StÈphane und Fabrice Simonet,MÙtier (Vully), Fribourg, Freiburg, Schweiz,Suisse,Svizzera,Switzerland,
Wine & Drinks

Simonets 100-Franken-Wein vom Mont Vully

Premium-Wein, Premium-Preis: «Rookie» Fabrice Simonet aus Môtier FR verkauft seinen «Initial» für 97 Franken.

23. Dezember 2018

Text: Elsbeth Hobmeier Fotos: Hans-Peter Siffert, Rawkingphoto.ch

Ein 18-Punkte-Wein! «Weinpapst» René Gabriel ist begeistert. Er gibt dem «Initial» satte 18 Punkte. Hin und wieder schaute er als Beobachter während der Reifephase im Keller des «Petit Château» im Dorfkern von Môtier vorbei. Denn diese Reifephase dauerte extrem lang, länger als bei einem Schweizer Wein üblich. 36 Monate schlummerten die Weine in neuen Holzbarriques, dann wurden die vier einzeln gekelterten Rebsorten zu einem Ganzen vereint: 43 Prozent Diolinoir, 25 Prozent Merlot, 20 Prozent Syrah, 12 Prozent Cabernet Sauvignon. In der Flasche reiften sie danach nochmals ein Jahr. Jetzt ist er da, soeben auf den Markt gekommen: Der Initial Millésime 2014 von Le Petit Château im Vully-Dorf Môtier. Letzte Woche wurde er öffentlich lanciert. Das Interesse der Weinliebhaber war gross, allein 50 Wirte und Sommeliers kamen vorbei, um diesen Ausnahmewein zu degustieren.

Simonet Weinkeller
Der Keller des «Petit Château» im Dorfkern von Môtier FR.
Initial Simonet
Der 100-Franken-Wein vom Murtensee: Der «Initial».

Eine Vully-Rotweinlegende. Dieser Wein tanzt aus der Reihe, man würde ihn weit eher im Bordelais ansiedeln als an den Hängen über dem Murtensee. Das Bouquet ist intensiv, eine Fruchtbombe mit Aromen von Brombeeren, Pflaumen, Heidelbeeren, Cassis. Das verleiht ihm einen opulenten Touch, der jedoch von einer frischen, floralen Note gemildert wird. Im Gaumen verblüfft er mit Sanftheit, leichtem Crème-Feeling und runden Tanninen. René Gabriel sagt dazu: «Dieser Initial ist ein derartig offensiv-ausgeflippter Wein, dem man alles verzeiht, wenn man ihn im Glas hat.» Man kann ihn natürlich jetzt schon im jungen, ungestümen Alter trinken - dann sollte er jedoch zwei Stunden vor dem Genuss in der Karaffe atmen dürfen. Aber das ist eigentlich schade, denn er wird sich in den nächsten Jahren bestimmt noch weiterentwickeln.

 

Bewusst im Luxus-Segment positioniert. Nicht nur der Wein, auch sein Preis lassen aufhorchen. 97 Franken für die 75-cl-Flasche ist ungewohnt hoch für einen Schweizer Wein. «Ich kämpfe dafür, dass man auch hierzulande für einen Premiumwein einen guten Preis verlangen darf», sagt Fabrice Simonet, der junge Önologe, «wir Schweizer sind manchmal einfach zu bescheiden.» Schliesslich stammen die für den «Initial» bestimmten Trauben von den besten, bald 30-jährigen Rebstöcken, bearbeitet werden sie nach biologisch-dynamischer Methode und auch die lange Lagerung in neuen Holzbarriques ist kostenintensiv. Die Brüder Simonet - Fabrice als Önologe (grosses Bild oben rechts), Stéphane als Rebmeister (links) - haben anfangs 2018 den eingesessenen 12-Hektar-Winzerbetrieb Le Petit Château von ihren Eltern übernommen. Diesen September zeichnete sie die GaultMillau-Weinjury als «Rookies des Jahres» aus. Jetzt planen die beiden mutig und zielbewusst ihre Zukunft. «Wir wollen nicht grösser, aber immer noch besser werden», sagt Fabrice Simonet, «das heisst, wir bauen jetzt einen weiteren Keller, um auch kleinere Lagen separat keltern zu können.»

 

>> Le Petit Château, Route du Lac 134, 1787 Môtier FR, Tel. 026 673 14 93, www.lepetitchateau.ch

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