Die GaultMillau-Weinjury zeichnet jedes Jahr die «Rookies des Jahres» aus. Diese inspirieren mich immer wieder aufs Neue. Dutzende zum Teil wirklich neue Winzer und Winzerinnen schaffen Grosses und rücken somit ins Licht der Aufmerksamkeit – und plötzlich geht bei ihnen die Post ab. Die Liste hat mich dazu animiert darüber nachzudenken, welche Winzer für mich persönlich zu den Newcomern des Jahres gehören - und wer mit seinem Wein oder seiner Geschichte mein Herz berührt hat. 

 

Ô Fâya Farm ist ein kleiner Bauernhof im Herzen des Wallis’ in Saxon, wo Ilona Thetaz Aprikosen, Wein, Gemüse und Fleisch produzeiert. Per 2021 wird sie ihre komplette Produktion auf Bio umgestellt haben. Ilona improvisiert seit Jahren. Den Wein vinifiziert sie bei Freunden, denn sie hatte keinen eigenen Weinkeller. Betonung auf «hatte»: Mittels eines Crowdfundings hat sich Ilona sage und schreibe 42'179 Franken zusammengekratzt – in gerade mal 50 Tagen! Mit diesem Geld baut sie nun die Scheune neben ihrem Haus zu einem Weinkeller aus und muss so nicht mehr über Stock und Stein zu ihrem Wein rennen. Ilonas Weine sind so frei und wild wie sie und ihr blonder Schopf. Friede und Freude ist hier überall zu erkennen, vor allem in ihren Weinen. 

 

Keller am See ist ein kleines Weingut direkt am Bielersee in Ligerz. Christian Dexl und Anja Mathys keltern hier erstklassige biodynamische Weine, die so frisch sind, dass man sie fast als Durstlöscher benutzen kann. Christian Dexl wurde von der GaultMillau-Weinjury als «Rookie des Jahres» gefeiert. Anja Mathys folge ich auf Instagram auf Schritt und Tritt. Ein bisschen stalkerisch – allerdings bin ich zu indiskret, weil ich sie immer zutexten muss. Ganz tief unten in meinem Herzen will ich nämlich ihr Leben haben. Nicht, dass mein Leben nicht wunderbar wäre – ich werde schliesslich fürs Wein trinken bezahlt. Jedoch bin ich neidisch auf ihren Outdoor-Lebensstil. Grittibänz-Burger auf dem Feuer im Wald, Quittengelee und Zopf am Sonntagmorgen hoch über dem Nebelmeer oder brätle am See. Ihre Rezepte findet man übrigens auf ihrem Blog edible.ch und können Handgelenk mal Pi umgesetzt werden.  

 

Federal – The Swiss Wine Project ist kein Weingut. Wie der Name schon sagt, ist es ein Projekt, das Schweizer Weine mittels Marketings fördert – was mir ja total entspricht. Schöne Produkte in schönen Verpackungen. «Bling, Glitz, Bäng, Katsching.» Federal hat es sich zur Mission gemacht, das grossartige und vielfältige Schweizer Terroir zu ebnen.  Wie ein Musiklabel versammeln sie sich mit Winzerinnen und Winzern und produzieren mit ihnen gemeinsame Cuvées, meistens limitiert. Während sich die Winzer auf den Wein fokussieren, setzt sich Federal vor allem mit dem Design (Etikette, Packaging), dem Auftritt und dem Verkauf auseinander. Dank dieser Erfrischungskur für viele Weinproduzenten schaffen sie sich so Zugang zu einem offenen Publikum – ergo neuen Weintrinkerinnen und -trinkern.

 

Und hier noch die entsprechenden Weine:

 

Hebed eu Sorg und gärn, Madelyne 
 

Ô Fâya Farm

Mirage d'Arvine Saxon Wallis 2019
More than Wine
CHF 34.50