Gutes Essen, leere Tische. Mittwochabend im «Parkhuus» im Park Hyatt Zürich: Der Service ist aufmerksam und freundlich. Starchef Timotej Muzila (grosses Bild oben), aktuell ausgezeichnet mit 15 Punkten, bereitet seine internationale, clever komponierte Küche zu, die wirklich Spass macht: raffinierter Tuna mit Kombu-Alge, Kaffirlimette und Avocado. Zartes Lamm mit Mönchsbart und Pflaume. Bloss: Man sitzt an diesem Abend komplett alleine im Restaurant – alle anderen Tische sind leer. Auf die Nachfrage, ob das denn immer so sei, antworten die Mitarbeiter nach einigem Zögern, dass man tatsächlich mit weniger Kundschaft zu kämpfen habe. Und: Das Restaurant soll Mitte Juni schliessen!
Reservationstool läuft noch. Geplant ist ein mehrmonatiger Umbau, bei dem unter anderem der eindrückliche Weinkeller ausgebaut werden soll. Zudem will man sich vom Fine-Dining-Konzept verabschieden, alles soll niederschwelliger werden. Von Schweizer Küche ist derzeit die Rede, nicht aber von Zürcher Geschnetzeltem. Das jetzige Personal bleibt dem Haus vorerst erhalten, nach der Neuausrichtung werde wohl jeder für sich schauen, ob er noch bleibe. Warum hat die Hotelgruppe bisher keine Medienmitteilung herausgegeben, keinen Hinweis zur Schliessung auf der Website des Restaurants platziert? Für die kommenden Monate sind sogar noch Tischreservationen möglich.
Wird Timotej Muzila bleiben? Sinkender Weinkonsum, Bankenkrise, Personalprobleme in der Gastrobranche, die Konkurrenz durch Mandarin Oriental Savoy – dies sind nur einige der Faktoren, warum das «Parkhuus», das bis zur Pandemie ziemlich brummte, nun offenbar für die Hyatt-Gruppe ein Klotz am Bein geworden ist. Schade, denn wie gesagt hat dem GaultMillau die internationale Küche von Timotej Muzila gut gefallen. Und ob das «neue Parkhuus», wie immer es dann konkret auch heissen wird, die richtige Bühne für den talentierten Starchef sein wird? Das wird sich zeigen.

