Hashtag #NomaAbuse. Nicht zum ersten Mal macht eines der bekanntesten Restaurants der Welt negative Schlagzeilen: Auslöser ist der frühere «Noma»-Mitarbeiter Jason Ignacio White, der von 2017 bis 2022 das hauseigene Fermentationslabor leitete. Auf Instagram veröffentlichte er unter dem Hashtag #NomaAbuse drastische Schilderungen und anonyme Aussagen früherer Teammitglieder über das von René Redzepi in Kopenhagen geführte Restaurant. Es geht um psychischen Druck, Einschüchterung bis hin zu physischer Gewalt und sexuellen Übergriffen. 

Instagram Post NomaAbuse

«Die Geschichten sind wahr»: Instagram-Post auf dem Profil des früheren «Noma»-Mitarbeiters Jason Ignacio White.

Immer wieder Schlagzeilen. Das mehrfach zum «besten Restaurant der Welt» gewählte «Noma» hat wiederholt schlechte  Presse bekommen. Die zweifelhaften Arbeitsbedingungen für Praktikanten, der aufbrausende Charakter von Starchef René Redzepi und andere Ereignisse, die kein gutes Licht auf das Kult-Lokal werfen, gaben über die Jahre immer wieder zu reden. Zuletzt machte Redzepi 2023 Schlagzeilen, als er verkündete, Spitzengastronomie könne nicht mehr wirtschaftlich betrieben werden, weshalb das «Noma» Ende 2024 schliessen müsse. Gerüchtehalber wollte er damit der Recherche einer grossen internationalen Zeitung zuvorkommen, welche die Vorgänge im «Noma» zum Inhalt hatten.

Noma Kopenhagen

Zweifelhafte Arbeitsbedingungen: Restaurant Noma in Kopenhagen.

Kritik aus der Szene. Das Ganze stellte sich allerdings als gekonnte PR-Akrobatik heraus, auch 2025 empfing das «Noma» Gäste, im Frühling 2026 entsteht in Los Angeles für 16 Wochen und unter enormem Aufwand ein grosses Pop-up-Restaurant. Kenner der Gastronomie kritisierten Redzepi für seine Aussagen: Ein international bekannter Starchef, der nicht genannt sein will, wurde im Gespräch deutlich: «René Redzepi hat jahrelang Praktikanten ausgenutzt, sie ohne Bezahlung arbeiten lassen und mit Knebelverträgen gebunden. Wer frühzeitig aus dem Sechs-Monats-Vertrag aussteigen wollte, wurde gebüsst. Die Probleme, die das ‹Noma› hat, kann Redzepi nicht einfach auf die gesamte Industrie verteilen.» Bisher ist es René Redzepi allerdings immer gelungen, negative Geschichten aus dem Innern seines Restaurants auf wundersame Weise vom Tisch zu wischen. Ob ihm das angesichts der jetzt kursierenden, teilweise erschreckenden Beschreibungen unter dem Stichwort #NomaAbuse auch gelingen wird, ist fraglich.