Interview: Elsbeth Hobmeier | Fotos: Hans-Peter Siffert

Ihre Eltern wurden von GaultMillau als «Ikonen des Schweizer Weins» ausgezeichnet. Jetzt sind Sie am Ruder dieses berühmten Familienbetriebs. Machen Sie alles anders?

Nein, das meiste mache ich gleich wie meine Eltern. Vielleicht widme ich mich mehr als sie den weissen Sorten. Für unsere Rotweine steht das Rezept, da möchte ich nicht viel ändern. Der Klimawandel wirkt sich gerade bei den weissen Trauben ziemlich deutlich aus, die Ernte setzt immer früher ein. Soeben habe ich eine Parzelle neu mit Resi (Rèze) bepflanzt, eine alte einheimische Walliser Rebsorte, die heute rar geworden ist. Wir haben lange diskutiert in der Familie und uns für diese herbe und eigenwillige Traube entschlossen. In drei Jahren, wenn wir den ersten reinen Resi machen können, werden wir wissen, ob es ein guter Entscheid war. 

 

 

Wie läuft die Zusammenarbeit, wer macht was bei den Merciers in Sierre?

Meine Mutter Anne-Catherine kümmert sich um den Verkauf und betreut unsere Kunden. Sie macht das super, sie kennt jeden persönlich, weiss Bescheid über die Enkel und den Hund – in den Zeiten von Corona war sie oft stundenlang am Telefon, weil die Kunden ja nicht zu uns kommen konnten. Mein Vater Denis betreut vor allem die Reben. Ich bin meistens im Keller, in der letzten Zeit zunehmend auch draussen im Rebberg. Momentan diskutieren mein Vater und ich sehr intensiv das weitere Vorgehen, der viele Regen und das schlechte Wetter machen uns Sorgen, da bin ich sehr froh um seine 40-jährige Erfahrung. Seit 2016 arbeiten wir ohne chemische Spritzmittel, und wir möchten das unbedingt beibehalten, auch wenn wir nicht bio-zertifiziert sind. Aber der nasse Frühling und Sommer begünstigt den Mehltau. Wir wissen noch nicht, ob wir unsere Überzeugung dieses Jahr durchziehen können.

 

Sie sind das älteste von vier Kindern. War immer klar, dass Sie die Nachfolgerin werden?

Ich war schon als Kind immer gerne im Weinberg, ich liebte es, meinem Vater zu helfen. Und als ersten Sprössling mussten meine Eltern mich von klein auf stets mitnehmen. Meine zwei Schwestern und mein Bruder zeigten weniger Interesse, das ist auch heute noch so.

 

Anne-Catherine & Denis Mercier

Unterstützen ihre Tochter tatkräftig: Anne-Catherine & Denis Mercier.

Also gab es für Sie nie einen anderen Berufswunsch?

Ganz so klar war es nicht. Mit 14 war ich sicher, dass ich lieber herumreisen wollte. Nach dem Gymnasium ging ich ein Jahr als Austauschschülerin in die USA. Als ich dort immer wieder erklären musste, was meine Eltern zuhause tun, fühlte ich plötzlich, dass es auch mich in die Reben zog. Ich studierte ein Jahr an der ETH in Zürich, dann drei Jahre in Changins. Bei meinen Stages bei den Schwarzenbachs in Meilen, bei Anna-Barbara von der Crone und Paolo Visini im Tessin, bei Opus One von Mondavi in Kalifornien konnte ich sehr viel lernen. 2012 arbeitete ich dann meine erste ganze Saison zuhause.

 

Sie haben zwei Kinder, kommen sie auch schon mit in die Reben?

Ja, die Zwillinge sind jetzt achtjährig, wenn sie Ferien haben oder schulfrei, dann ist der Rebberg ihr liebster Spielplatz.

 

Welches war Ihr erster eigener Wein?

Unser Pinot noir Pradec, ein Einzellagenwein, den ich im Barrique ausgebaut habe.

Château Mercier

Atemberaubend: Das Château Mercier in Sierre.

Wurden Sie von den Berufskollegen, den Kunden, den Weinfachleuten gut akzeptiert als zukünftige Chefin der berühmten Domaine Mercier?

Es brauchte einige Zeit, vor allem am Anfang, als ich schwanger war und dann zwei kleine Kinder zu betreuen hatte. Aber später, als ich wieder richtig mitarbeiten konnte, hörte ich fast nur positive Reaktionen. Seit immer mehr Frauen Verantwortung im Weinbau übernehmen, redet und schreibt man auch viel über uns. Das ist positiv.

 

Sie haben das Präsidium der Vereinigung «Mémoire des Vins Suisses» übernommen.

Mir ist es wichtig, den Stellenwert des Schweizer Weins zu betonen und sein Potenzial aufzuzeigen. Dies ist das Hauptziel des «Mémoire», und dafür engagiere ich mich. Ich hoffe, dass sich auch andere junge Winzer dafür begeistern lassen. 

 


>> www.denismercier.ch

>> Die neue Serie auf dem GaultMillau-Channel: «Next Generation»! Bei fünf «Ikonen» der Schweizer Weinszene übernimmt die nächste Generation. Die jungen Winzerinnen und Winzer im Interview.