Text: Isabel Notari Fotos: Kurt Reichenbach

Tanja La Croix, 38, bewegt sich ungehemmt, geht mit den Rhythmen, öffnet sich dem Publikum, verschmilzt mit der Musik, die sie auflegt. In Top-Clubs auf der ganzen Welt, in den angesagtesten Beachclubs oder in heimischen Galerien, an Firmenanlässen und sogar auf einem Schiff auf dem Vierwaldstättersee. Wo immer Tanja La Croix auftritt, ist sie der sexy Hingucker, setzt sich dementsprechend in Szene. Ganz unaufgeregt aber zeigt sich die DJ-Lady beim Koch­termin mit «al dente». In Jeans und T-Shirt öffnet sie die Tür ihrer modernen Drei­zimmerwohnung in Wallisellen ZH, begrüsst uns fast ein wenig schüchtern, aber herzlich und unkompliziert. Tanja La Croix ist eine grosse Geniesserin und kocht mit grosser Passion. Am liebsten Fisch. Ihr Menü für den Fototermin: Zucchetti-Creme, lauwarmer Pulposalat und Tagliatelle mit Riesencrevetten.

 

Tanja La Croix, keine Angst vor grossen Tieren? Pulpo ist ja nicht grad jedermanns Geschmack.

Nein. Ich probiere gerne verschiedenes aus, setze mir keine Grenzen. Ich koste von allem. Auch, was ich nicht kenne.

 

Keine schlechten Erfahrungen gemacht?

In China habe ich auf den Märkten abartige Sachen gesehen. Da habe ich mich geweigert, zu essen.

 

Als DJ sind Sie oft unterwegs. Auch nachts. Wann ist Ihre Hauptmahlzeit?

Was ich geniesse, ist ein ausgiebiger Brunch am Sonntag. Unter der Woche bin ich jedoch keine Frühstückerin. Am Mittag esse ich ebenfalls nicht gross, weil mich das aus dem Workflow reissen würde. Abends aber, da nehme ich mir Zeit zum Essen. Zuerst die Arbeit und dann das Vergnügen.

 

Gesunde Ernährung, geht das überhaupt in Ihrem Beruf?

Sehr gut sogar. Wenn ich esse, nehme ich mir die Zeit dafür. Selbst wenn ich einen kleinen Hunger verspüre, kaufe ich mir selten auf die Schnelle ein pampiges Sandwich oder Fastfood. Ich warte dann, bis ich gemütlich ein reichhaltiges Essen in einem Restaurant geniessen kann. Oder ich koche mir selber etwas, das mir schmeckt und das ich frisch zubereiten kann.

 

Sie performen ja ziemlich heftig auf der Bühne. Wie halten Sie sich dafür fit, was essen Sie vorher?

Ich mache viel Sport. Kraft und Ausdauer. Und vor einem Auftritt, der mit drei Stunden Zumba-Training zu vergleichen ist, brauche ich Kohlenhydrate. Mit nur einem kleinen Salat würde ich wohl nicht durchhalten. Die Energie hole ich mir mit Pasta und Gemüse, Spaghetti mit Pesto oder Gehacktem mit Hörnli. Da kann ich dann locker zwei, drei Teller essen. Ich schaue nie auf die Menge, aber ich verzichte auf Nahrungsmittel, die viel Zucker enthalten.

 

Haben Sie einen Notfallriegel neben dem DJ-Pult parat?

Nein, nie. Das brauche ich nicht. Ich habe nur Wasser dabei, wenn ich aus dem Haus gehe. Meistens werde ich an meinen Auftritten äusserst gut versorgt.

 

Essen Sie vor einem Auftritt lieber zu Hause oder in einem Restaurant?

Vor einem grossen Auftritt bin ich immer nervös. Rückt der Auftritt näher, kriege ich fast nichts mehr runter. Also koche ich mir gerne vorab was zu Hause. Aber das geht natürlich nicht immer. Oft lege ich im Ausland auf und darf mit den Gastgebern zu Abend essen. So habe ich schon die tollsten Insider-Restaurants auf der ganzen Welt kennenlernen dürfen.

 

Welches ist Ihnen in bester Erinnerung?

Flavio Briatores Lokal in Porto Cervo oder in Byblos nahe Beirut bei einem Dorffest ganz traditionell. Da gab es alles, was ich liebe. Austern, Shrimps, Hummer. Viel Meeresfrüchte und frische Salate. Auch in Mykonos gibts tolle Restaurants.

 

Sie mögen es gerne chic?

Nicht nur. Kleine Tavernen, wo man die Füsse in den Sand strecken kann, wo es keine Karte gibt, sondern nur
das aufgetischt wird, was die Mamma am Herd kocht, sind mir genauso lieb.

 

Sie mögen Fisch?

Sehr sogar. Fisch und Meergetier. Fleisch esse ich selten, wenn, dann sehr ausgewählt. Mir ist wichtig, dass es nachhaltig ist. Ich finde es übrigens auch sehr schwer, ein feines Filet auf den Punkt hinzukriegen. Das ist für mich eine echte Herausforderung.

 

Könnten Sie sich vorstellen, vegetarisch zu leben?

Das ist für mich kein Thema, würde mich zu sehr einschränken. Ich esse nicht nur, um den Hunger zu stillen. Essen ist für mich eine Leidenschaft, purer Genuss.

Wie haben Sie gelernt, so zu geniessen?

Das kommt von zu Hause. Wir haben in der Familie immer viel gekocht. Allerdings mussten wir stets mithelfen, konnten nicht einfach am Tisch sitzen, und Mamma stand in der Küche. Jeder hatte sein Ämtchen.

 

Was kochen Sie denn gerne?

Tintenfisch. Oder Dorade, mit Olivenöl, Salz, Pfeffer, Zitrone abgeschmeckt und ab auf den Grill damit. Ich bin keine aufwendige Köchin, stehe nicht gerne lange in der Küche. Aber ich esse gerne und lange.

 

Kochen Sie nach Rezepten?

Nein. Aber ich versuche oft nachzukochen, was ich in einem Restaurant bestellt habe.

 

Kaufen Sie gerne ein?

Nur, wenn keine Stosszeiten sind. Viele Leute in einem Laden, das halte ich nicht aus. Aber Einkaufen gehört nun mal zum Kochen, das ist ein Vorspiel. Tasten, schmecken – vor allem, wenn man nicht nach Rezepten kocht – ist inspirierend.

 

Ihre Lieblingsläden?

Ich bin ein Migros-Kind, Coop hat aber tolle Fischprodukte. Auch Spezialitäten-Läden mag ich. Mein Fondue etwa poste ich nur bei Kündig in St. Gallen.

 

In welches Restaurant darf ein Verehrer Sie einladen?

Es kommt darauf an. Ist es ein erstes Date, dann möglichst unkompliziert.

 

Ach ja?

Ja, dann bevorzuge ich ein schlichtes Lokal. Ich möchte ja mein Gegenüber besser kennenlernen, mich austauschen. Dies fällt mir in einem Punkte-Restaurant schwer, da ich dann den Fokus voll und ganz dem Essen widmen möchte.

 

Welches Lokal wäre dafür geeignet?

Das romantische «Fischer’s Fritz» am Zürichsee etwa. Da gibts einen feinen Salat mit Fischknusperli.

 

Wann darf man Sie chic ausführen?

Natürlich würde ich mit meinem Partner auch gerne chic essen gehen. Zum Beispiel ins «Sens» im «Vitznauerhof», wo man sich ganz auf die kulinarische Reise einlassen kann, ohne gross reden zu müssen. Diese Gerichte haben die volle Aufmerksamkeit verdient.

 

Trinken Sie Wein?

Ja, gerne fruchtigen Weissen oder schweren Roten. Amarone etwa. Ich bin aber eine Gesellschaftstrinkerin. Alleine schmeckts mir nicht.

 

Wenn Sie eine Nacht lang als DJ aufgelegt haben, gibts noch was zu essen am Morgen früh?

Früher schon. Heute gehe ich lieber gleich ins Bett, stehe nach ein paar Stunden aber wieder auf, frühstücke ausgiebig und gehe danach an die frische Luft.