Fotos: Digitale Massarbeit
Tierernährung und Donuts. Die Karriere des Basler Unternehmers Roland Zanotelli hat immer wieder mal eine überraschende Wendung genommen. Sein Grossvater war Besitzer einer Getreidemühle, das Familiengeschäft bestand lange darin, Tierfutter herzustellen oder zu importieren. Zanotelli selbst studierte in Frankreich das ungewöhnliche Fach Tierernährung und besuchte Vorlesungen an der ETH Zürich. Deshalb kann er auch Sätze sagen wie: «Die Verdauung einer Sau unterscheidet sich gar nicht so gross von der des Menschen». Nach dem Studium liess Roland Zanotelli eine Software zur Optimierung von Tierfutter-Mischungen entwickeln und verkaufte sie weltweit, bevor er während der Immobilienkrise der 80er Jahre anfing, Land und konkursreife Bauten zu erwerben, um darin beispielsweise die Spielwarenanbieter Toys R Us unterzubringen. Zanotelli entwickelte unter anderem in den 90er Jahren im Auftrag von Coop Tankstellen mit Shops oder besitzt mit einem Geschäftspartner die Schweizer Lizenz für die US-Kette Dunkin’Donuts.

Der Produzent und die Starchefin: Roland Zanotelli und Tanja Grandits im Olivenhain Fontclara in Spanien.
Spanien – Basel. Während seiner wechselhaften Karriere in unterschiedlichsten Feldern hat den Fiat- und Ferrari-Fahrer eine heimliche Leidenschaft allerdings nie verlassen: Roland Zanotelli pflegt seit 40 Jahren seine Liebe zum Olivenöl, das er im eigenen Betrieb produziert. «Ich habe immer gerne gegessen und von Ernährung verstehe ja auch etwas», sagt der Stammgast im Restaurant Stucki von Tanja Grandits über den Grund dafür mit einem Lächeln. Die Basler 19-Punkte-Chefin nutzt in ihren beiden Restaurants heute ausschliesslich Olivenöle von Zanotellis Gut Fontclara an der Costa Brava in Spanien. Alle Öle sind biologisch, sortenrein und wurden mehrfach weltweit ausgezeichnet.

Von der Sonne gereift: Olivenernte in Fontclara.

Perfektes Grün: frisch geerntete Oliven in der Ölpresse.

Frisch ab Presse: Olivenöl der Sorte Arbequina.
Von Martin Dalsass lernen. Den ersten Versuch machte Roland Zanotelli allerdings in Italien. Zusammen mit einem Geschäftspartner wurde grünes Öl («extra vergine») produziert und importiert – vor 40 Jahren eine fast schon revolutionäre Neuheit. «Wir waren die ersten, welche zum Beispiel die Fliessmatten in der Presse jedes Jahr ausgewechselt haben, so dass überhaupt ein schönes grünes Öl entstehen konnte. Davor waren die Öle immer gelblich und hatten Fehlaromen», erklärt Zanotelli. Vom legendären Starchef Martin Dalsass habe er viel über den Geschmack von Olivenöl gelernt. «Er war einer der ersten, der sehr bewusst damit gearbeitet hat», sagt der Unternehmer.

15'000 Bäume auf 60 Hektaren eigenem Land: ein Teil von Roland Zanotellis Olivenbäume.
20'000 Olivenbäume. Durch die Heirat mit einer Spanierin kam Roland Zanotelli schliesslich nach Spanien und kaufte in dem Ort Fontclara 200 Olivenbäume. Später kaufte er Land dazu, heute gehören im 15'000 Bäume auf 60 Hektaren eigenem Land, bis Ende des Jahres 2026 sollen es 20'000 sein. «Mein Ziel war einfach, ein hervorragendes biologisches Öl aus früh geernteten Oliven zu produzieren, das sortenrein sein sollte», so Zanotelli. Was relativ klar und einfach klingt, ist in Wahrheit ziemlich anspruchsvoll. «Die Natur ist eine Herausforderung und besonders die Bio-Produktion mit den strengen Vorschriften und Kontrollen fordert uns», sagt er. Das Streben nach Perfektion sei dabei sein Antrieb. «Es geht darum, das Kunststück fertig zu bringen, den Geschmack der Öle aus Arbequina- oder Argudell-Oliven in der Nase und am Gaumen ohne Fehltöne herausarbeiten», beschreibt Roland Zanotelli sein Ziel.
>> Die Olivenöle aus Fontclara sind im Detailhandel oder online erhältlich.

