Haubenköche Wanderung Kitzbühel GaultMillau Österreich
Starchefs

Österreicher dominieren am Hahnenkamm

GaultMillau Österreich lud zur ersten Haubenköchewanderung ein. Die Starchefs pilgerten zuhauf auf den Berg.

18. Juli 2018

Text: Kathia Baltisberger Fotos: David Pan / www.goodlifecrew.at

Wanderköche. Was machen über 100 Köche auf dem Hahnenkamm? Ganz einfach: Sie wandern. Die Kollegen von GaultMillau Österreich luden die Stars der österreichischen Gastroszene zur Haubenköchewanderung ein. Heinz Reitbauer (19 Punkte, «Steirereck» Wien), Silvio Nickol (19 Punkte, «Palais Coburg» Wien), Paul Ivic (17 Punkte, «Tian» Wien) und viele weitere folgten dem Ruf nach Kitzbühel. Statt selbst Gäste verwöhnen, sollten es sich die Starchefs einfach mal gut gehen lassen. 

 

Backhendl für den Vegi-Koch. Bei Paul Ivic war die Laune am ersten Abend zunächst noch etwas getrübt: «Ich muss erst noch die Niederlage verdauen», sagt der Mann mit kroatischen Wurzeln nur wenige Minuten nach dem verlorenen WM-Final. Doch getrauert wird nicht. Die dargebotenen Speisen zaubern Ivic wieder ein Lächeln ins Gesicht: Backhendl, Schweinebraten und Semmelknödel. «Solche Sachen esse ich ja eher selten, da habe ich schon zugelangt», gibt er zu – denn in seinem Restaurant kocht Ivic ausschliesslich vegetarisch. 

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170 Gäste - darunter Köche & Produzenten – versammelten sich auf dem Hahnenkamm und posieren vor ihrer «Abfahrt».

Starchefs in der Mausefalle. Verhungern musste auf der Wanderung niemand. Nach der gemütlichen Fahrt mit der Hahnenkammbahn und einem Fussmarsch von einer halben Minute wurden bereits Schinken-Brote serviert – und ein Schnäpschen. Sympa, diese Österreicher. Dann gings entlang der Mausefalle – da wo sich sonst nur die waghalsigsten Skistars runterstürzen. Und worüber unterhalten sich eigentlich Köche auf so einer Wanderung? «Man bringt sich gegenseitig auf den neusten Stand, tauscht sich aus, wie es so läuft», sagt Silvio Nickol aus dem Palais Coburg, dem Partnerhotel vom Park Hotel Vitznau. «Und natürlich spricht man über die neusten Produkte und erzählt sich, was man gerade interessant findet.»

Portugal-Kitzbühel. Halbzeit bei der Wanderung: schon wieder gibts Essen. Würstel und Leberkas. Doch die Organisatoren Martina und Karl Hohenlohe haben sich noch etwas einfallen lassen. Sie liessen Dieter Koschina aus Portugal einfliegen. Der Österreicher, der auf der iberischen Halbinsel erfolgreich im «Vila Joya» kocht, machte ein Kingfish-Tatar mit Maracuja-Gurken-Glace und Yuzu-Schaum. Kollege Hans Neuner – ebenfalls ein Österreicher in Portugal – servierte Lachs mit Senfkörner, Dill und ebenfalls Yuzu. 

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Dieter Koschina (rechts) kam extra aus Portugal. Armin Gupf hilft beim Anrichten.

Die Schweiz mit dabei. Neben zahlreichen Österreichern und wenigen deutschen Köchen, hat sich auch noch ein «Schweizer» ins Tirol begeben: Marcus G. Lindner (Neu: Le Grand Bellevue, Gstaad). Der gebürtige Österreicher ist begeistert vom Event. «Das ist ganz toll gemacht. Man sieht, wie gross die Resonanz und das Interesse bei sowas ist. Ich bin zum ersten Mal in Kitzbühel und ich habe mich richtig darauf gefreut.» Lindner geniesst den Austausch mit den Kollegen aus seiner Heimat und kennt natürlich die Gastronomie in beiden Ländern bestens. «Die Sterneküche in Österreich ist durchaus mit der in der Schweiz zu vergleichen. Die Qualität der Produkte und die Denkweise der Köche sind sehr ähnlich.»

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Marcus G. Lindner (rote Jacke) ist auch unter den Haubenwanderern.

Danke! Gekrönt wurde der Event mit einem Essen im Hotel Rasmushof. Für das Essen sorgte aber nicht ein Starchef. Bäuerinnen aus Kitzbühel versorgten die Starchefs mit einem währschaften Buffet: Schwammerl-Gulasch, Schnitzel, Braten, Kartoffelsalat und Damnidei. Und wie kam das an? «Die Idee ist perfekt», schwärmt Heinz Reitbauer. «Jeder schätzt eine ehrliche und gute Küche, die man von den Müttern und Grossmüttern kennt.» Für die Gastgeber war die erste Haubenköchewanderung ein voller Erfolg. «Ich bin absolut begeistert. Und das ist untypisch, sonst bin ich immer kritisch und nie zufrieden», sagt Karl Hohenlohe. «Das stimmt», ergänzt seine Frau Martina. «Wir bewerten die Köche zwar im GaultMillau, aber wir arbeiten auch mit ihnen zusammen. Mit diesem Event wollten wir Danke sagen.» 

 

Grosses Bild oben: Rudi Obauer, Andreas Döllerer, Heinz Reitbauer, Silvio Nickol, Paul Ivic, Martin Sieberer, Benjamin Parth, Gunther Döberl, Gustav Jantscher (v.l.n.r.)