Text: Diego Colombarolli
Blick hinter die Kulissen. In der Küche und im Fleischfachbetrieb zählt jedes Detail. Doch während das Handwerk am Pass oder an der Theke perfektioniert wird, bleiben die Geschichte und die Leidenschaft dahinter für die Gäste und Konsumenten oft unsichtbar. Dass das nicht sein muss, beweisen Pioniere wie der Rheintaler Kult-Landwirt Patrick Danuser oder Metzger Michael Vogt von der Hinterhofmetzgerei. Sie halten die Kamera ungeniert auf ihren Alltag – und erreichen damit zehntausende begeisterte Fans auf Social Media. Hier setzt die «Schweizer Fleisch Academy» an: Inspiriert von diesen Erfolgen macht sie das Know-how rund um Social Media für alle Akteure der Wertschöpfungskette von Schweizer Fleisch zugänglich – ab sofort auch für Köche und Gastronomen. Grosses Bild oben: Starchefs im Social-Fieber! 18-Punktechef Mitja Birlo knipst an der Kitchen Party im «Magdalena» ein Selfie mit Berufskollegen.

Hält seinen Alltag mit der Handy-Kamera fest: Landwirt Patrick Danuser aus Bad Ragaz.

Fleischsommelier und Genussbotschafter: Hinterhof-Metzger Michael Vogt nutzt Social Media aktiv.
Modular zum eigenen Content Das Schulungsprogramm führt die Teilnehmenden in über sieben Stunden Videomaterial Schritt für Schritt durch den gesamten Produktionsprozess. Zunächst geht es um die Wahl der Smartphones, Stative oder Mikrofone. Dann um das nötige Verständnis für die Algorithmen von Instagram und TikTok. Im Praxisteil lernen die Kursteilnehmer, worauf es beim Filmen ankommt – von der Nutzung des Tages- und Abendlichts über geschickte Kameraperspektiven bis hin zu packenden Einstiegen («Hooks») und Handlungsaufforderungen. Schliesslich zeigt das Modul zur Post Production, wie Videos mit Audiokommentar, Untertiteln und Musik versehen und anschliessend optimal auf den Plattformen veröffentlicht werden. Niemand wird dabei allein gelassen: Neben besagten Lektionen gibt es wöchentliche Live-Drop-in-Meetings für Fragen, eine WhatsApp-Gruppe für den Austausch und Praxis-Workshops vor Ort.

Keine Angst: Teures Equipment wie hier braucht es für eine erfolgreiche Social-Media-Präsenz nicht.
Minimaler Aufwand, maximale Reichweite Braucht man dafür teures Equipment? Christophe Hutmacher, Kommunikationsverantwortlicher und Leiter Online-Medien bei «Schweizer Fleisch», beruhigt: «Nein, für den Einstieg braucht man absolut kein Vorwissen und kein spezielles Equipment – ein normales Smartphone genügt.» Auch der Zeitaufwand bleibt überschaubar: Patrick Danuser, der in der Academy ebenfalls auftritt, rechnet pro Video mit rund 15 bis 30 Minuten fürs Filmen und 30 Minuten für den Schnitt. Spontaneität, Natürlichkeit und Nahbarkeit haben auf Instagram & Co. ohnehin höhere Erfolgschancen als aufwändige Produktionen, wie das folgende Beispiel von «Academy»-Teilnehmer «Wüthrich Metzg» in Münchenbuchsee zeigt:
106 Millionen Video-Views als Startkapital Voraussetzung für die Teilnahme ist die Bereitschaft, mindestens ein Video pro Monat beizusteuern. Der Gegenwert ist gewaltig: «Schweizer Fleisch» repostet die Videos der Academy-Mitglieder auf den eigenen Kanälen, die allein im ersten Halbjahr 2026 über 106 Millionen Video-Ansichten generierten. Besonders gelungene Beiträge haben zudem die Chance auf ein Co-Authoring mit GaultMillau Schweiz (124'000 Follower). «Die Betriebe profitieren direkt von dieser enormen Reichweite. Dadurch wachsen ihre eigenen Kanäle und es entstehen ganz neue Chancen», so Hutmacher. Am Ende gewinnen Gast und Gastronom gleichermassen: Der Betrieb füllt seine Tische – und der Gast sieht das ehrliche Handwerk hinter dem Menü.
Jetzt mitmachen! Die Teilnahme an der Schweizer Fleisch Academy steht allen Gastronomiebetrieben in der Schweiz offen. Interessierte melden sich direkt bei christophe.hutmacher@proviande.ch.
Fotos: Olivia Pulver, Samuel Truempy, Nik Hunger
