Locanda Orelli Alessandro Manfré
Starchefs

«Orelli», Bedretto TI: Esel-Ravioli & Gitzi

Unglaublicher Weinkeller, freche Speisekarte: Die «Locanda Orelli» ist der perfekte Boxenstopp ob Airolo.

20. Juli 2018

Text: GaultMillau Schweiz Fotos: Rémy Steinegger, Hans-Peter Siffert

Verdächtige Weinkarte! Ein Blick in die Weinkarte verrät einiges: alle Vinattieri-Weine inklusive des wunderbaren, raren «Luna» zu sehr anständigen Preisen, alle Premiers Grand Crus aus dem Bordeaux (Pétrus, Mouton, Margaux, Haut Brion) im kühlen Keller. Richtig: Luigi Zanini, der Merlot-König aus dem Mendrisiotto, hat die Locanda im Bedretto-Tal gekauft, wie in früheren Jahren wieder zu einer Beiz (mit Bed&Breakfast) gemacht und vor allem sehr sympathische Pächter eingestellt: Alessandro und Michela Manfrè rocken das «Orelli», vorwiegend mit Produkten aus der Region, vorwiegend für Gäste aus der Region. Bedretto ist nur zehn Minuten von Airolo entfernt (Richtung Nufenenpass), ein toller Boxenstopp auch auf der Reise nach Süden. Die Locanda steht wieder auf der GaultMillau-Karte (13 Punkte).

Luigi Zanini
Merlot-König: Luigi Zanini hat die Beiz ob Airolo gekauft.

Alessandros Esel-Ravioli. Chef Alessandro hat Humor. Die Ravioli del Plin etwa sind auf der Karte mit den drei Worten «Asino, Bastone, Carota» umschrieben. Sie ahnen es: Esel-Ravioli sind drin, und weil ein guter Hirte die Tiere mit Karotten lockt und mit einem Stock antreibt, sind auch Rüebli in der Füllung; der Stock besteht aus einem Selleriestab, in Gin aus dem Mendrisiotto gewendet. Der dünne Teig ist fantastisch, ebenso die konzentrierte Sauce; auch die stammt vom (Tessiner) Esel. Wer Esel nicht mag, hält sich an den Risotto; den gibt’s hier mit Bärlauchpesto. Oder stürzt sich auf die Taglierini mit Gambero rosso.

Locanda Orelli Alessandro und Michela Manfré
Sympathische Pächter: Alessandro und Michela Manfrè wirten zusammen in Bedretto TI.

Asparagi di lusso! In der kleinen «Orelli»-Küche nimmt man sich trotz «Einmann-Betrieb» Zeit für die liebevollen Details. Der grüne Spargel wird knusprig gebacken, kriegt ein frittiertes Eigelb (!) obendrauf und «Barba die frati» dazu. Auch hier gefällt uns die Sauce: Taleggio ist drin. Kaninchen gibt’s auch, in Form einer ziemlich rustikalen, aber ordentlichen Terrine, mit Morcheln, Bohnen und Crabu (sardischer Käse).

 

Capretto bio aus dem Nachbardorf. Steht Gitzi auf der Karte, können wir nur schwer widerstehen. Alessandto Manfrè beschafft sich sein Capretto von einem Bio-Bauern im Nachbardorf Osco. Was aus dem Ofen kommt, ist ziemlich bodenständig, mit vielen Knochen und Knöchelchen, was durchaus erfreulich ist. Nur: Mehr Sauce wäre ein Mehrwert. Alternativen: Kalbsfiler mit einem Kartoffel-/Spargeltörtchen oder «Orellis Pulled Pork Burger» mit weissen Zwiebeln und Senf in der Mayo. Der Abschluss? Wir freuen uns über das feine Millefeuille mir Rhabarber und staunen über die tiefe Rechnung.

 

>> www.locandaorelli.ch