In Ascona wird gefeiert: 40 Jahre «Giardino». Wir müssen zuerst über den charismatischen Erfinder reden: Über Hans C. Leu (grosses Bild oben).
Hans hat den unaufgeregten Luxus erfunden. Er war seinen Gästen nahe, aber nicht zu nahe. Er kreierte im «Giardino» eine Privathaus-Atmosphäre. Seine Gäste behandelte er wie Freunde. Im Übrigen war er die Integrationsfigur und Vorbild für die Mitarbeiter.

Er hält die Giardino-Gruppe jung: CEO Philippe Frutiger.
Er war ihr Vorbild. Sie waren erst Praktikant im «Giardino», später einer seiner Nachfolger als General Manager.
Hans war ein strenger Chef, er nahm es sehr genau. An unsere erste Begegnung erinnere ich mich noch sehr genau: Ich war Praktikant im «Giardino», servierte ihm einen Tee und wurde gleich fürchterlich zusammengestaucht, weil ich zu viele Teeblätter verwendet habe. Später wurden wir Freunde. Und an der Abdankung hielt ich auf Wunsch der Familie die Trauerrede.
Haben Sie Hans Leu kopiert, als Sie im «Giardino» der Boss wurde?
Hans Leu kann man nicht kopieren. Er war ja nicht nur Hotelier, er war auch Schauspieler und Entertainer. Das «Teatro Giardino» konnten wir ohne ihn nicht einfach weiterspielen, und auch von der Hausfarbe rosa mussten wir uns gelegentlich verabschieden.

Er hat's erfunden: Der leider verstorbene Kult-Hotelier Hans C. Leu.
Hans Leu hat auch ein neues Dinner- und Halbpensionsformat erfunden. Jeden Abend 17 Gänge zur freien Auswahl.
Ein typisches Leu-Konzept. «Wir haben 17 GaultMillau-Punkte, also müssen 17 Gänge aufs Menü», dozierte er. Ewig konnten wir das zu einem Preis von 40 Franken nicht aufrechterhalten. Jeder Gast durfte so viele Gänge bestellen, wie er wollte; einige nahmen das ziemlich wörtlich.
Das «Giardino» ist auch nach 40 Jahren noch ein Erfolgsmodell. Was sind die Erfolgsfaktoren?
Die Mitarbeiter, unser Food-Konzept und der Spa. Im Spa hat meine Frau Daniela das Sagen. Sie testet jeden Mitarbeiter, jedes Treatment sehr genau, weiss, was wichtig und richtig ist. Dafür bin ich ihr sehr dankbar, wir teilen uns den CEO-Job, jeder hat seine Stärken.
Das «Giardino» leistet sich immer einen Star in der Küche: 17 Jahre Rolf Fliegauf, jetzt Reto Brändli.
In Destinationen wie St. Moritz oder Ascona ist Kulinarik sehr wichtig. Unsere Stammgäste sind anspruchsvoll, verwöhnt und sehr kritisch. Aber Chef Reto hat sie erobert, macht einen prima Job.

Die drei Chefköche der Giardino-Gruppe: v.l. Simone Morgano, Francesco Leone, Reto Brändli.
Das «Giardino» ist nicht das einzige Fünfsterne-Hotel in Ascona mit einem Starchef im Team.
Zum Glück! Mehrere gute Küchen beleben das Geschäft. Mit Marco Campanella im «Eden Roc» etwa ist Brändli eng befreundet. Gut für beide.
Sie haben noch einen zweiten Chef im Resort. Francesco Leone im «Hide & Seek» und am Pool.
Francesco hat sich gefunden. Er weiss jetzt, was er am besten kann: klassisch-italienische Küche. Dafür lieben ihn die Gäste. Für’s Fine Dining haben wir Reto.

Chillen am Giardino-Pool.

«Dolce Vita»: Wodka & Limoncello.

Elegant bis ins letzte Detail: «Giardino» Ascona.
Was hat eigentlich der Gast vom «40 Jahre»-Jubiläum?
Wir bieten ein preislich sehr attraktives «1986 Package» an, laden regelmässig zu kulinarischen Events. Jeder Donnerstagabend beispielsweise ist Hummer-Abend. Sehr beliebt bei den Gästen. Diesen Event haben wir aus dem Archiv ausgegraben. Hummer-Dinners gab’s bereits bei Hans Leu. Im Spa bieten wir die ganze Saion über Ayurveda- und Yoga-Retreats an.
Pläne für die nächsten 40 Jahre?
Optimieren! Über neue Hotels für die Gruppe denken wir im Moment nicht nach.
Ihr Lieblingsplatz im Resort?
Ich sitze gerne in der Bar am Kamin. Von dort aus sehe ich alles, habe ich das Hotel im Griff.
Fotos: Keystone/Karl Mathis, Felix Aberli, Thomas Buchwalder, HO

