Goldgräber-Stimmung! Hoher Buchungsstand, zum Teil atemberaubend hohe Preise: Den 42 handverlesenen Swiss Deluxe Hotels geht es so gut wie noch nie. Präsident Michael Smithuis (General Manager «Le Fairmont Montreux Palace») und Geschäftsführerin Nathalie Seiler-Hayez (zuletzt General Manager «The Connaught», London und «Beau-Rivage Palace» Lausanne) über Neuaufnahmen und Rausschmiss, über Starchefs im Hotel und über die Trinkgeld-Frage.
Haben Sie Ihre Mitgliederbeiträge schon erhöht? Die Swiss Deluxe Hotels in den Bergen haben im letzten Winter Geld verdient wie Heu!
Nathalie Seiler: Eine gute Idee. Wir denken darüber nach. Aber es ist schon so: Unsere Hotels etwa in St. Moritz oder Gstaad vermelden Jahr für Jahr einen neuen Rekord.
Michael Smithuis: Es ist nicht unbedingt die Auslastung, die höher ist. Die Durchschnittsrate ist kräftig gestiegen. Viele Gäste haben während Covid Geld auf die Seite gelegt, geben es aus, freuen sich, wieder zu reisen und wieder Ferien zu machen.
Die Übernachtungspreise kletterten diesen Winter in den angesagten Stationen ins Unermessliche. Keine Beschwerden der Kunden?
Michael Smithuis: Eigentlich nicht. Die Gäste sind bereit, den Preis zu bezahlen. Es ist ihnen wichtig, in diesen Luxushotels abzusteigen, nicht nur bei uns. Hohe Raten gibt’s auch in Saint Tropez, in Paris, in Courchevel. Der Luxus- und Ultra-Luxusmarkt boomt, und die Luxus-Industrie schafft natürlich auch Arbeitsplätze. Aber klar: Ich frage mich schon manchmal, «when the bubble gonna burst», wann die Blase mal platzt.

Erfolgreich wie noch nie: «Badrutt’s Palace» St. Moritz, GaultMillaus «Hotel des Jahres». Jetzt wird auch das Angebot im Sommer nochmals kräftig ausgebaut.
Die Gäste aus Nordamerika und aus dem Middle East bezahlen jeden Preis. Die Gäste aus der Schweiz nicht. Im «Badrutt’s Palace» St. Moritz ist die Konversationssprache längst Englisch und sind Schweizer Gäste eine Minderheit.
Michael Smithuis: Das mag in den Bergstationen so sein, in weltberühmten Destinationen wie St. Moritz und Gstaad. Im Flachland sieht das anders aus. 30 Prozent der Gäste in Swiss Deluxe Hotels sind nach wie vor Schweizer.
Was sucht der Luxusgast genau in den Swiss Deluxe Hotels: Ruhe oder Bling-Bling?
Nathalie Seiler: Swissness! Das ist unsere DNA, unsere Kultur. Wir sind nicht Dubai. Bei uns ist auch eine gewisse Gemütlichkeit erwünscht, natürlich auch Diskretion und Sicherheit. Viele Gäste wollen ihre Ferien auch mit ihren Liebsten verbringen. Sitzen zwei oder gar drei Generationen gemeinsam an einem Tisch, finde ich das wundervoll.
Wohlhabende Gäste sind schmerzlos beim Bezahlen der Rechnung, aber auch ziemlich anspruchsvoll. «You have to deliver!», lautet die Ansage. Finden Sie die Mitarbeiter, die so hohen Ansprüchen genügen können und wollen?
Michael Smithuis: Heute findet man wieder engagierte Mitarbeiter. Das war in den ersten Jahren nach Covid schwieriger. Wir können auf Angestellte zählen, deren Herz fürs Hotel schlägt und die hoch motiviert sind. Idealerweise hat’s in einem Top-Hotel ein paar erfahrene Mitarbeiter, die gewissermassen die Säulen sind und ihr Wissen an die jungen Kollegen weitergeben.
Ich hätte gerne eine konkrete Antwort auf eine Frage, bei der die General Managers gerne ausweichen: Wieviel Trinkgeld soll’s denn sein? Wer kriegt eigentlich einen Tipp?
Nathalie Seiler: Wohnt man eine Woche im gleichen Fünfsterne-Hotel, sollte man dem Housekeeping schon eine «petite enveloppe» zurücklassen.
…und was ist jetzt genau drin in Ihrer «petite enveloppe»?
Nathalie Seiler: Für eine Woche halte ich einen Betrag von 50 bis 100 Franken für angemessen. Dem Chasseur, der den Koffer ins Zimmer schleppt, gebe ich eine Zehnernote. Auch der Concierge kriegt für einen wirklich guten Tipp ein Trinkgeld.

Die beste Schweizer Hotelküche: Peter Knogl im «Les Trois Rois», Basel.

Neue Suiten, neues Restaurant, neuer Spa: Grand Hotel Les Trois Rois, Basel.
Die Swiss Deluxe Hotels werden auch in den nächsten Monaten gut arbeiten. Der Sommer ist der neue Winter!
Nathalie Seiler: Das erwarte ich auch. Der letzte Sommer hat gezeigt: An der Côte d’Azur, in Griechenland, auf den Inseln war es im Juli und August schon fast unerträglich heiss. Das ist die grosse Chance fürs Ferienland Schweiz! Wichtig ist einfach, dass Hotels und Destinationen gemeinsam ein attraktives Sommerprogramm schnüren. Gstaad, Verbier oder Zermatt sind beispielsweise bereits sehr gut unterwegs.
Die Swiss Deluxe Hotels waren mal eine Vereinigung unabhängiger Hotels. Heute darf jeder rein, auch Mandarin Oriental, Four Seasons oder Fairmont. Selbst Sie als Präsident führen mit dem «Montreux Palace» ein Hotel, das zu einer internationalen Gruppe gehört.
Michael Smithuis: Einspruch! Da kommt nicht jeder rein. Mitglied wird nur, wer unsere strengen Qualitätsvorschriften erfüllt. Viele Hotels, auch das «Montreux Palace», waren früher unabhängige Hotels, sind heute Teil einer Gruppe. Neue, sehr aktive Organisationen wie die «Michel Reybier Hospitality» oder «The Living Circle» sind dazu gekommen. Macht auch Sinn: Die Kosten explodieren. Synergien muss man nutzen, ebenso die verschiedenen Loyality-Programme, die zusätzliche Gäste ins Haus bringen.
Wie kommt man rein in die Swiss Deluxe Hotels-Vereinigung? Und wann fliegt man wieder raus?
Michael Smithuis: Um eine Mitgliedschaft muss man sich bewerben. Die Kandidatur wird im Conseil d’Administration besprochen. Ist die Kandidatur vielversprechend, rückt die Qualitätskontrolle aus. Eine detaillierte Liste wird abgearbeitet, 80 Prozent der Vorgaben müssen erreicht sein. Stimmt die Qualität nicht mehr, müssen wir uns von einem Mitglied trennen. Das ist zwar oft schmerzhaft, aber eine Frage der Glaubwürdigkeit.
Die Vereinigung Relais & Châteaux nimmt Hotels auf, die noch im Bau sind. Swiss Deluxe ebenfalls?
Nathalie Seiler: Auf keinen Fall. Das Hotel muss mindestens ein Jahr offen sein und sein General Manager mindestens ein Jahr im Amt. Ein stabiles Management ist uns wichtig.

Das Lieblingshotel von Nathalie Seiler: «Le Meurice» in Paris.

Das Lieblingshotel von Michael Smithuis: Das «Vier Jahreszeiten» in Hamburg.
Es gibt Hoteldirektoren, die sind gerne bei den Gästen. Und es gibt welche, die sitzen lieber im Büro, am Computer und vor den Excel-Tabellen.
Michael Smithuis: Ich bin ein General Manager alter Schule und gerne bei den Gästen. Aber es gibt auch Hoteldirektoren, die das anders sehen. Ich finde: Die Gastgeberrolle kann man nicht delegieren.
Ich finde: Nur Hotels mit einem guten Restaurant sind gute Hotels. Bei den Swiss Deluxe Hotels sieht man sehr unterschiedliche Modelle: Das «Les Trois Rois» in Basel hat einen Peter Knogl, das «Dolder Grand» in Zürich gibt Chef Heiko Nieder alle Freiheiten. Andere Hotels sind bescheidener unterwegs.
Michael Smithuis: Die Restaurant-Konzepte hängen nicht von unserer Vereinigung ab, sondern vom Besitzer. Knogl in Basel ist eine fantastische Visitenkarte, aber ein Dreisterne-Restaurant mit 19 GaultMillau-Punkten muss man sich leisten wollen.
Nathalie Seiler: Grosse Chefs können nerven mit ihren Wünschen und Ansprüchen, aber ich habe immer sehr gerne mit ihnen gearbeitet, mit Hélène Darroze in London oder mit Anne-Sophie Pic in Lausanne. Solche Ausnahmekönner wirbeln in kürzester Zeit das ganze Hotel auf; ihr Einfluss reicht dann bis hin zum «petit déj», also zum Frühstück. Ich habe von diesen Chefs viel gelernt.»
Das Drama von Crans hat uns alle aufgerüttelt. Was hat die Hotelbranche daraus gelernt?
Michael Smithuis: Sicherheit hat in unseren Hotels Priorität Nummer 1. Wir erfüllen alle Standards, unsere Technik ist auf dem letzten Stand, die meisten Hotels sind direkt mit der örtlichen Feuerwehr verbunden. Wir werden regelmässig vom Brandschutz kontrolliert. Wir haben für unsere Teams regelmässig «Fire Drills». Wer neu zu uns kommt, wird gleich beim Onboarding am ersten Tag von einem erfahrenen Mitarbeiter instruiert.
Einen persönlichen Tipp wollen wir natürlich auch noch abholen. Was ist (im Ausland) Ihr Lieblingshotel?
Nathalie Seiler: «Le Meurice» in Paris! Eine grossartige Adresse, traditionell und innovativ zugleich.
Michael Smithuis: «Vier Jahreszeiten» in Hamburg! «Home away from home». Alle Zimmer renoviert. Ein hervorragendes Restaurant-Angebot: Drei Sterne im «Haerlin», japanisch-peruanische Küche im «Nikkei Nine», ein traditioneller «Grill».
Fotos: François Wavre, Gian Giovanoli, Remy Steiner, Roy Matter, HO

