Text: Stephan Thomas 

Römische Wurzeln. Das Eichholz ist das optisch auffälligste Weingut in Jenins. Von weitem sichtbar steht die kleine Häusergruppe inmitten des Rebenmeers. Schon die Römer betrieben hier eine Sust, eine Pferdewechselstation. Übrig geblieben ist davon ein riesiger Ziehbrunnen mit der enormen Tiefe von 32 Metern. Hier ist das Reich von Irene Grünenfelder und ihrem Sohn Johannes Hunger.

 

Die Frau ist der Chef. Irene ist eine klassische Quereinsteigerin. Sie hat Geschichte und Politologie studiert, war Journalistin und Redaktorin. Ihr Cousin ist der frühere Spitzenlangläufer Andy Grünenfelder. Durch stetiges Lernen ist sie zu einer der bekanntesten Winzerinnen des Landes geworden. Die Flaschen von ihren gut sechs Hektaren Rebland sind meist schneller ausverkauft, als den Weinfreunden lieb ist. «Anfangs konnte es vorkommen, dass Besucher meinen Keller verliessen mit den Worten: ‹Ich komme wieder, wenn der Chef da ist›». Diese Zeiten sind gründlich vorbei.

 

Motivierter Nachwuchs. Schon voll im Geschäft ist Junior Johannes. Er hat zuvor auf manchem Vorzeigebetrieb in der Schweiz und im Ausland gelernt und gearbeitet. In Weinsberg/D hat er Weintechniker studiert. «Er ist mit vollem Kopf und dünnen Ärmchen zurückgekehrt», witzelt seine Mutter. Grosses vor hat Johannes im Bereich der Schaumweine. Er tüftelt an einem Crémant, der bis auf das Degorgieren im Haus gekeltert wird. Originell auch der «Pet Nit», was natürlich auf den modischen Pet Nat anspielt. Es ist ein klassisch bereiteter Schäumer, bei dem aufs Degorgieren verzichtet wurde. Hervorragend, finden wir.

 

Kult-Pinot. Im Zentrum steht natürlich, wie meistens in der Bündner Herrschaft, der Pinot Noir. Ihn gibt es in der schön primärfruchtigen Basisvariante, dann als «Alte Reben» aus Schweizer Klonen und schliesslich als «Eichholz» aus Burgunder Klonen. Der «Eichholz» ist eines der Flaggschiffe unter den Schweizer Pinots und geniesst Kultstatus. Alles wird spontan vergoren und mit grosser Sensibilität für die Umwelt erzeugt. Ohne dass davon etwas auf der Flasche stünde. Johannes dazu: «So etwas tut man nicht für ein Label. Man tut es aus Überzeugung. Sonst lässt man es besser bleiben.»

 

Das liegt im Keller: Leider nur noch «Pet Nit» (Schaumwein) und «Dioli» (Likörwein)

 

«Coup de coeur»: Crémant 2017

 

Drei GaultMillau-Chefs mit Grünenfelder-Weinen: Andreas Caminada im «Schloss Schauenstein» (19 Punkte). Roger Kalberer im «Schlüssel» Mels (17 Punkte). Ueli Kellenberger im «Rössli» Bad Ragaz (16 Punkte).

 

Das passt zusammen: Mousse au Chocolat aus schwarzer Schokolade (80% Kakaoanteil) und Orangenzesten zu Likörwein «Dioli».

 

>> www.eichholz-weine.ch