Text: Elsbeth Hobmeier

2024 war ein anspruchsvolles Jahr für Winzer im französischen Rhônetal. Jetzt kommen die ersten Weine in den Verkauf – wie zeigt sich der Jahrgang?

Die Rhône ist ein riesiges Gebiet, Pauschalaussagen sind schwierig. Das Jahr 2024 forderte die Winzer generell mit viel Feuchtigkeit und später Reife. Trotzdem haben die besten Winzer und die Top-Terroirs wunderbare Weine hervorgebracht. Sowohl die Syrah-geprägten Tropfen der nördlichen Rhône als auch die Grenache-geprägten der südlichen Rhône sind ungewöhnlich aromatisch und elegant.

Sie sprechen von zwei Grundbereichen. Wie lassen sie sich anhand des Jahrgangs 2024 charakterisieren?

Im Süden zeigen sich die Rotweine tendenziell duftig, fein und oft alkoholärmer. Statt brachialer Wucht wird eine beschwingte, tänzelnde Aromatik gesucht. Im Norden ist der Syrah bedeutend; der Stil ist kühl, mineralisch, mit viel Reifepotenzial. Trotz des moderaten Alkoholgehalts zeigen viele Weine eine hohe Farbdichte, pfeffrige Würze und dichte, seidige Tannine.

Coop bietet als einziger Weinhändler der Schweiz Rhône-Weine in Subskription an. Warum?

Die Subskription ist ein klares Bekenntnis zur Rhône-Region. Sie will eine Brücke zwischen Produzent und Kundschaft schlagen, damit Letztere sich rare Weine zu vorteilhaften Konditionen sichern kann, bevor sie auf den Markt kommen. Eine frühe Abnahmegarantie unterstützt die Winzer und verschafft unseren Kundinnen und Kunden Zugang zu den grossen Perlen der Rhône.

Typisch für die Region Gigondas sind die Flaschenverzierungen.

Typisch für die Region Gigondas: die Flaschenverzierung mit Jagdhorn & Olivenzweig.

Bestehen die Rhône-Weine den Vergleich mit dem Burgund und dem Bordelais?

Absolut. Die Rhône-Region ist auf Augenhöhe mit Burgund und Bordeaux, hat aber eine eigenständige Identität. Im Norden bringt der Syrah auf steilen Granit- und Schieferterrassen Weltklasseweine hervor, die bezüglich Komplexität, Finesse und Langlebigkeit ebenbürtig sind. Im Süden wird die Kunst der Assemblage perfektioniert, um Weine von grosser Wärme und Würze zu keltern. Die Rhône bietet eine einzigartige stilistische Vielfalt auf höchstem Niveau.

Châteauneuf, Rasteau, Vacqueyras, Gigondas: Wie unterscheiden sie sich? Welche Herkunft ist das beste?

Jede Appellation pflegt einen eigenen Charakter. Es ist eine Frage des gewünschten Stils. Châteauneuf-du-Pape ist die unbestrittene Referenz im Süden. Die Weine sind berühmt für ihre Kraft, Komplexität und Eleganz und für ihr enormes Reifepotenzial. Die Gigondas-Weine sind durch die höheren Lagen am Fuss der Dentelles de Montmirail oft straffer, mineralischer, zeigen Kraft und eine ausgeprägte Finesse. Vacqueyras grenzt westlich an Gigondas. Die Weine sind etwas robuster, würziger und oft schon in ihrer Jugend zugänglich. Und die  warmen, nach Süden ausgerichteten Hänge des Rasteau bringen dunkle, konzentrierte, fruchtige Rotweine hervor.

Châteauneuf-du-Pape: Steine in den Rebzeilen speichern Wärme. Der Wind kommt vom Mont Ventoux.

Charakteristisch fürs Châteauneuf-du-Pape: Steine in den Rebzeilen speichern Wärme.

An der Rhône wird oft mit Betontanks gearbeitet, beim Holzeinsatz ist man zurückhaltend. Wie wirkt sich das aus?

Es gibt auch in der Rhône Winzer, die ihren Syrah gerne in neuem oder gebrauchtem Holz ausbauen, und Winzer, die Beton, Ton oder Stahltanks bevorzugen. Betontanks geben dem Wein oft mehr Textur; er wirkt runder und cremiger als derjenige aus dem Stahltank, und entgegen dem Ausbau im Holz finden sich keine Vanille- oder Röstaromen. Der sanfte Sauerstoffaustausch im Beton macht die Tannine geschmeidiger und harmonisiert den Wein.

Gibt es im Rhônegebiet auch namhafte Weisse?

Ja, die eher raren weissen Rhône-Weine gehören qualitativ zur Spitze in Frankreich. Der reinsortige Viognier aus Condrieu ist berühmt für seine exotische Aromatik. Legendär ist der weisse Hermitage aus Marsanne und/oder Roussanne mit seinem unglaublichen Reifepotenzial. Die weissen Cuvées im Süden, etwa aus Châteauneuf-du-Pape, sind komplex, körperreich, mineralisch; sie passsen exzellent zur gehobenen Gastronomie. Die Weine sind heute weniger üppig, dafür klarer in der Frucht. Man erntet die Trauben früher oder selektiver, um Alkohol und Schwere zu reduzieren.

Im Rhônetal kann es ziemlich warm werden. Wie können die Produzenten gegensteuern?

Mit zunehmender Hitze und Trockenheit werden kühlere, nach Norden ausgerichtete Lagen und später reifende Terroirs wichtiger. Nur so bleiben Frische und Balance in den Weinen erhalten. Gegen zu hohen Alkoholgehalt und «marmeladige» Aromatik helfen im Weinberg mehr schattenspendendes Laub in der Traubenzone und frühere, gestaffelte Lese. Zudem ist Boden- und Wassermanagement gefragt: Humusförderung, Begrünung, passende Unterlagsreben und Bewässerung dort, wo das Gesetz es zulässt.

 

>> Jan Schwarzenbach ist ein ausgebildeter Winzer und Master of Wine. Bei Coop Mondovino ist er für die Auswahl und Bewertung der Weine verantwortlich. 

 

Fotos: Nico Schärer und Karl-Heinz Hug