch ein Thema? «Ich glaube an den Weinbau! Deshalb habe ich mehrere Parzellen mit neuen Reben bestockt. Wenn ich dann doch einmal daran denke, irgendwo auf Aprikosen umzustellen, dann weniger wegen des Geschäftsgangs, sondern weil die Lage spezifisch für die Früchte geeignet ist.»

Pierre Dorsaz, Cave des collines.

Entwicklungspotenzial bei den Gebinden: Amphoren im Dorsaz-Keller.

Pierre Dorsaz, Cave des collines.

Mit beschwingten Weinen die Jungen verzaubern: im «Cave des Collines».

Ton statt Holz. Pierre Dorsaz steht auf dem Boden der Tradition, aber er tüftelt auch gerne: «Tatsächlich probiere ich gerne Dinge aus, besonders neue Vinifikationstechniken. Im Moment bin ich dran an der Sorte Viognier. Ein Teil kommt in die Amphore, der andere ins Fass.» In der Pipeline sei zudem ein Pinot Réserve mit Holzeinsatz, vielleicht auch ein wenig Amphore. «Mal schauen, wohin mich der Wein und meine Inspiration führen.» Dorsaz hat sich in jüngster Zeit besonders mit Amphoren-Weinen profiliert. Wurden seine Erwartungen erfüllt? «Ich bin sehr zufrieden, auch wenn ich nach wie vor an der Vinifikation schraube. Meine beiden Amphoren-Crus mit Jahrgang 2025 verzaubern mich!»

Pierre Dorsaz, Cave des collines.

Auch wenn die Aprikosen zeitweise besser laufen: Die Reben dürfen bleiben!

Jugend mit Qualität überzeugen. Wie läuft das Geschäft im schwierigen Umfeld? «Ich stelle keinen Rückgang fest, im Gegenteil. Vielleicht ist es ja ein Vorteil, dass ich in einer Krisenzeit begonnen habe», sagt Dorsaz schmunuzend. «Da besteht weniger Gefahr, dass sich frühere Kunden abwenden.» Bereitet ihm der Rückgang des Interesses für Wein bei der jungen Generation Sorgen? Er glaubt, dass man nicht aufhören dürfe, die Jungen mit Wein vertraut zu machen. «Wenn man ihnen guten Wein einschenkt, schätzen sie ihn. Der Mangel an Kenntnissen und der Mangel an Vertrauen gehen Hand in Hand.»

Petite Arvine ganz gross. Es gehört sich nicht unbedingt, sich bei einem Winzer nach dem Lieblingswein in seiner Palette zu erkundigen – das ist ein wenig, als würde man einen Familienvater fragen, welches sein Lieblingskind sei. Wer es trotzdem wagt, kriegt eine klare Antwort: «Der Leuchtturm in meinem Angebot ist die Petite Arvine», sagt Pierre Dorsaz. «Ich finde, das vom Granit geprägte Terroir von Fully drückt sich darin am klarsten aus.»

www.cavelescollines.ch