Text: Stephan Thomas I Fotos: Nils Jakob
Dalton-Brothers? Wetli-Brothers! Es dürfte sich herumgesprochen haben: Es gibt keine Schweizer Kantone, wo kein Wein wächst. Reben stehen in Uri, Nidwalden und Basel-Stadt. Nicht zu vergessen das Appenzellerland, Ausser- wie Innerrhoden. Hier befinden sich die Lagen auf dem Gemeindegebiet von Lutzenberg AR (Fraktion Wienacht-Tobel) und Oberegg AI (Lage «Chatzenmoos»). Gepflegt werden Reben und Wein vom Betrieb Wetli Weine in Berneck SG. Den vier Brüdern Kaspar jun., Florian, Adrian und Matthias (GaultMillaus Rookies des Jahres), die als weltweites Unikum den Traditionsbetrieb gemeinsam führen, liegen die Appenzeller Weine besonders am Herzen, auch wenn der Grossteil der Produktion des Hauses aus dem sanktgallischen Rheintal stammt. Bild oben: Adrian Wetli, Florian Wetli, Stefan Manser, Michael Koller, Matthias Wetli und Kaspar jun. Welti (v.l.).

Hingucker: Traditionelle Trachten zieren die Etiketten auf den fünf Weinen aus dem Appenzellerland, der neuen Linie von Wetli-Wein.
Kunst auf der Flasche. Dass nun die Linie mit den Appenzeller Weinen neu lanciert wird, leuchtet ein. Zunächst wurden die Bezeichnungen der Weine angepasst. Namen wie «Landsgmendswy» oder «Wienachtswy» waren ausserhalb der Ostschweiz erklärungsbedürftig. Heute heissen sie nüchtern nach ihren Rebsorten: Riesling Sylvaner, Pinot Noir oder Malbec; dazu bietet die Linie einen Schaumwein aus Pinot Noir und eine Cuvée aus Solaris und Riesling Sylvaner. Vor allem aber wurden die Flaschen neu gestaltet. Profilierter, farbiger, unverkennbarer sollten sie daherkommen - und appenzellischer. Ein Fall für den einheimischen Künstler Stefan Manser. Er bekennt sich zu einem traditionellen Stil, der manchmal mit Bauernmalerei verwechselt wird. Der hundertprozentige Autodidakt bezeichnet sich bescheiden als «Auftragsmaler». «90 Prozent meiner Bilder entstehen auf Auftrag.» So wundert es nicht, dass Manser auch an der Publikumsmesse Olma ausstellt. Dort wurde er zufällig mit Wetlis bekannt, die ebenfalls einen Olma-Stand führen.

Die vier Wetli-Brüder führen das Weingut gemeinsam. Besonders spannend: Sie bewirtschaften neben Rebbergen im Rheintal auch solche im Kanton Appenzell.
Mehr als Bier und Käse. Vorgestellt wurde der neue Look an einer Vernissage bei Appenzellerland Tourismus am Dorfplatz von Appenzell, moderiert von Emil «Migg» Koller vor viel lokaler Prominenz, namentlich aus dem politischen Bereich. Hier standen das Winzerquartett und der Künstler Red und Antwort. Sind mit den Etiketten auch die Weine neu geworden? Kaspar Wetli: «Wir haben nichts Grundlegendes geändert. Neu ist nur die Sorte Solaris, die wir angepflanzt haben, weil sie kaum Pflanzenschutz braucht. Sie steckt momentan zu 50% in der weissen Cuvée.» Was steht eigentlich hinter dem Bekenntnis zu Appenzell? Matthias Wetli: «Appenzell ist eine Marke, die zieht. Wir wollen zeigen, dass von hier nicht nur Käse, Bier und Mineralwasser kommen.» Der Unterschied zwischen Innerrhoden und Ausserrhoden, sonst im Kanton ein sensibles Thema, spielt bei Wetlis keine Rolle - obschon die Homepage genau Auskunft gibt, welcher Wein wo wächst.
Gender-konform. Die neuen Etiketten zeigen Trachten tragende Figuren beiderlei Geschlechts. Farbenfroh ist die Sache, bei den Rotweinen Pinot Noir und Malbec sind es Rottöne, Riesling Sylvaner und die weisse Cuvee tendieren zu Gelb. Aufgefallen ist uns, dass man bei der Zuordnung der Figuren zu den Weinen mögliche Klischees vermieden, ja ins Gegenteil gewendet hat. Der stolze Appenzeller, die Hand am Landsgemeinde-Degen, ziert die Flasche mit dem Riesling Sylvaner, dem leichtesten Wein der Linie. Umgekehrt ist es beim Malbec, diesem kraftvollen, fast ein wenig machohaften Wein, der in Amarone-Manier aus eingetrockneten Trauben gekeltert wird. Hier zeigt das Etikett eine anmutige Frauengestalt. «Wir haben uns an Frauenfiguren auf argentinischen Malbec-Flaschen erinnert. Wieso sollte es also hier nicht eine Appenzellerin sein?»
>> Eine Gelegenheit, die neue Linie bei Wetlis in Berneck kennenzulernen, bieten die Tage der offenen Weinkeller vom 1. bis 3. Mai - am 2. Mai wird auch Künstler Stefan Manser vor Ort seine Kunst präsentieren.
