Exklusiv für 65 Passagiere. Vier Stunden können sehr lange dauern. Wenn man auf einen Anschlussflug wartet, wenn sich eine Wagner-Oper gnadenlos in die Länge zieht. Oder wenn die Schwiegermutter zu Gast ist und partout erst nach dem Znacht wieder abreisen will. Aber vier Stunden können auch genussvoll und kurzweilig sein, wie die Erlebnisschifffahrt «Legends of Lake Lucerne» auf dem Vierwaldstättersee überzeugend beweist: Mit dem historischen Dampfschiff «Gallia» ist man da unterwegs von Luzern bis nach Brunnen (und natürlich wieder retour). Als exklusiver Gast – maximal 65 Passagiere! – wird man auf höchstem Niveau kulinarisch verwöhnt und dazu unterhalten von Casimir Friedrich Knörr.

Er lässt es sich nicht nehmen, die Gäste persönlich auf der «Gallia» zu begrüssen: Casimir Friedrich Knörr.

Zum Champagner gibt's Snacks, darunter Tatar vom Swiss Alpine Lachs mit eingelegter roter Zwiebel, Meerrettich und Apfel-Gel.
Champagner mit dem historischen Knörr. Casimir Friedrich Knörr? Er stellt sich gleich zu Beginn auf dem Oberdeck persönlich vor. Ursprünglich aus dem Elsass stammend, ist der Unternehmer und Bankier einer der wichtigsten Wegbereiter der Dampfschifffahrt auf dem Vierwaldstättersee im 19. Jahrhundert. Noch im Hafenbecken von Luzern lässt er es sich nicht nehmen, jeden der Passagiere persönlich zu begrüssen und mit einem Gläschen Champagner anzustossen. Dazu werden dann auch bereits die ersten Snacks serviert: Tatar vom Swiss-Alpine-Lachs mit eingelegten roten Zwiebeln, Meerrettich und Apfel-Gel. Und einige Tranchen hauchdünn geschnittenes Lamm mit Sbrinzcreme und Grapefruit-Gel. Das Lammfleisch stammt übrigens von einer Alp im Kanton Uri, wo die Schifffahrtsgesellschaft des Vierwaldstättersees (SGV) eine eigene 500-köpfige Herde besitzt.

Knörr zaubert Geschichten über den Vierwaldstättersee aus dem Hut.

Vier Stunden voller Kurzweil: Blick durchs Bullauge im Bootsrumpf.

Karibik? Nein, so schön kann nur der Vierwaldstättersee sein.
Die ersten Gänge werden «fliegend» genossen. Vier Stunden sind auch dann kurzweilig, wenn man die Gelegenheit nutzt und das wunderbare Dampfschiff «Gallia» neugierig von zuoberst bis zuunterst erkundet. Im Jahr 1913 nahm es seinen Betrieb auf, gilt bis heute als schnellstes Dampfschiff auf europäischen Binnengewässern, macht stolze 32 Kilometer pro Stunde: «So schnell wie ein Rennpferd», zieht Unternehmer Knörr den Vergleich. Als Gast entdeckt man vielleicht die vielen orangen Schwimmwesten, den alten PTT-Briefkasten, das kleine Museum über die SGV unten in der Galerie. Dass man im Dampfschiff ein wenig herumkommt, ist auch dem Essen geschuldet, das zu Beginn an wechselnden Orten serviert wird: erst Luzerner Pastete mit Greppener Truthahn und Bio-Pilzen auf dem vorderer Oberdeck, dann über dem eindrücklichen Dampfschiffmotor als zweiter Gang ein kleines Fondue!
Regenguss im Urner Seebecken. Die vier Stunden laden dazu ein, die unvergleichliche Landschaft um und das eindrückliche Wetter auf dem Vierwaldstättersee zu erleben: Es kann durchaus passieren, dass sich erst die Wolken mit dem blauen Flecken am Himmel streiten, wer denn nun die Oberhand behält. Sich dann im wilden Urner Seebecken – nachdem man die mächtige Rigi und die eindrücklichen Mythen passiert hat – die heftigen Winde bemerkbar machen. Und schliesslich bei der Tellsplatte ein kräftiger Regenguss die «Gallia» trifft, so dass man froh ist, den nachfolgenden Menügang im Salon des Dampfschiffes am weiss gedeckten Tisch zu geniessen: Der Teig der Ravioli mit Seesaiblingfüllung ist gelungen dünn. Die Zitronen-Beurre-blanc dazu hat eine muntere Säure. Feine Selleriewürfeli sorgen für Biss, etwas Chili für den passenden Pfiff.

Butterzart, im Kern gelungen rosa: Rindsfilet «von der Innerschweizer Weide».

Atemberaubendes 360-Grad-Panorama – für den Kapitän und für Passagiere.
Richtig gutes Rindsfilet. Vergnügen hat man als Passagier während vier Stunden eben auch, weil das fünfgängige Abendessen ein deutlich höheres Niveau bietet, als man es sich von der Kombüsenverpflegung anderer Seen gewöhnt ist. Unter Executive Chef René Striegler, der manchmal («und auch sehr gerne», wie er sagt) selber mitfährt, wird als Hauptgang butterzartes, im Kern rosafarbenes Rindsfilet «von der Innerschweizer Weide» angeboten. Die Rösti dürfte vielleicht einen Ticken dunkler gebraten sein, überzeugt geschmacklich aber ebenso wie der samtene Jus und die Babykarotten dazu. Auch der Wein zum Filet ist im weitesten Sinne regional: Der Gast hat die Auswahl zwischen Zweigelt von der Brunner Weinmanufaktur oder Tessiner Bordeaux-Cuvée von Delea in Losone.

Trittst im Abendrot daher – das Heck des Dampfschiffes «Gallia».
Garantiert 360 Grad unglaubliche Abendstimmung! Das Dessert bei dieser vierstündigen Vierwaldstättersee-Exkursion? Eine Mousse vom betriebseigenen «Werft-Honig» gesellt sich zu einem Erdbeersorbet und etwas Basilikum, der nicht nur optisch, sondern auch geschmacklich durchaus Sinn macht. Der Passagier geniesst diese Nachspeise am Tisch, mit Blick auf den Maschinenraum oder draussen, also ganz so, wie es ihm beliebt. Das Wetter? Mit etwas Glück erlebt man auf der Abendfahrt einen schillernden doppelten Regenbogen, einen atemberaubenden Sonnenuntergang oder sogar beides. Garantiert sind auf jeden Fall 360 Grad unglaubliche Abendstimmung, die so nur der Vierwaldstättersee zu bieten hat. Erstaunlich, aber wahr: Am Ende hätte man auf der «Gallia» bei «Legends of Lake Lucerne» auch noch locker ein, zwei Stunden länger schwelgen können.
Fotos: HO, Daniel Böniger

