Fotos: Alessia Rauseo

Schiefertafel & Degustationsmenü. Risotto gibt’s auch im «Valle», und zwar einen ganz hervorragenden: Carnaroli, mit Champagner und Safran, ab zwei Personen. Aber sonst hat es der Chef nicht so mit den «Osteria»-Klassikern. Wundert uns wenig: Mirto Marchesi hat in Luxushäusern gekocht, im «Chalet d’Adrien» in Verbier für 17 Punkte. Aber nach zwanzig Jahren Fine Dining und wilden Töfftouren durch Asien und Südamerika verwirklicht er sich jetzt seinen Traum: Er führt ein Ristorante in seiner Tessiner Heimat, wenige Minuten von seinem Geburtsort entfernt. Sein Konzept für die «Osteria Valle» in Caslano: Mittags «Piatti del giorno». Was gerade angesagt ist, steht auf einer grossen Schiefertafel. Abends dann ein Degustationsmenü, vier oder fünf Gänge, alles zu sehr freundlichen Preisen.

Hohe Kunst: Wachtel mit Pancetta, Morcheln und Whisky

Hohe Kunst: Wachtel mit Pancetta, Morcheln und Whisky.

«Das Tessin war immer mein Traum.» Mirto Marchesi ist zurück in seiner Heimat. Nach zwanzig Jahren am Herd (17 Punkte im Chalet d’Adrien, Verbier), nach wilden Töff-Touren durch Asien und Südamerika. «Es war immer mein Traum, mal im Tessin ein Ristorante zu eröffnen.» Gefunden hat er das Objekt der Begierde in Caslano, etwas ausserhalb von Lugano. Seine Mamma freut’s: Sie sammelt für ihn den Bärlauch. «Valle» war mal ein Grotto, aber dafür ist der Top-Chef kaum der richtige Mann. Sein sympathisches Konzept: Mittags gibt’s auf der hübschen Terrasse «Piatti del giorno», abends ein «Menu Quattro» oder «Menu Cinque», je nach Anzahl Gänge. Für 80 oder 90 CHF.

Eine Mutprobe in grün. Erster Besuch in Caslano. Eine Tartelette mit Trockenfleisch, Bärlauch und einer raffinierten Prise Meerrettich zur Begrüssung. «Battuta» vom Saibling. Auffallend gute weisse Spargeln aus dem nahen Cantello mit einem verblüffenden «Tarama»: Kabeljau-Eier werden da zu einer Emulsion verarbeitet. Dann wird’s ziemlich frech in der «Osteria Valle»: «Mont d’Or»-Schnecken aus Vallorbe VD, mit Erbsli, viel Butter und Bärlauch. Eine Symphonie (oder Mutprobe?) in grün.

Täglich frisch: Auf der Schiefertafel finden sich immer die Gerichte des Tages.

In der «Osteria Valle» in Caslano stehen mittags die wechselnden «Piatti del giorno» im Rampenlicht.

Jung und frisch: Mirto Marchesi verwirklichte sich mit dem Osteria Valle einen Traum.

Rückkehr in die Heimat: Nach 20 Jahren Fine Dining in Verbier eröffnet Mirto Marchesi sein eigenes Restaurant in Caslano.

The Place to b. Genauso deftig und heftig: «Bonbon di piedino di maiale brasato», Schweinsfuss, gefüllt mit Fleisch vom Hals und von der Backe, dazu eine Porto-Sauce zum Weglöffeln, mit Morcheln und Kartoffelpüree. Alternativen: Tortellone, mit Rindfleisch gefüllt, Lombatina d’agnello (Lammfilet) mit Meaux-Senf und grünen Spargeln. Marchesi ist Käse-Liebhaber. Also rollt sein sehr freundlicher, fachkundiger Partner im Service einen beeindruckenden Käsewagen vor. Ein Predasca aus dem Bleniotal ist auch dabei, produziert von Marchesis Familie. Ob «Piatto del giorno» oder Fünfgänger: Das «Valle» ist immer einen Besuch wert. GaultMillau-Rating: 15 Punkte.

 

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Die GaultMillau-Tester stellen im Auftrag der UBS jede Woche einen «Place to b.» vor: Adressen für den gepflegten Businesslunch, für den Brunch am Wochenende, für ein Essen mit Freunden, für Trendsetter & Entdecker, für Verliebte. Bereits erschienene «Tipps der Woche» finden Sie hier