Neues Leben im Seefeld. Das «Capri» ist eine traditionsreiche Adresse im Quartier. Und seit der Wiedereröffnung bringt das Lokal wieder kosmopolitischen Schwung an die Zürcher Dufourstrasse. Hinter dem Projekt steht unter anderem «Rosi»-Chef Markus Stöckle, der seinem früheren Souschef Charles Aggett die Bühne überlässt. Der junge Brite führt die Küche zusammen mit seinem Stellvertreter Nicola Kristal, der Stationen im «Alchemist» in Kopenhagen und bei Fisch-Pionier Josh Niland in Australien vorweisen kann. Das Resultat: ein grosses, lebendiges Bistro mit 70 Plätzen im Gastraum und einer weitläufigen Terrasse.

Zwei Jungtalente: «Capri»-Küchenchef Charles Aggett (r.) mit seinem Souschef Nicola Kristal.
Contemporary Bistro. Aggett nennt den «Capri»-Stil moderne europäische Küche – oder «Contemporary Bistro». Die Gerichte orientieren sich an Klassikern aus ganz Europa, bleiben zugänglich und konzentrieren sich auf das Produkt. «Keine Pinzettenküche», sagt der Chef. Auf der Karte stehen Klassiker wie Steak au poivre, Spaghetti al limone oder Crevettencocktail. Besonders gelungen: Wolfsbarsch mit Fenchel und Zitrusfrüchten, Rindstatar mit Kartoffelchips und Kräutersalat oder die kunstvolle Pâté en croûte von Souschef Kristal.

Das Lokal ist gross, das Publikum typisch Seefeld, doch im Gastraum schwingt eine überraschend junge, entspannte Energie.
Starke Teller. Auch sonst zeigen sich klare Stärken. Zum Auftakt Radieschen mit luftiger Feta-Zitronen-Creme und Mohn oder marinierte Baby-Artischocken mit Oliven, Honig und Pinienkernen. Ein Highlight: Spaghetti al limone – perfekt al dente, mit einer cremigen Sauce, die zitronig schmeckt, ohne sauer zu sein. Das Rotzungenfilet à la Grenobloise überzeugt mit glasig gegartem Fisch und einer aromatischen Sauce aus Kapern, gesalzenen Zitronen, Schalotten und Hollandaise. Dazu meisterhafte Pommes Anna: aussen knusprig, innen cremig.
Britischer Schlussakkord. Zum Dessert ein klassisches Trifle – Schicht für Schicht aufgebaut mit Crème anglaise, Custard, Himbeergelee, Erdbeersorbet, Biskuit und Pistazien. Süffig, verspielt und typisch britisch. Insgesamt zeigt die Küche solides Handwerk und starke Produkte. Manche Teller bleiben noch auf sicherem Bistro-Terrain, doch das Fundament stimmt.

Im «Capri» kommen die Gerichte aus ganz Europa: Steak au poivre oder Spaghetti al Limone.

Ein Bistro-Klassiker: Seezunge à la grenobloise.
The Place to b. Das «Capri» verbindet klassisches Bistrogefühl mit moderner europäischer Küche und einem jungen Team am Herd. Der elegante Gastraum mit hohen Decken, Säulen und der «gequetschten» Discokugel über der Bar sorgt für Atmosphäre, im Sommer lockt die grosse Terrasse. Eine lebhafte Adresse im Seefeld – mit ehrlicher Küche, starken Klassikern und Potenzial nach oben. GaultMillau-Rating: 13 Punkte.
Fotos: Remy Steiner und Florian Kalotay
Die GaultMillau-Tester stellen im Auftrag der UBS jede Woche einen «Place to b.» vor: Adressen für den gepflegten Businesslunch, für den Brunch am Wochenende, für ein Essen mit Freunden, für Trendsetter & Entdecker, für Verliebte. Bereits erschienene «Tipps der Woche» finden Sie hier.
