«Raw Luxury» & Wohlfühloasen. Zuerst Gemini fragen. Was genau bedeutet «Raw Luxury», ein Begriff, der im Internet und an der Hausfassade des «Kempinski Palace Engelberg» immer wieder aufpoppt? Gemini sagt: «Ein Konzept, das Luxus mit Authentizität verbindet, ohne Prunk.» Solange Wohlfühloasen wie eine elegante Terrasse zum Park, ein Wintergarten, eine Bar (auch für Einheimische), eine riesige Cigar Lounge und ein chicer Klamottenladen («Phänomen», Luzern) zum Konzept gehören, soll’s mir recht sein. Eine Rezeptionistin in feuerroter Kleidung gehört auch zum Konzept: Die «Lady in Red», anzutreffen in allen «Kempis» der Welt, zuständig für Sonderwünsche und Troubleshooting. General Manager ist der Norweger Andreas Magnus, nach fünf Jahren im Dorf schon fast ein «Einheimischer». Stolzer Besitzer: Der Yunfeng Gao aus Shenzen; «Forbes» listet ihn unter den 400 reichsten Chinesen.
 

Engelberg OW, 20.08.2026 - Kempinski Palace Engelberg - Copyright Rémy Steiner

Engelberg luxuriös! Das «Kempinski Palace» ist das einzige Fünfsterne-Adresse im Klosterdorf. Eine Top-Adresse.

Infinitypool auf dem Dach. Erster Eindruck nach dem Check-in: Der Luzerner Architekt Iwan «Büeli» Bühler ist bei der Rundumerneuerung des alten Kastens sehr sorgsam umgegangen. Man fühlt sich wohl, in den Gesellschaftsräumen, in den 129 Zimmern und Suiten, am spektakulären Infinitypool auf dem Dach mit Panoramablick auf Sprungschanze, Tal und Titlis. Die Zimmer haben alles, was man in einem Fünfsternehotel erwartet; selbst der gerade ziemlich angesagte Dyson-Föhn fehlt nicht. Die «Belle Epoque» hat das Kempinski im Klosterdorf geprägt. Gilt auch für den beeindruckenden Konzert- und Festsaal gleich nebenan im Kursaal Engelberg.

Kempinski Engelberg, Stefanos Ioannidis' neue Menükarte, OW

Geniessen im Kempinski: Meergetier auf drei Etagen.

Stefanos Ioannidis

Neuer Chef am Herd: Der Grieche Stefanos Ioannidis.

Engelberg OW, 20.08.2026 - Kempinski Palace Engelberg, Gericht; Hirsch mit Orzo - Copyright Rémy Steiner

Hirsch im Teller: Chef Stefanos kann auch Wild.

Besser Essen mit Chef Ioannidis. Im «Kempinski» gibt es seltsamerweise nur ein einziges Restaurant («Cattani»), und das war in den ersten fünf Betriebsjahren nicht wirklich gut. Chefs kamen, kochten glücklos und gingen, aber jetzt ist Besserung in Sicht. Der Grieche Stefanos Ioannidis, zuvor im Mandarin Oriental Luzern, hat übernommen, eine neue Brigade zusammengestellt, eine eigenwillige, aber ansprechende Brasserie-Karte geschrieben und führt das Hotel in den GaultMillau zurück (14 Punkte). Er sorgt für Klarheit auf dem Teller, deckt sich vorzugsweise bei Produzenten der Region ein. Holzen Fleisch in Ennetbürgen etwa liefert mächtige Mangalica-Koteletts; Chef Iaonnidis schneidet die rosa gebratenen Racks schon mal persönlich vom Knochen.
 

Tipp: Viel bestellen, brav teilen. Ein paar Klassiker sind auch im Angebot: Schweizer Rib Eye, Alpstein Poulets, Seezungen, Kalbsbäggli mit Tessiner Polenta. Der Risotto überzeugte uns erst im zweiten Anlauf, diesmal mit Gartenerbsen, Frischkäse und Minze. Hervorragend die Vorspeisen, die man am besten üppig bestellt und dann brav teilt: Feta in knusprigem Filoteig. Zucchiniblüten mit Langustinen und Ricotta. Exzellenter Fenchelsalat. Carpaccio mit Sbrinz. Apropos Sbrinz: Kultkäser und Marktfahrer Sälmi Töngi liefert ihn ins Haus, hergestellt auf der nahen Gerschnialp. Ein griechische Weinbegleitung wird uns empfohlen. Möchten wir nicht, dafür ist das kuratierte Angebot an Schweizer Weinen im Kempi-Keller zu überzeugend. Und die Rechnung? 75 CHF für ein bemerkenswert schlichtes, aber zartes Kalbskotelett ist rassig. «Raw Pricing».
 

Engelberg OW, 03.09.2026 - Titlis Tower, Joseph's Restaurant, André Kneubühler - Copyright Rémy Steiner

Ausflugstipp: Schlemmen im Titlis-Tower auf 3020 Metern. André Kneubühler ist im «Joseph’s» der talentierte Chef.

Golf, «Joseph’s», Rolex. Top-Hotels haben etwas gemeinsam. Als Gast möchte man am liebsten gar nie raus. Wäre aber im Fall Engelberg ein gravierender Fehler. Wandern, Radfahren, Klettern und Paragliding ist vor der Haustütre angesagt, und natürlich Golfen: Der Golfclub Engelberg punktet auch in einem heissen Sommer mit perfekten Fairways und der Freundlichkeit seiner Mitarbeiter. Und dann ist noch dieser «Titlis Tower». Ein Meisterwerk von Jacques Herzog und Pierre de Meuron auf 3020 Metern, mit atemberaubender 360 Grad-Sicht in die stolze Bergwelt und mit aufregender Küche (Restaurant «Joseph’s», Chef André Kneubühler, 16 Punkte). Shoppen kann man am Berg auch – in der höchstgelegenen Rolex-Boutique der Welt.

www.kempinski.com

 

Fotos: Rémy Steiner, HO