Text: Fabien Goubet I Fotos: Darrin Vanselow

Neun Gänge, achtzehn Löcher. Er gibt zu, Eishockey zu bevorzugen – und dennoch: An diesem Tag drehte sich für Franck Giovannini alles um Golf. Der Chef sorgte beim «Parcours Gourmand» in Lausanne für das grosse Spektakel. Der Schweizerische Verband unabhängiger Golfer (ASGI) organisiert diese Turnierserie; sie ist längst Kult. Mit einem grossen Teil seiner Brigade, ergänzt durch Servicekräfte und Abwäscher, reiste der Patron des 19-Punkte-Restaurants «Hôtel de Ville» in Crissier an. Das Menü für die 80 Golfer auf dem Platz des Golf Club de Lausanne. Drei kleine Vorspeisen, drei Hauptgänge und drei Desserts. Und am Abend ging’s in Francks Restaurant munter weiter. Bild oben: Franck Giovannini in der Mitte, mit seiner Frau Stéphanie und dem Team aus Crissier im Golf Club de Lausanne.
 

Charline Pichon ist ganz entspannt – sie macht sich keine Sorgen um ihre Weine, denn sie werden unter perfekten Bedingungen und in makellos sauberen Gläsern serviert.

Makellose Gläser auch auf dem Golfplatz: «Sommelière des Jahres» Charline Pichon entspannt bei der Arbeit.

Auch im Freien wird frisch gekocht: Die Gerichte werden direkt vor Ort, unweit der Greens, zubereitet.

Crissier-Qualität auch bei einem «Auswärtsspiel»: Angerichtet wird unweit der Greens.

Regen statt Hitzewelle. Ein solcher Tag ist für das Restaurant aussergewöhnlich. Auch für die Brigade, die ihre hochgerüstete Küche und damit ihre Komfortzone verlassen musste. Bereits ab acht Uhr wurden sämtliches Material und alle Zutaten in Lastwagen verladen. Teller, Besteck, Küchenutensilien: Nichts durfte fehlen. «Man muss die Gerichte intelligent planen», erklärt Franck Giovannini. «Wir haben dort Kochplatten und drei Öfen unter einem kleinen Zelt. Damit müssen wir auskommen.» Als die ersten Regentropfen fallen, bleibt der Chef gelassen: «Das ist mir lieber als eine Hitzewelle mit 40 Grad, die uns auch bei der Haltbarkeit gewisser Produkte vor echte Probleme stellen würde.»
 

Ein gewöhnliches Gewitter hält Franck Giovannini nicht vom Kochen ab!

Da steht einer im Regen! Ein Gewitter trübt Franck Giovanninis Laune nicht.

24 Mal pro Jahr Gast in Crissier. Mit Meta-Brille mit integrierter Kamera auf der Nase und einem Zigarillo zwischen den Fingern steht ASGI-Boss Pascal Germanier auf der Terrasse des Clubhauses. «Kocht Giovannini, sind die Tickets sofort ausverkauft.» Germanier ist in Crissier mehr als ein Stammgast: Laut Franck Giovanninis eigener Zählung ist er der zweittreueste Gast des Hauses – mit 24 Besuchen pro Jahr. Er ist auch Präsident des Zigarren-Clubs des Restaurants, der sich alle zwei Wochen in Crissier zum Essen trifft. Zwischen Pascal Germanier und Franck Giovannini ist im Laufe der Jahre eine echte Freundschaft entstanden, wie zuvor mit den Vorgängern Philippe Rochat und Benoît Violier.

Pascal Germanier, Vizepräsident der ASGI, ist laut Franck Giovannini mit 24 Besuchen pro Jahr der „zweitbeste Kunde von Crissier“.

Pascal Germanier (l.), Vizepräsident der ASGI, ist laut Franck Giovannini mit 24 Besuchen pro Jahr der «zweitbeste Kunde von Crissier».

«Eine Chemie, die entsteht». «Gastronomie und Golf passen perfekt zusammen. Die Parcours Gourmands werden in Viererteams gespielt, alle spielen gemeinsam, es ist gesellig, es entsteht eine Chemie. Die Golfer, die Unternehmen, die Sponsoren – alle sind begeistert!», schwärmt Pascal Germanier. Wer die Golfer beim Essen beobachtet, spürt sofort die herzliche Atmosphäre, die im Clubhaus herrscht. Eine Einschätzung, die François Fragnière, Präsident des Golf Club de Lausanne, teilt: «Wir befinden uns auf einem der schönsten Plätze der Schweiz und empfangen heute den Mann, den ich für den besten Koch des Landes halte. Das kann nur einer der schönsten Tage des Jahres werden. Es ist übrigens der einzige Anlass, an dem meine Frau teilnimmt.»
 

Golfer mit bemerkenswertem Appetit. Präzision auf den Greens, Präzision auf dem Teller: Der Tomatenconsommé mit knusprigem Bauernschinken war ein regelrechter «Tomatensturm». Die Taschenkrebse entfalteten zunächst eine kraftvolle Intensität, dazu gab’s Fenchel und Anis. Und der gefrorene Erdbeer-Cocktail war so konzentriert, dass man sich fragte, wie viele Früchte wohl für seine Zubereitung nötig waren. Charline Pichon, GaultMillaus «Sommelière des Jahres 2026», wählte dazu die Weine aus, darunter ein französischer Viognier von François Villard mit typischen Aprikosennoten sowie ein hervorragender Neuenburger Pinot noir von der Domaine de Chambleau, der vor Frische nur so sprühte. Und am Abend? Ein aussergewöhnliches Menü wurde aufgetragen. Man merke: Die Golfer des «Parcours Gourmand» sind Feinschmecker und haben einen bemerkenswerten Appetit.
 
www.asgi.ch/fr/activites/parcours-gourmands.html