Text: GaultMillau Schweiz | Video: swisspreneur.org

Der Einfluss des Nachbarsohns. Die Frage, ob er schon immer Koch werden wollte, beantwortet Andreas Caminada mit einem Nein. «Ein Nachbarsohn hat eine Kochlehre gemacht und mich in diese Richtung beeinflusst. Mit 13 durfte ich dann eine Woche in seinen Lehrbetrieb hineinschnuppern. Mein Bauchgefühl sagte mir: Das ist das Richtige», erklärt der Chef von «Schloss Schauenstein» im Videointerview mit swisspreneur.org. Nur ums Kochen sei es aber auch da noch nicht gegangen. «Die Menschen am Ort meiner Schnupperlehre gaben den Ausschlag.» Bild oben: Andreas Caminada vor seinem Haus in Fürstenau.

Erste Einblicke ins Fine Dining in Kanada. Nach der Lehre im Hotel Signina in Laax zog es den Bündner für ein Jahr nach Kanada, wo er durch den Vater seiner Gastfamilie erstmals mit der Welt des Fine Dining in Berührung kam. «In Vancouver, einer von vielen Kulturen beeinflussten Stadt, besuchten wir diverse Restaurants, in denen ich jeweils einen Tag mitkochen durfte. Das hat meinen Horizont sehr erweitert», so Caminada. Zurück in der Schweiz, ergatterte er 1998 einen Job beim leider viel zu früh verstorbenen Beat Bolliger im «Walserhof» in Klosters. Ein Meilenstein für ihn. Über das deutsche 3-Sterne-Restaurant «Bareiss» kam er schliesslich zu Hans-Peter Hussoung in den «Wiesengrund» in Uetikon am Zürichsee, seine letzte Station vor der Selbständigkeit.

Andreas Caminada, Spitzenkoch gibt Kochkurs in Zusammenarbeit mit Bio-Cuisine, auf Schloss Schauenstein im OZ, 14. November 2025, Fürstenau GR Caminada & sein Bio-Cuisine-Kochkurs

Der Kulinarikkeller der «Casa Caminada» prägt die Küche von Andreas Caminadas Restaurants in Fürstenau.

Der gute Rat der Mutter. 2003 eröffnete Caminada mit seiner damaligen Freundin Sieglinde Zottmaier «Schloss Schauenstein». «Auch das war ein Bauchentscheid, es fühlte sich einfach richtig an», betont er. «Den Wunsch, mein eigenes Lokal zu führen, hatte ich schon sehr früh, mit 22 oder 23. Meine Mutter sagte mir: ‹Wenn du dich selbständig machen willst, dann tu es früh in deinem Leben. Danach hast du nicht mehr genügend Energie.›» Und warum ausgerechnet Fürstenau? «Vielleicht hatte ich Angst, mein erstes Restaurant in Zürich zu eröffnen, wo es schon damals einen harten Konkurrenzkampf gab», gibt Caminada zu. «Auf jeden Fall fühlte ich mich aber auch von meiner Heimatregion angezogen. Ich liebe die Berge und fuhr jedes Wochenende ins Bündnerland, als ich in Zürich arbeitete.»

Caminada

Fundstück aus der Anfangszeit von «Schloss Schauenstein»: Andreas Caminada 2006 mit seiner damaligen Partnerin Sieglinde Zottmaier.

«Das hat unsere Beziehung gekillt». Die ersten Jahre in Fürstenau waren hart, 16-Stunden-Tage – oft siebenmal in der Woche – die Regel. «Bevor wir Geld ausgaben, überlegten wir immer, ob es wirklich nötig war. 2008 wollte Sieglinde so nicht mehr weitermachen, und unsere Wege trennten sich. Wir warteten zu lange, bis wir Leute anstellten. Das hat unsere Beziehung gekillt», blickt Caminada zurück. So verlor er auf einen Schlag seine Freundin und seine Geschäftspartnerin. Führte das zu einer persönlichen Krise? «Nein», sagt der Starkoch. «Ich war noch sehr jung. Mein Fokus lag auf dem Auf- und Ausbau von Schloss Schauenstein. Das Restaurant war wie ein Baby für mich. Ich hätte es niemals aufgegeben.»

Andreas Caminada für Uccelin-Stiftung 2021 Sarah Caminada mit Andreas Caminada.

Zusammen mit seiner Frau Sarah führt der Starkoch nicht nur das Unternehmen, sondern auch die Fundaziun Uccelin zur Förderung des gastronomischen Nachwuchses.

Andreas und Sarah – ein «super Match». 2010 trat seine heutige Frau Sarah in Andreas Caminadas Leben. 2012 heirateten die beiden auf dem Schloss. «Wir sind ein super Match, auch auf beruflicher Ebene», sagt Caminada. «Sarah führt heute unsere Firma, brachte viel Know-how in Sachen Finanzen mit. Eine wichtige Bedingung dafür, das unser Unternehmen wachsen konnte.» Trotz des wirtschaftlichen Erfolgs sei es ihm aber nie ums Geld gegangen, sondern darum, seine Leidenschaft für die Gastronomie auszuleben, betont Caminada. «Ich hätte in den Anfangsjahren auch nie gewagt, von 19 Punkten und drei Sternen zu träumen.» Obwohl er die höchsten Meriten in den beiden wichtigen Restaurantführern erreicht hat, bleibt der 48-Jährige voller Tatendrang. «Unser wichtigstes Projekt ist, alle unsere Restaurants langfristig am Laufen zu halten. Hinzu kommen kleinere Projekte, zum Beispiel der Bau von Saunahütten mit Kaltwasserbecken für die Hotelgäste in Fürstenau.»

Fotos: Remy Steiner, Thomas Buchwalder, Fabienne Bühler, SI