Text: Elsbeth Hobmeier Fotos: Karl-Heinz Hug, HO

Das Elsass setzt strikt auf sieben Traubensorten – welche ist bei Ihren Kunden die gefragteste?

Der Gewürztraminer ist mit Abstand der beliebteste Wein bei unseren Kunden. Da bieten wir auch die meisten Referenzen an. In allen Preisklassen, in verschiedenen Formaten, in Bio, Biodynamisch, Grand Cru, von bekannten und weniger bekannten Winzern. Da ist für jeden etwas dabei. Wenn es etwas teurer werden darf, kommt der Riesling als zweitbeliebtester Wein zum Zug. Pinot gris ist bei uns weniger gefragt.

 

Und welche Sorte ist Ihr persönlicher Liebling?

Ich mag Riesling sehr gerne, auch jenen aus dem Elsass. Ich finde zudem, dass die Elsässer den besten Gewürztraminer der Welt machen. Oft ist mir das aber zu viel des Guten, viel Alkohol, viel Aroma, viel Schmelz, oft auch Zucker – dafür muss ich in Laune sein. Ich greife öfter zum Riesling, weil schlanker, mehr Säure, erfrischender und oft trocken.

Gewürztaminer

Angebot ohne Ende: Der Gewürztraminer ist mit Abstand der beliebteste Wein bei Mondovino-Kunden.

Stichwort Gewürztraminer: Wie unterscheidet sich der Elsässer von einem Schweizer oder einem aus Übersee?

Der Stil der Elsässer Weine allgemein ist vielfältig geworden. Von trocken bis süss, von leicht bis schwer, von reduktiv zu oxydativ, von natural zu industriell. Den Elsässer Gewürzstil zu definieren, geht nicht mehr. Aber generell ist er im Vergleich zu Übersee etwas schwerer, oft auch komplexer. Der Gewürztraminer wird nur im Elsass als edle Sorte behandelt und auch im obersten Preissegment verkauft. Eine Degustation bei diversen Produzenten ist sehr interessant.

 

Zu welchen Gerichten passt dieser eigenwillige Wein?

Das ist nicht ganz einfach, er dominiert gern. Als Apéro passt die leichte Variante, die deftigeren Weine begleiten Munsterkäse oder mit Früchten gewürzte Gerichte (Orange, Zitronenzesten, Mango-Curry). Und als Süsswein ergänzt er Früchtekuchen und Cremen.

 

Auf dem Elsässer Etikett steht immer die Rebsorte, Assemblagen gibt es kaum. Ist das für den Konsumenten einfacher zum Einordnen?

Wenn einem die Traubensorte, etwa Riesling oder Pinot gris, vertraut ist, dann ist es einfacher. Allerdings fehlen im Elsass oft Angaben zum Restzuckergehalt, dann weiss man zwar, dass es ein Riesling ist, aber nicht, ob ein trockener oder halbtrockener.

 

Die Domaine Paul Blanck hat noch sehr alte Jahrgänge im Verkauf. Reifen Elsässer Weine besonders gut?

Allgemein gesagt: Ja, sie reifen sehr gut. Natürlich nicht alle Traubensorten und nicht in jedem Preis­segment. Ein Edelzwicker oder ein Gentil für 5 Franken wird nicht gut reifen, ein guter Riesling für 50 Franken oder auch die edelsüssen Weine kann man dagegen 30 Jahre liegen lassen.

 

51 Grand-Cru-Lagen sind imposant. Muss man einen Grand Cru nehmen, oder tut es auch ein Classic?

Auch neben den Grands Crus gibt es viele gute Weine. Oft sind der Winzer, seine Sorgfalt und Passion wichtiger als die Lage. Aber das Potenzial der Grands Crus ist unbestritten, es gibt darunter Hervorragendes.

Cremants

Cremants passen zu Apéro, Vorspeise und leichten Hauptgängen: Der Schaumwein aus dem Elsass.

Das Elsass hat sich einen Namen für seine Crémants gemacht. Wie stufen Sie als Schaumwein-Kenner deren Qualität ein?

Die Crémants sind für das Elsass extrem wichtig: Die Franzosen konsumieren 80 Prozent des Crémant d’Alsace im eigenen Land, 20 Prozent werden exportiert. Die Qualität ist gut, die Preise sind fair.

 

Zu welchen Gelegenheiten empfehlen Sie einen Crémant?

Er passt zum Apéro, aber auch zu Vorspeisen und leichteren Hauptgängen. Blätterteiggebäck und flaschenvergorene Schaumweine sind ein ideales Gespann.

 

Wie entwickelt sich dieser Markt?

Crémant d’Alsace hat seit den 1990er-Jahren richtig stark zugelegt. Im letzten Jahrzehnt ist der Markt
nur noch leicht zunehmend, er wächst nicht mehr so verrückt wie damals. Die Hauptexportmärkte sind Belgien, Deutschland und die USA, am wichtigsten bleibt nach wie vor der Konsum in Frankreich.

 

>> Jan Schwarzenbach (geboren 1976), ist Leiter Direktverkauf Wein am Hauptsitz von Coop in Basel. Im März 2016 absolvierte er erfolgreich die Prüfung als Master of Wine MW - eine äusserst schwierige Ausbildung, die in der Schweiz zuvor erst drei Fachleute bestanden haben.