Elif Oskan, stehen Sie schon mehr im TV-Studio als in der «Gül»-Küche?
Gerade war ich fünf Wochen unterwegs. Insgesamt investiere ich für Fernsehen und andere Medienauftritte etwa 20 Prozent meiner Zeit. Und meistens ist das gut planbar. Zum Glück habe ich ein starkes Team, auf das ich mich verlassen kann. So lässt sich der Alltag im Restaurant gut bewältigen, wenn ich nicht da bin. Schwieriger sind unerwartete Dinge – wenn zum Beispiel der Kamin revidiert werden muss und das «Gül» dafür eine Woche schliessen muss.
Fällt es Ihnen leicht, den laufenden Restaurant-Betrieb zurückzulassen?
Es ist manchmal schwierig, weg zu sein, weil mir die Nähe zum Betrieb wichtig ist. Das Reisen nimmt viel Zeit in Anspruch und kann zur Belastung werden. Aber ich teile mir alles sehr bewusst ein. Mein Leben ist klar nach Prioritäten geordnet: Zuerst kommt der Betrieb, dann die Freizeit – inklusive fünf Wochen Ferien – und dann der Rest.

Sonntag, 10. Mai 2026 bei «Kitchen Impossible» Elif Oskan mit den Kolleginnen Cornelia Poletto und Viki Fuchs (v.l.n.r.)
Sie sind zusammen mit Tim Raue, Alexander Herrmann und Steffen Henssler als Coach bei «The Taste», immer wieder bei «Kitchen Impossible», bei «Grill den Henssler» und «Liefern ab!» – die Kochshow-Elite im deutschen Fernsehen. Wie wählen Sie Ihre Engagements aus?
Am Anfang habe ich fast alles angenommen, einfach um auszuprobieren, was mir Spass macht. Mittlerweile ist mir Routine wichtig. Deshalb definiere ich Anfang des Jahres eine feste Anzahl Tage, die ich zur Verfügung stehe. Sind die vergeben, schaue ich, ob noch etwas reinpasst. Aber immer öfter sage ich auch «Nein».
«The Taste» oder «Kitchen Impossible» sind völlig unterschiedliche Formate. Was reizt Sie überhaupt am Fernsehen?
Bei beiden gilt: Das Gefühl ist einzigartig: Auf einer grossen TV-Produktion mit der ganzen Crew zu sein, die wechselnden Orte, die vielen Begegnungen – das ist wie ein Rausch. Und es ist gut vergleichbar mit dem Kochen: Wenn man im Service mit dem Team voll im Moment ist, kommt man in denselben Tunnel.

Auch dieses Geschäft läuft: Sonntagsbrunch im Restaurant Gül.

«Zum Glück habe ich ein starkes Team»: Elif Oskan (l.) mit Kollegen am Pass.
Hand aufs Herz, hat eine Sendung wie «The Taste» einen kulinarischen Wert?
Wussten Sie, dass der legendäre Anthony Bourdain das Format mitentwickelt hat? Als ich das erfuhr, fand ich es noch cooler, dabei zu sein. Die Kandidaten sind teils erfahrene Köche, teils echte Amateure. Und es entstehen daraus erstaunliche Karrieren: Rosina Ostler war als Hobbyköchin im Finale von «The Taste», hat danach eine Ausbildung als Köchin gemacht und arbeitet heute im Restaurant Dallmayr in München mit zwei Michelin-Sternen. Es gibt einige solcher Beispiele.
Sie sind – anders als Ihre Kollegen Tim Raue oder Tim Mälzer – keine Rampensau. Was bringen Sie in eine Fernsehsendung ein?
Die beiden «T’s» haben ihre sehr markanten Charaktermerkmale. Ich spüre mich selbst aber ganz gut und kann meine eigene Persönlichkeit einsetzen. Ich lasse mich nicht aus der Ruhe bringen. Ich bin anders – und das funktioniert trotzdem, obwohl ich weder fluche noch vulgär werde. Fürs Fernsehen muss man auf jeden Fall spontan sein, sonst klappt es nicht.
Am Bildschirm wirken Sie immer dermassen zugewandt, als würden Sie jedem einen Blumenkranz umhängen wollen. Sind Sie das, oder ist das Ihr «TV-Ich»?
In «The Taste» habe ich eine andere Funktion als bei «Kitchen Impossible». Das ist wie in der Küche: Am Pass oder am Ofen spiele ich auch unterschiedliche Rollen. Mir ist es wichtig, im TV möglichst bei mir zu bleiben. Ich möchte den Leuten, denen ich beim Dreh begegne, etwas mitgeben. Authentizität ist heute gefragt – niemand will ein schlechtes Schauspiel sehen. Ich habe gelernt, wie wichtig Körpersprache ist. Man darf auf keinen Fall verkrampft wirken.

Coaches und Moderatorin bei «The Taste»: Steffen Henssler, Angelina Kirsch, Elif Oskan, Alexander Herrmann und Tim Raue (v.l.n.r.).
Erkennt man Sie in Deutschland schon auf der Strasse?
Wenn ich zum Beispiel in Hamburg aus dem Flughafen komme, werde ich oft erkannt. Die Deutschen kommen direkt auf einen zu – das war für mich eine neue Erfahrung. Am intensivsten ist es auf Langstreckenflügen, wenn einen die Hälfte der Passagiere erkennt. Ich habe viele schöne Begegnungen, aber es kann auch anstrengend werden. Als ich mit dem Fernsehen anfing, wusste ich zum Glück noch nicht, wie viel Privatsphäre man dafür aufgibt und wie viel Kraft es kostet, ständig gut gelaunt sein zu müssen.
Wie ist es in der Schweiz?
Die Schweizer sind – ganz dem Klischee entsprechend – deutlich diskreter. Viele schauen zweimal und fragen sich: «Ist sie das?»
Köche erhoffen sich durch TV-Präsenz ein volles Restaurant. Funktioniert das?
Ich bin selbst überrascht, wie viele Gäste extra aus Deutschland ins Gül kommen, weil sie mich im Fernsehen gesehen haben. Viele verbringen dafür ein Wochenende in Zürich oder legen auf der Durchreise einen Stopp ein. Damit hätte ich nie gerechnet. Es nützt ja nichts, super zu kochen, wenn niemand davon weiss. Jeder Gastronom muss heute Werbung für sich machen. Und ganz erstaunlich: Viele Kinder und Jugendliche werden durch «The Taste» auf uns aufmerksam. Manche wollen den Zukunftstag bei uns verbringen oder ein Praktikum machen. Es gibt sogar Zehnjährige, die sich von ihren Eltern einen Besuch im «Gül» wünschen.

«Locker und witzig»: Markus Stöckle und Elif Oskan 2023 bei «Kitchen Impossible».
Sie treten auch mit Ihrem Partner Markus Stöckle vor die Kamera. Wie entscheidet sich, ob Sie allein oder als Paar auftreten?
Ich arbeite sehr gerne mit Markus vor der Kamera zusammen – er ist locker und witzig. Aber sein Fokus liegt klar auf der Küche, er möchte möglichst viel Zeit im Restaurant verbringen. Ich geniesse es dagegen, rauszugehen und neue Impulse mitzubringen. Abgesehen davon gibt es am Fernsehen ohnehin genug männliche Köche. Frauen sind aktuell deutlich gefragter.
>> Elif Oskan (geb. 1990) führt seit 2019 zusammen mit ihrem Lebenspartner Markus Stöckle das Restaurant Gül in Zürich (15 Gault-Millau-Punkte). Sie ist Autorin des Buches «Cüisine» (AT Verlag) und tritt regelmässig in Koch-Formaten auf: als Jurorin bei «MasterChef Schweiz» und als Coach bei «The Taste» (Sat.1) sowie als Gast bei «Kitchen Impossible», «Grill den Henssler» und «Liefern ab!» (alle VOX). Die nächsten Auftritte: «Kitchen Impossible» am Sonntag, 10.5., 20.15 Uhr auf VOX; «The Taste» am Mittwoch, 13.5., 20.15 Uhr auf SAT1.
Fotos: Charlotte Fischli, Marco Arguelo, Henning Kretschmer (RTL), Benedikt Müller (Joyn)

