Fotos: Nik Hunger
Die Confiserie Sprüngli feiert den 190. Geburtstag. Das Geheimnis hinter dem dauerhaften Erfolg des Familienunternehmens? Zufriedene Mitarbeitende. Drei echte Sprüngli-Profis stehen hier stellvertretend fürs ganze «Sprüngli»-Team. Sie arbeiten in völlig unterschiedlichen Bereichen – und sind dem Betrieb alle seit über 20 Jahren treu.

Claudia Dietl: «Ich erzähle im Shop gerne von unserem Nachwuchs.»

Outlet-Shop: Aussergewöhnliche Pralinés zu attraktiven Preisen.
Sie liebt das Konditoren-Handwerk. Ihren Job hat Claudia Dietl darum zweigeteilt: Auf der einen Seite arbeitet die 55-Jährige im Schokoladen-Outlet in Dietikon, wo exklusive Köstlichkeiten und aussergewöhnliche Pralinés zu attraktiven Preisen verkauft werden. Auf der anderen Seite betreut sie – ebenfalls am gleichen Standort – die Lernenden. Ihr Ziel bei der Arbeit mit dem Nachwuchs? «Sie müssen am Ende der Ausbildung verinnerlicht haben, warum sie ein Produkt so herstellen, wie sie es machen.» Es gebe oftmals mehrere Wege, wie man eine Torte zerschneiden oder einen Dressiersack halten könne. «Am Ende sollen sie hinter ihrer Arbeit stehen können.» Die Ausbildung dauert je nach Hintergrund unterschiedlich lange: Bäcker hängen ein Jahr an, Köche zwei, und wer direkt von der Schule kommt, absolviert drei Jahre.
Stammkunden kommen mehrmals wöchentlich. Hinter der Ware stehen – das macht Dietl übrigens auch selbst. Und zwar genau dann, wenn die Erzeugnisse ihrer Lernenden im Outlet verkauft werden. «Ich erzähle den Kunden im Shop unglaublich gerne von unserem Nachwuchs.» Wer ist die Kundschaft im Laden, wo exklusiv auch Sprüngli-Schaumküsse und Konfitüre verkauft werden? «Natürlich kommen Touristen. Ich habe aber auch Stammkunden, die bis zu dreimal pro Woche ihr Sandwich und etwas Süsses zum Lunch bei uns einkaufen.» Claudia Dietl ist seit 25 Jahren bei der Confiserie Sprüngli.

Er ist verantwortlich für rund 50 Pralinés und Schokoladenkreationen täglich.

Arbeitet jahraus, jahrein bei angenehmen 23 Grad Raumtemperatur: Markus Sell.
Der 46-jährige Markus Sell arbeitet jahraus, jahrein bei angenehmen 23 Grad – der perfekten Temperatur, damit Schokolade nicht schmilzt, aber für die handwerkliche Weiterverarbeitung auch nicht zu schnell hart wird. Seit mittlerweile 22 Jahren ist der gebürtige Deutsche bei Sprüngli. Sein Job in Dietikon? Er leitet das Team für «Schokoladen-Kompetenz». Hier werden rund 50 verschiedene Pralinés und Schokoladenkreationen täglich gegossen. Sein Arbeitstag beginnt oft um fünf Uhr morgens. «Ich mache einen Rundgang und schaue, ob alles sauber ist», erzählt Sell. Danach bringt er die verschiedenen Couvertüren – hell, dunkel, weiss und Grand Cru – auf Temperatur und kontrolliert die Arbeitspläne. «Wenn die Mitarbeitenden um sieben Uhr reinkommen, wollen sie loslegen können.»
«Ich liebe Schokolade.» Bei der Einteilung beweist er Fingerspitzengefühl: «Lernende wollen möglichst unterschiedliche Bereiche kennenlernen. Mir ist es aber auch wichtig, dass ich die Fachleute an den richtigen Plätzen habe.» Markus Sell erzählt von einem Mitarbeiter, der seit 25 Jahren Pralinés macht: «Der kann das viel besser als ich.» Und nach all der Zeit: Mag der Hobby-Mountainbiker überhaupt noch Schokolade? «Ich liebe Schokolade von ganzem Herzen – aber meine Qualitätsansprüche sind bei Sprüngli natürlich deutlich gewachsen.»

Sie arbeitet heute seit 31 Jahren fürs Familienunternehmen: Andrea Labhart.

Sie berät Kunden, die eine aussergewöhnliche Torten bestellen möchten.
Andrea Labhart arbeitet direkt am Zürcher Paradeplatz. Sie ist für Bestellungen aus der ganzen Welt zuständig und hat regelmässig mit den schönsten Momenten im Leben zu tun: Sie berät Kundinnen und Kunden, die für Geburtstage, Hochzeiten, Taufen oder Geschäftsfeiern spezielle Torten oder Apéro-Gebäck bestellen: «Aussergewöhnlich war, als der Zirkus Knie eine Torte von uns wollte – mit einem Zirkuszelt obendrauf.» Ist denn nichts unmöglich? «Meist ist es die Statik, die einer aussergewöhnlichen Idee im Wege steht», sagt sie. «Bei einer fünfstöckigen Torte, die rund 150 Portionen entspricht und 23 Kilogramm wiegt, ist in der Regel Schluss. Aber wir finden eigentlich immer eine zufriedenstellende Lösung!»
Arbeiten für die Nummer 1. Ihre eigene Sprüngli-Geschichte klingt fast ebenso rekordverdächtig: Schon als 17-Jährige kam Andrea Labhart für ihre Lehre im Detailhandel zum Traditionsbetrieb, hat sich stetig fortgebildet – und arbeitet heute seit 31 Jahren fürs Familienunternehmen. «Ich hatte eine Kundin, die hat die Torte für den ersten Geburtstag ihres Sohnes bei mir bestellt. Und sie ist uns treu geblieben, bis zur Torte für den 18. Geburtstag, mit einem Autoschlüssel aus Marzipan oben drauf.» Wie kommt es, dass sie schon so lange dabei ist? «Ich bin anspruchsvoll», lautet ihre kecke Antwort. «Ein anderer Arbeitgeber als die unbestrittene Nummer 1 kommt für mich nicht infrage.»
>> Am 18. Juni feiert die Confiserie Sprüngli in allen Filialen der Schweiz den 190. Geburtstag: Geplant sind u.a. Degustationen und ein Gewinnspiel mit vielen Preisen. Details unter: www.spruengli.ch

