«Eine Entschuldigung ist nicht genug.» René Redzepi, der das Kopenhagener «Noma» 2003 gründete und zu einem der wichtigsten Zentren für kulinarische Innovation machte, zog in der Nacht auf Donnerstag einen Schlussstrich unter sein Engagement an der Spitze des Lokals. «Nach mehr als zwei Jahrzehnten, in denen ich dieses Restaurant aufgebaut und geleitet habe, habe ich mich zum Rücktritt entschlossen. Das erlaubt unseren aussergewöhnlichen Führungspersönlichkeiten, den Betrieb in eine neue Ära zu führen», schreibt der 48-Jährige auf Instagram. Redzepi reagiert damit auf gravierende Vorwürfe, die es via Social Media bis in die «New York Times» schafften. Er habe daran gearbeitet, ein besserer Leader zu sein, müsse aber anerkennen, dass die positiven Veränderungen der letzten Jahre «die Vergangenheit nicht ungeschehen machen können». «Eine Entschuldigung ist nicht genug. Ich übernehme die Verantwortung für mein Handeln», so Redzepi. 

Noma Kopenhagen

Mit René Redzepi an der Spitze prägte das «Noma» über zwei Jahrzehnte die Welt der Kulinarik.

«Ich war ein Tyrann.» Die Vorwürfe gegen Redzepi sind nicht neu. Dass sie nun in der «New York Times» so prominent erneuert und diskutiert wurden, erhöhte den Druck auf den Starkoch aber enorm. Fehlverhalten soll im «Noma» unter anderem mit Schlägen gegen die Brust oder in die Rippen bestraft worden sein, manchmal auch durch Stiche mit spitzen Gegenständen wie Grillgabeln.

Partner stiegen aus. Zuletzt hatten sich American Express und das Hospitality-Start-up Blackbird als Partner des am Mittwoch eröffneten «Noma»-Pop-ups in Los Angeles zurückgezogen. «René Redzepis frühere Praktiken waren inakzeptabel und abscheulich, wie er selbst zugibt. Wir können uns nicht auf die verstrichene Zeit und Besserungsversprechen berufen», erklärte Blackbird-Gründer Ben Leventhal. Redzepi hatte schon 2015 in einem Essay kritisch über seinen eigenen Führungsstil geschrieben: «Ich war während eines grossen Teils meiner Karriere ein Tyrann.» Die Anschuldigungen gegen ihn beziehen sich auf die Jahre 2009 bis 2017, also auch auf die Zeit nach diesem «Geständnis».

Fotos: HO