Fotos: Raphaël Dupain

Drei Gründe für den Erfolg. Zufällig kommt hier im «Gandria» niemand vorbei. Denn das Ristorante im Zürcher Seefeld liegt etwas abseits aller Tram- und Buslinien. Dass es trotzdem Abend für Abend auffallend gut besucht ist, dürfte auf drei Hauptgründe zurückzuführen sein: Erstens auf den hier praktizierten Produkte-Fetischismus. Zweitens auf die Prise Humor, mit der viele Gerichte angerichtet werden. Drittens natürlich auf die Gastfreundschaft, die so selbstverständlich ist, dass sich hier von der Familie mit Kids bis zum allein essenden Gast, der auf dem Handy Schach spielt, alle wohlfühlen. Und das schon ziemlich lange: Adriano Peroncini, Gastgeber und Küchenchef, konnte letzten Herbst sein 10-Jahr-Jubiläum feiern.

Fassone-Rind, selbst importiert. Der Produkte-Fetischismus? Er zeigt sich am besten am Fassone-Rind – zweifelsohne das Highlight bei unserem Besuch. Es wird von Küchenchef Adriano Peroncini selbst in die Schweiz importiert, ist auf den Punkt gebraten, innen also noch schön saftig und so butterzart, dass man es beinahe mit der Gabel zerteilen könnte. Begleitet wird das aromatische Fleisch von einer gelungenen Caponata, geriebenem Parmesan, einer gehaltvollen Trüffelsauce und ein paar Tupfern Kräuteröl.

Foto: Raphaël Dupain - 28.04.2026, Restaurant Gandria Zürich - GaultMillau - Bella Italia 2026 Magazin /

«Gandria»: Eine gute Stube, wo Einzelgäste und Familien sich wohlfühlen.

Foto: Raphaël Dupain - 28.04.2026, Restaurant Gandria Zürich - GaultMillau - Bella Italia 2026 Magazin / Bild: Il Sol Levante a Ponente (Basilikum Matcha Tee Sorbet)

Typisch: Dessert «Il Sol Levante a Ponente» mit Basilikum & Matcha-Tee.

Foto: Raphaël Dupain - 28.04.2026, Restaurant Gandria Zürich - GaultMillau - Bella Italia 2026 Magazin / Bild: Serviceleiter Vincenzo Giugliano

Steht für die aufrichtige Gastfreundschaft des Hauses: Serviceleiter Vincenzo Giugliano.

Köstliches Kalbsbries mit Parmesanglace. Die Gastfreundschaft? Man spürt sie etwa an der Flexibilität des Services, was die Zusammenstellung des mehrgängigen Degustationsmenüs angeht: Wer unbedingt das Kalbsbries im Panko-Mantel probieren möchte, bekommt diese Vorspeise auch. Begleiter der köstlichen Innerei? Ein Glace vom 40 Monate alten Parmiggiano und 35-jährigermAceto Balsamico. Weiteres untrügliches Zeichen, dass Serviceleiter Vincenzo Giugliano und sein Team für die Gäste die Extrameile gehen: Die Weine im Offenausschank werden mit viel Sachverstand empfohlen, auf Namedropping wie bei vielen Italos wird verzichtet.

Falsches «Spiegelei». Bleibt noch der Humor. Ebenfalls im Menü gelistet ist das «Uovo die Amalfi», ein falsches «Spiegelei» als Dessert: Auf einem weissen Schaum von der Amalfi-Zitrone thront ein «Eigelb» mit Mangoaroma, dass beim Anstechen auch tatsächlich zerplatzt. Man fühlt sich an all die witzigen Gerichte der Molekularküche von Starchefs wie Adrià oder Blumenthal erinnert. Noch spektakulärer ist bei unserem Besuch aber eine von Peroncini hausgemachte Torte mit Haselnusscreme, weisser Schokolade und Kaffee, die als «Cremino Piemontese 2.0» bezeichnet wird. Wer Kaffee- und Nuss-Aromen liebt, sollte zugreifen.

Foto: Raphaël Dupain - 28.04.2026, Restaurant Gandria Zürich - GaultMillau - Bella Italia 2026 Magazin / Bild: Cordon Bleu aus Steinbutt und Scampi in Reiskruste mit Meerschaum

Beste Produkte, kreativ zubereitet: «Cordon bleu» aus Steinbutt & Scampi in Reiskruste mit Meerschaum.

Place to B. Mittags ist das «Gandria» die perfekte Location für den gepflegten Business-Lunch: Angeboten wird von Dienstag bis Freitag ein Zweigänger, der je nach Zutaten zwischen 35 und 60 Franken kostet. Ebenso beliebt: Gerichte von der der Abendkarte, mit all den Klassikern des Hauses wie etwa der «Burrata al Cucchiaio mit Piennolo-Tomaten vom Vesuv und Colatura di Alici aus Cetara», wie das Gericht detailliert beschrieben ist. Abends dann bestellen hier eh die meisten Gäste ein Menü, das wahlweise aus vier bis sechs Gängen besteht und zwischen 98 und 125 Franken kostet. Beste Zutaten, Humor und Gastfreundschaft inklusive. Aktuelles GaultMillau-Rating: 16 Punkte.

 

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Die GaultMillau-Tester stellen im Auftrag der UBS jede Woche einen «Place to b.» vor: Adressen für den gepflegten Businesslunch, für den Brunch am Wochenende, für ein Essen mit Freunden, für Trendsetter & Entdecker, für Verliebte. Bereits erschienene «Tipps der Woche» finden Sie hier