Peter Gschwendtner
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Peter Gschwendtner: Zurück aus dem Himalaya

Letzten Monat stand Peter Gschwendtner noch am «Berg der Seele» im Himalaya, jetzt wieder am Herd im Goms.

07. Juni 2018

Text: Anita Lehmeier Fotos: Sedrik Nemeth

Alles, was das Wallis zu bieten hat! Spargeln und Erdbeeren aus dem Wallis, Eglifilets aus Raron, Rind aus der Region, Lamm aus dem Lötschental, in einer Kruste aus frischen Kräutern aus dem Schloss-Garten – Peter Gschwendtner vom «Castle» in Blitzingen schöpft für seine Karte wieder aus dem Vollen, bedient sich aus dem Füllhorn von Spezialitäten, die das Wallis zu bieten hat. Die verarbeitet der Naturbursche mit den grauen Schläfen zu Leckerbissen, mit denen er sich beim GaultMillau 16 Punkte verdient hat. Umso erstaunlich, ist der Meister am Herd doch Autodidakt, gelernt hat der gebürtige Tiroler einst Schreiner. Seine Leidenschaft und seine Hingabe am Herd haben ihn in die Oberliga gebracht, der Gourmetführer lobt seine Gerichte als «raffinierte Genüsse».  Seine Art zu kochen lockt Gerngutesser von nah und fern die Kurven hoch ins Goms.

Peter Gschwendtner
Chef Peter Gschwendtner in Action: Vom Schreiner zu 16 GaultMillau-Punkten.

Zurück aus dem Himalaya. In die Höhe zieht es Gschwendtner auch bei seiner zweiten grossen Passion, dem Bergsteigen. Da war ihm das Glück allerdings weniger hold als am Herd: Eben war er im Himalaya, auf dem Weg zum «Berg der Seele», dem Manaslu. Den Gipfel auf 8163 Metern hat er aber nicht erreicht – das Wetter hat nicht mitgespielt: in fünf Wochen gabs nur drei Tage ohne Schneefall. Vernunft, gesunder Menschenverstand, Neuschnee und Lawinengefahr zwangen die Seilschaft im Lager 2 auf 6380 Metern zur Umkehr. «Da hat sich wieder einmal gezeigt, dass die Natur stärker ist als der Mensch», sinnierte der ausgebildete Bergführer nach seiner Rückkehr.

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Zurück im Wallis: Für die Nachbars Kühe gibt es einen Happen.

Eine Schule in Nepal. Mit dem «Seelenberg» hat es Gschwendtner schon zum zweiten Mal probiert. Auch beim ersten Versuch 2015 kam ihm die Natur in die Quere, und zwar ganz massiv. Er war mit seinem Partner und den Sherpas im nepalesischen Solo Khumbu unterwegs, als ein verheerendes Erdbeben die Region erschütterte und Tausende Tote forderte. Wieder unversehrt daheim, organisierte Gschwendtner zusammen mit seiner Frau Brigitte eine Benefizveranstaltung im «Castle». Beim Fest für Freunde und Gäste kam ein schöner Batzen zusammen, so viel, um letzten November damit eine Schule für 160 Kinder im Katastrophengebiet zu eröffnen. «Die Übergabe der Schule an das Dorf war vielleicht der bewegendste Moment meines Lebens», erzählt der «Castle»-Hausherr, der zuvor schon den Ausblick vom Dach der Welt genossen hat. 2014 stand Gschwendtner auf dem Gipfel des Mount Everest – als vielleicht einziger Spitzenkoch, der es auf 8848 Meter hoch geschafft hat. Jetzt nach der Saisoneröffnung im «Castle» am 8. Juni widmet er sich wieder ganz den kulinarischen Höhenflügen.

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Rund ums «Castle» hat Brigitte Gschwendtner einen Kneipp-Pfad erbaut.
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