Fotos: Thomas Buchwalder
Milan und Tomas Prenosil, Sie feiern dieses Jahr das 190-Jahr-Jubiläum der Confiserie Sprüngli. Hat Ihnen die Geduld gefehlt, noch zehn Jahre zu warten?
Milan Prenosil: Wenn man 190 Jahre alt wird, darf man das feiern. Es ist ein stolzes Alter. Bekanntlich soll man Feste feiern, wie sie fallen.
Was darf die Kundschaft erwarten?
Tomas Prenosil: Zu viel möchten wir noch nicht verraten, aber es sind einige Überraschungen geplant. Im Fokus sind Kooperationen mit Unternehmungen und Personen, die für dieselben Werte stehen wie wir, Swissness und Qualität etwa.
MP: Wir werden neue Produkte lancieren, mit denen wir das ganze Jahr bespielen. Es wird Führungen durch die Produktion geben. Unsere Verpackungen tragen das 190-Jahr-Logo. Man wird das Jubiläum schon spüren können, auch wenn wir nicht klotzen.
TP: Für die Mitarbeitenden soll es im Sommer ein grossartiges Fest geben. Ohne unsere treue Belegschaft wären wir nichts. Nicht umsonst feiern wir auch sonst jedes Jahr alle unsere Jubilare: Immer im Herbst kommen diejenigen zusammen, die 5, 10, 20 oder gar 55 Jahre im Betrieb sind.
Sie beide leiten die Confiserie Sprüngli jetzt auch schon seit 32 Jahren.
MP: Eigentlich bin ich ja schon 35 Jahre im Unternehmen, ich habe 1991 nach meinem Jurastudium als ganz normaler Angestellter begonnen und zuerst in verschiedenen Abteilungen gearbeitet.
Und Sie, Tomas Prenosil?
TP: Ich habe ebenfalls Jura studiert, bin in der Produktion eingestiegen, habe mich durch die verschiedenen Abteilungen eingearbeitet und von den alten Hasen gelernt. Als wir die Confiserie Sprüngli übernehmen durften, hatte ich wenig Führungserfahrung, mal abgesehen vom Militärdienst.
Sind Sie zufrieden mit Ihrer Leistung seither?
MP: Wir leben fürs Unternehmen – und wir haben es bis hierher geschafft! Auf und Abs gehören bei einer solchen Tätigkeit natürlich dazu, wir haben die Immobilienkrise in den Neunzigerjahren, den Ukrainekrieg, die Energiekrise, die IT-Bubble und die Corona-Krise gemeistert. Das ist eine beachtliche Leistung von allen, die Sprüngli mittragen. Zudem ist es uns gelungen, das Unternehmen online in Indien und Arabien, in Teilen Europas und der USA im gehobenen Segment zu platzieren.

Älter als die Confiserie Sprüngli: Milan Prenosil zeigt das Rezeptbuch von Richard Sprüngli von 1832.
Und in finanzieller Hinsicht?
TP: Natürlich könnte man fragen, wie hoch die Umsatzzahlen sind und wie viele Filialen wir eröffnet haben – da hätten wir eventuell auch mehr herausholen können. Das wäre dann aber vielleicht auf Kosten der Qualität und unseres guten Rufs gegangen. Und ich bin stolz darauf, dass wir uns bis heute keine Skandale oder Entgleisungen geleistet haben. Bei der Confiserie Sprüngli ist Kontinuität drin. Es ist wie bei den Köchen: Manchmal kommt es weniger darauf an, ob man für 17 oder 19 Punkte kocht, sondern darauf, dass die Leistung konstant bleibt. Wir haben tausend kleine Entscheidungen treffen müssen und haben das solide hinbekommen. Der Name «Sprüngli» wird wertgeschätzt.
Bereuen Sie gar keine dieser tausend Entscheidungen?
MP: Es gab ein, zwei Fälle, in denen wir heikle Personalentscheide schneller hätten fällen müssen – aus sozialer Verantwortung haben wir es womöglich zu spät gemacht.
Sie sprachen von Kooperationen fürs Jubiläumsjahr.
MP: Ja, wir werden dieses Jahr mit einigen namhaften Schweizer Marken und Familienunternehmen kooperieren, die ähnliche Werte vertreten wie wir.
TP: Nur so viel: Dabei wird es nicht nur um Confiserie-Produkte gehen. Wir sind mehr als nur ein Schöggeli-Verkäufer! Es geht uns um Design, Handwerk, Swissness, auch Luxus. Zudem werden wir mit nationalen und internationalen Küchenchefs zusammenarbeiten.
Als erstes rücken Sie die ghanaische Schokoladenmanufaktur Midunu in den Fokus – riskiert man da nicht das Schweizer Schoggi-Image?
MP: Kakaobohnen gibt es nun mal nur rund um den Äquator – ich glaube nicht, dass man daraus ein Geheimnis machen sollte. Viel mehr versuchen wir eine Brücke zu bauen.
Was ist denn genau geplant?
TP: Wir werden die sympathische Gründerin von Midunu, Chocolatière und Köchin Selassie Atadika aus Ghana, einladen. Sie wird in unserem Restaurant am Paradeplatz ein einzigartiges Viergang-Menü mit Gerichten der «New African Cuisine» zubereiten. Darüber hinaus haben wir gemeinsam mit ihr eine auf 2500 Stück limitierte Edition von vier exklusiven Grand-Cru-Pralinés kreiert. Selassie Atadika hat ihre Wurzeln in der Nähe des Kakaoanbaugebiets Suhum, mit dem uns eine besondere Beziehung verbindet. Von dort beziehen wir nämlich unsere hocharomatischen Forastero-Kakaobohnen.

Das Jubiläums-Logo findet die Kundschaft zurzeit auch auf der beliebten Himbeer-Torte.

Sie mussten in über 30 Jahren tausend kleine Entscheidungen treffen: Tomas & Milan Prenosil (v.l.).
Schokolade ist ein Produkt, das sie seit den Anfängen vor 190 Jahren anbieten. Das einzige?
MP: Das Rezeptbuch Rudolf Sprünglis von 1832, das er im Alter von 16 Jahren von Hand geschrieben hat
Wann bezog die Familie das Stammhaus am Paradeplatz, das bis heute im Zentrum der Confiserie Sprüngli steht?
MP: Die heutigen Räumlichkeiten gibt es seit 1859. Damals rechnete man ja damit, dass der Hauptbahnhof, nach der Zuschüttung des Fröschengrabens 1864, hier gebaut werden sollte.
Wohin geht es eigentlich mit der Bahnhofstrasse? Eine Zeitlang dachte man, dass sie von günstigen Geschäften à la H&M und Tchibo überschwemmt wird. Wo bleibt die gehobene Klientel?
MP: Die Bahnhofstrasse war immer schon dreigeteilt. Zwischen See und Paradeplatz stiess man auf Luxusboutiquen, sehr diskret und hochpreisig, mit Stammkunden in aller Welt. Im Abschnitt vom Paradeplatz bis zum Jelmoli setzte man auf edlen Schmuck und Uhren. Zwischen Jelmoli und Hauptbahnhof fand man stets Warenhäuser wie Wollen-Keller, Manor und Globus – hier waren dafür die Frequenzen besonders hoch. Ich denke, es geht bis heute um einen gesunden Mix. Die Bahnhofstrasse wird nicht untergehen.
TP: Mich persönlich ärgert es bis heute schon ein wenig, dass das Spielwarengeschäft Franz Carl Weber verschwunden ist. Das war für mich als Kind und später als Vater eines meiner Lieblingsgeschäfte. Und ich bedaure, dass die Confiserie Teuscher verschwunden ist…
Ein Konkurrent.
TP: Ja, aber Teuscher hat mitgeholfen, dass der Mix der Geschäfte an der Bahnhofstrasse nicht einfach austauschbar wurde.
MP: Trotzdem darf man nicht in Nostalgie versinken, Zürich ist eine urbane Stadt, und die Welt verändert sich.

«Die Energiequelle für unser Unternehmen» seit 1859: Der «Sprüngli»-Hauptsitz am Zürcher Paradeplatz.
Welche Kundschaft kommt bei Ihnen am Paradeplatz vorbei?
TP: Die Touristen sind wichtig, aber wir leben zu einem grossen Teil auch vom mittleren und oberen Schweizer Mittelstand.
Wird das Jubiläum nur am Hauptsitz spürbar sein?
TP: Die Energiequelle für unser Unternehmen ist natürlich hier am Paradeplatz. Aber mit Werbung, medialer Präsenz und Social Media wird das Jubiläum auch überall sonst zu spüren sein. Nicht zuletzt werden die limitierten Spezialitäten auch in den Filialen angeboten, es wird dort auch vereinzelt Anlässe geben. Nicht vergessen darf man unser Treueprogramm Petits Plaisirs, womit wir unsere besten Kunden erreichen, teilweise in der ganzen Welt.
Sind Sie sich bewusst, dass man fürs 200-Jährige dann noch mehr von Ihnen erwartet?
MP: Wir haben tatsächlich vor, dabeizubleiben, bis die 200 Jahre gefeiert werden. Aber wir gehen nach dem Motto: Cross the bridge, when you come to it.
TP: In zehn Jahren kann noch viel passieren, aber die Weichen sind gestellt!
>> Die Brüder Tomas (CEO) und Milan Prenosil (VRP) sind seit 2003 die treibenden Kräfte hinter der renommierten Confiserie Sprüngli in Zürich. Sie führen das traditionsreiche Familienunternehmen mit Innovationsgeist und einem starken Fokus auf höchste Qualität. Seit 1836 steht «Sprüngli» für handwerkliche Meisterschaft und verwöhnt Kunden weltweit mit köstlichen Confiserie-Produkten wie den berühmten Luxemburgerli.

