Text: Jennifer Segui
Ganz schön «hygge»! Helles Interieur, Kleiderhaken aus Leder, eine kleine Spielecke für die Kinder. Kein Zweifel, im neuen Restaurant im Zentrum von Aubonne ist so ziemlich alles «hygge». So heisst jene skandinavische Lebensphilosophie, die in einem warmen, behaglichen Ambiente zum Wohlfühlen einlädt. Das Café Njørd ist gewissermassen der kleine Bruder des «Njørden», des Restaurants von Philippe Deslarzes (16 Punkte), das schon länger eine zarte nordische Brise an die Ufer des Genfersees gebracht hat. Man setzt sich im neuen Zweitlokal zu jeder Tageszeit an den Tisch, für eine Fika, die schwedische Kaffeepause mit Biscuits, für Lunch, Abendessen oder den Brunch am Wochenende.
Eine Skandinavien-Reise. Deslarzes Vater ist Walliser, von seiner schwedischen Mutter hat er die Kochphilosophie übernommen. Und so erklärt der «Jeune Restaurateur» die Leitlinien mit einer Klarheit, die ans Wasser eines schwedischen Sees erinnert: «Wir lassen einen nordischen Geist über die besten Produkte des Schweizer Terroirs wehen.» Die kleine Karte versammelt Zubereitungen mit Fisch, aber auch Fleisch und Vegi-Gerichte. Neben dem täglich auf einer Schiefertafel angebotenen Tagesgericht und dem stets als Empfehlung erhältlichen Fisch des Tages, stillt die Karte des Njørd perfekt die Lust auf kulinarische Entdeckungsreisen in Skandinavien.

Quentin Lamy ist der Souschef von 16-Punkte-Chef Philippe Deslarzes (r.) – und verantwortlich fürs Café Njørd.

Um Längen besser als bei IKEA: «Köttbullar» nach einem Familienrezept von Philippe Deslarzes.
Köttbullar: Andere Liga als im Möbelhaus. Die als Vorspeise servierten Fleischbällchen erinnern unweigerlich an jene, die in dem berühmten schwedischen Möbelhaus angeboten werden, das ebenfalls in Aubonne ansässig ist. Doch die Bällchen von Quentin Lamy – dem 28-jährigen Sous-Chef von Philippe Deslarzes, der fürs Café verantwortlich zeichnet – spielen in einer ganz anderen Liga: perfekt angebraten, zart im Inneren werden diese «hemlagade köttbullar» aus Schweine- und Rindfleisch begleitet von luftiger, gut gebutterter Kartoffelmousseline, einem Preiselbeerkompott und einer Reduktion von rotem Portwein. Eine Alternative hierzu wäre das bei 64 Grad gegarte, perfekte Ei mit noch flüssigem Eigelb, kombiniert mit Lauchfondue und Speck-Espuma, bestreut mit Schnittlauch und einer Pfeffermischung. Einfach, aber wirkungsvoll. Der schottische Lachs als Hauptgang wird langsam und heiss geräuchert, um sein zartes, saftiges Fleisch schonend zu garen. Tatsächlich behält er so seinen ganzen Charakter und wird beinahe roh aufgetischt, samt kleinem Kartoffelsalat mit Liebstöckel und roten Zwiebeln.

Der schottische Lachs, vorsichtig heissgeräuchert, überzeugt mit zartem, saftigem Fleisch. Passende Beilage: Kartoffelsalat mit Liebstöckel.

Als Dessert oder für die Kaffeepause namens «Fika»: Im «Njørd» gibt's hervorragenden Schokoladenkuchen.
The Place to B. Zum Dessert schliesslich geniesst man den einfachen, auf der Zunge schmelzenden Schokoladenkuchen nach einem Rezept von der Mutter des Chefs. Der Kuchen wird begleitet von ungesüsstem, aufgeschlagenem Rahm. So entsteht ein reiner Fika-Moment zum Abschluss der Reise! Und es steht definitiv fest, dass man in Aubonne VD nun nicht mehr bloss zu hervorragenden Mehrgängern à la Njørden einkehren kann, sondern dank des Café Njørd an gleicher Adresse auch zu skandinavischen Snacks (ab 7 Fr.), sämigen Suppe, Fischgerichten – und sogar Fleischbällchen!
Fotos: Marco Lopez / Agence Regardé
Die GaultMillau-Tester stellen im Auftrag der UBS jede Woche einen «Place to b.» vor: Adressen für den gepflegten Businesslunch, für den Brunch am Wochenende, für ein Essen mit Freunden, für Trendsetter & Entdecker, für Verliebte. Bereits erschienene «Tipps der Woche» finden Sie hier.
