Netflix CHEF'S TABLE Jeong Kwan
Starchefs

Jeong Kwan: Nonne, Köchin, Netflix-Star

Die Zen-Nonne hat kein Restaurant, sie kocht im Kloster. Berühmtheit erlangte sie dennoch mit ihrer Kochkunst.

07. Januar 2019

Text: Kathia Baltisberger Foto: Netflix

Starchef ohne Restaurant. «Ich bin keine Köchin, ich bin eine Nonne», sagt Jeong Kwan deutlich. Und trotzdem erlangte sie durch ihre Küche weltweite Bekanntheit. Kwan ist eine buddhistische Zen-Nonne und lebt in einem Kloster südlich der südkoreanischen Hauptstadt Seoul. Sie kocht lediglich für sich und die anderen Nonnen, nur selten für Gäste. Die Netflix-Produktion «Chef’s Table» widmete ihr eine Folge (Staffel 3, Episode 1). 

 

Tempelküche. Was Kwan zubereitet, wird «Temple Food» genannt. «Es werden ausschliesslich Aromen der Natur verwendet», erklärt Kwan. Vegan würden wir im Westen sagen. Fünf weitere Zutaten werden ebenfalls aus der buddhistischen Küche ausgeschlossen: Knoblauch, Zwiebeln, Schalotten, Lauch und Schnittlauch. Diese würden den Mönch daran hindern, den Zustand geistiger Gelassenheit zu erreichen. Und genau das ist das Ziel der Tempelküche: Der Geist des Menschen soll stets ruhig und bedacht sein.
 

Liebe & Gefühl. Die Zen-Nonne schenkt allen Produkten unheimlich viel Zuwendung. Das fängt schon beim Pflanzen an. Das meiste nimmt sie aus dem Klostergarten. Dort herrscht Chaos. Denn Kwan macht sich nicht die Mühe, alles in Reih und Glied anzupflanzen. Ob ein Gemüse schön heranwächst, ist ihr ebenso egal. Wichtig ist, dass schon die Samen mit viel Liebe und Gefühl behandelt wird. Tempelküche ist kein neuer Food-Trend, sie existiert schon seit tausenden Jahren in Korea. Slow Food und Farm to Table existieren hier seit jeher. 

 

Weggelaufen. Kwan ist das fünfte von insgesamt sieben Kindern. Als sie 17 Jahre alt war, starb ihre Mutter. Sie beschloss für sich, dass sie diese Trauer nie an eigene Kinder weitergeben will. Kurz darauf lief sie von zu Hause weg und ging ins Kloster, wo sie fast 50 Jahre Jahre zurückgezogen lebte. Eric Ripert, Chef im «Le Bernardin» in New York und Buddhist, traf die Nonne auf seinen Reisen durch Korea. 2015 lud er sie nach New York ein, wo der Journalist Jeff Gordinier («New York Times») auf sie aufmerksam wurde. Danach kam Netflix. Seither ist sie ein Star in der Gastroszene – auch wenn sie selbst das alles weniger aufgeregt sieht. 

 

>> Am 17. Januar kommt Jeong Kwan nach Zürich: Sie kocht im Museum Rietberg in Zürich. Der Bericht zum Event lesen Sie im Anschluss auf dem GaultMillau-Channel. 
 

www.rietberg.ch