Text: GaultMillau Schweiz Fotos: Olivia Pulver/Benar Baltisberger/Nicolas Glauser

Historisches Hotel. Am besten macht man es wie die Schriftsteller und Abenteurer im 18. Jahrhundert. Man wählt das Hotel Stern und Post in Amsteg UR als «Bascamp» und macht sich von dort auf in die Urner Täler und auf die Bergspitzen. Das historische Gasthaus ist eines der ältesten der Zentralschweiz. Bereits 1357 wurde es urkundlich erwähnt. Das Hotel diente als letzte Raststätte vor dem Gotthard oder als Unterkunft für Touristen, die nach Abenteuer suchten. Auch Goethe nächtigte schon in den Gemächern. Die Gastgeber Remo Vetter und Rolf Welti führen das Hotel mit sehr viel Herzblut und Liebe zum Detail. Das Interieur erinnert auch heute noch an das Postkutschen-Zeitalter. In den Zimmern finden sich antike Möbel, übersät mit Schnörkeln und Verzierungen. Keine Sorge: Waschgeschirr und Nachttopf wurden durch zeitgemässe Alternativen ersetzt.

Das wild-romantische Maderanertal. Von Amsteg führt der Weg über eine schmale mäandrierte Strasse hoch nach Bristen und ins Maderanertal. Menschen mit Höhenangst sollten vielleicht lieber die Augen schliessen. Allen anderen bietet sich ein Spektakel, wenn der Chärstelenbach mit viel Getose in die Tiefe stürzt. In Bristen hats ein Bähnli, das hoch zum Golzernsee fährt. Die Kabinen sind aber klein, gerade am Wochenende muss man mit Wartezeiten rechnen. Wir empfehlen ohnehin den Weg zu Fuss. Der Weg führt entlang dem Bach und schon nach kurzem Marsch wartet das Gasthaus Legni: eine zauberhafte Landbeiz mit hausgemachten Spezialitäten. Ein Muss ist der Brennnessel-Eistee, gesüsst mit Tanne.

Maderanertal

Wild-romantisch: Der Chärstelenbach im Maderanertal.

Lamas Bristen

Die Bristen-Lamas weiden seit fünf Jahren im Maderanertal.

Achtung Lamas! Nach einer Stärkung kann man am Chärstelenbach entlang weiterlaufen oder wählt den schmalen, treppenreichen Pfad bergaufwärts. Augen auf: Die Region ist bekannt für die vielen Bergkristalle. Nach kurzer aber intensiver Anstrengung gelangt man an den Golzernsee. Baden erlaubt. Von hier geht der Bergwanderweg zur Windgällenhütte hoch – Übernachtung auf Anmeldung. Im Hochsommer lungern hier Lamas rum. Die haben sich nicht aus einem Zoo verlaufen, Rolf Fedier aus Bristen UR züchtet die Andentiere seit fünf Jahren. Denn ihr Fleisch ist eine Delikatesse, erinnert vielleicht am ehesten an Wild. Wanderer brauchen sich aber nicht vor Spuckattacken fürchten: Lamas «spoizen» nur andere Tiere an. Und wenn, dann gehts um Futterneid und Machtkämpfe.

Hotel Stern und Post

Im Hotel Stern und Post gibt es Urner Spezialitäten.

Arnisee Uri Alpenblick

Übernachten im Fass: möglich im Restaurant Alpenblick beim Arnisee.

Arnisee. Zurück im Basecamp in Amsteg hat man noch eine weitere Option: Per Seilbahn gelangt man zum Arnisee. Alternativ kann man auch die Seilbahn von Intschi aus nehmen. Der Arnisee ist ein Juwel in den Urner Alpen. Baden ist hier allerdings verboten! Doch das macht nichts. Vom See gehts steil rauf zur Sunniggrathütte. Das ist kein Spaziergang, aber jeden Schweisstropfen wert. In der Hütte gibts ein kühles Getränk und etwas zu essen: zum Beispiel eine frische Wähe. Wer fest mit Zmittag rechnet, sollte vorher abklären, ob die Hütte offen ist. Ganz wichtig für diese Wanderung: Nehmen Sie im Sommer ein leeres Tupperware mit, um wilde Heidelbeeren zu sammeln – eine Wucht! Auf dem Sunniggrätli hat man dann Sicht ins Reusstal, ins Maderanertal und bis zum Urnersee.

Alpkäse & Lamahaxen. Auf dem Rückweg lohnt sich ein Besuch in der Sennhütte (direkt beim See), dort kann man sich mit Alpkäse, Joghurt und Butter eindecken. Für eine Rösti geht man anschliessend ins Restaurant Alpenblick. Gourmets kehren im «Gasthaus im Feld» in Gurtnellen ein. Hier schliesst sich dann der Kreis: 16-Punkte-Chef Beat Walker kocht exklusiv das Fleisch der Bristen-Lamas. Haxen, Braten oder Leberli: «Ich kaufe und verwerte jeweils ein ganzes Tier», sagt Walker.

 

www.gasthauslegni.ch

www.windgaellenhuette.ch

www.stern-post.ch

www.arnisee.ch

www.feld.ch

www.uri.swiss