«Little Japans» stiller Meister. Das Seefeld ist nicht nur das «Little Italy» von Zürich, sondern auch sein «Little Japan». Zum «Ginger», das 2025 sein 25-Jahre-Jubiläum feierte, und zum pulsierenden «Bimi» (14 Punkte) kam im Frühling 2024 das «Mura» (15 Punkte) hinzu. Das intime Lokal hat eine lange Geschichte. Bevor es als «F 39» für Furore sorgte, kochte hier unter anderem der leider viel zu früh verstorbene Carlo Bernasconi. Die Gegenwart gehört Kenichi Arimura, der schon im «Sushi Shin» und im «Edomae» die Zürcher Foodies begeisterte und nun auf ein duales Konzept setzt. Mittags gibt es im «Mura» liebevoll zusammengestellte Bentos, abends empfängt der Chef die Gäste zur grossen Omakase-Show mit kunstvoll geschnittenem Sashimi, Nigiri der Extraklasse (geflämmte Jakobsmuscheln, Wagyu, Toro) und saisonalen Kaiseki-Kunstwerken. Zubereitet wird alles in einer Miniküche von kaum zehn Quadratmetern Fläche. Kein Problem für Arimura, der auf drei Jahrzehnte in japanischen Spitzenlokalen zurückblickt.. Ihm durch den Vorhang vor seinem Reich bei der Arbeit zuzusehen, ist faszinierend. Jeder Handgriff sitzt perfekt. Bild oben: Kenichi Arimura und eine seiner Kaiseki-Kreationen.

Seefeld-Report I 2. Teil

Vorbereitung ist alles: Jakobsmuscheln, Lachs und Tuna in der «Mura»-Küche.

Seefeld-Report I 2. Teil

Volle Konzentration: Kenichi Arimura ist die Sorgfalt in Person.

Seefeld-Report I 2. Teil

Guten Appetit: Sashimi-Variation mit frisch geriebenem Wasabi.

Die Legende lebt. Im «Ginger» treffen wir einen alten Bekannten wieder: Ken Nakano, rund 20 Jahre lang Martin Surbecks rechte Hand in den ikonischen Zürcher Lokalen «Tübli» und «Sein» (damals 17 Punkte). Der gebürtige Japaner, der in seiner Heimat eine französische Kochausbildung absolvierte, lässt vor allem abends sein aussergewöhnliches Können aufblitzen. Dann bereitet er im hinteren Teil des Lokals Izakaya-Gerichte mit japanischer DNA und europäischen Einflüssen zu, die Bodenständigkeit und Raffinesse auf höchst befriedigende – Weise vereinen.

Ken Nakano

Ken Nakano, Küchenchef mit 17-Punkte-Vergangenheit, setzt im «Ginger» auf Izakaya-Gerichte.

Ein traumhaftes Auberginen-Gericht. «Ich liebe die spielerische Herangehensart beim Kochen und arbeite sowohl mit Geschmacksbildern, die ich aus meiner Kindheit kenne, als auch mit dem Wissen, das ich in der Ausbildung und hier in der Schweiz erworben habe», erklärt er. Bestes Beispiel: die Aubergine aus dem Ofen – mit Shiso, Sesam, Ingwer und einer leuchtend roten, fruchtig-scharfen Sauce auf Basis von Ofenpeperoni und Miso. Grossartig ist auch der Kabeljau an Misosauce mit Chinakohl, Shimeji-Pilzen und Frühlingszwiebeln. Der «Ginger»-Küchenchef gart den Fisch bei 62 Grad im Dampf, so bleibt er wunderbar saftig. Mittags reissen sich die Gäste um seine Ramen mit herrlich tiefer Brühe auf Basis von Schweineknochen.

Sushi am laufenden Band. Der vordere Teil des «Ginger» ist zweigeteilt. Rechts neben dem Eingang befindet sich die Sake-Bar, wo man aus einem guten Dutzend Positionen wählen und auch eine Kleinigkeit essen kann, links davon der Counter mit dem ältesten noch aktiven Sushi-Laufband der Stadt. Der Charme der Räumlichkeiten, die Stararchitekt Alfredo Häberli vor einem Vierteljahrhundert gestaltete, lebt noch heute fort.

Das erste Napulé-Restaurant in der Stadt. Pizza-Fans lieben im Seefeld vor allem zwei Adressen: das unverwüstliche «Miracle», eins der bevorzugten Lokale von Starchef Nenad Mlinarevic, und das erste Napulé-Restaurant auf Stadtzürcher Boden. Im «Miracle» ist der Teig knusprig und dünn, im «Napulé» gibt es die neapolitanische Version mit breitem Rand. Und warum hat sich «Napulé» fürs Seefeld entschieden? «Die Nähe zum See, die Mischung aus Wohnen, Arbeiten und Freizeit und ein genussaffines Publikum machen das Seefeld für uns besonders passend. Hier möchten wir präsent sein und Teil des Quartierlebens werden», erklärt «Napulé»-CEO Lorenzo Grenga.

Person: David Hatecke Die besten Beef Tatar - Zürich HATECKE DU THÉÂTRE, Zürich Dufourstrasse

«Kuhfleisch ist einfach aromatischer»: David Hatecke verrät das Tatar-Geheimnis seines Lokals.

Die besten Beef Tatar - Zürich HATECKE DU THÉÂTRE, Zürich Dufourstrasse

Puristischer Genuss: Tatar à la Hatecke.

Zwei junge Talente im «Capri». Dank der Auferstehung des «Capri» hat die einstige Szene-Hochburg Seefeld ein neues Lokal mit kosmopolitischem Flair. Das kulinarische Konzept stammt von Markus Stöckle, ums Daily Business kümmern sich zwei überaus begabte junge Köche: Charles Aggett, zuvor Stöckles rechte Hand im «Rosi», und sein Stellvertreter Nicola Kristal, der schon im «Alchemist» in Kopenhagen und bei Fisch-Papst Josh Niland in Australien kochte.

Wolfsbarsch mit Zitrusfrüchten und eine perfekte Pâté en croûte. Was aus der «Capri»-Küche kommt, ist leicht, beschwingt und voll auf Geschmack getrimmt. «Standout Dishes»: Wolfsbarsch mit Fenchel und Zitrusfrüchten, Rindstatar mit Kartoffelchips und Kräutersalat, Spaghetti al limone und natürlich die kunstvolle Pâté en croûte von Souschef Nicola. Ein weiteres dickes Plus des «Capri» sind die grosse Terrasse, der Blickfang im eleganten Gastraum mit Säulen und hoher Decke, die «gequetschte» Discokugel im Basketballkorb über der Bar.

15.12.2026, Zürich, Restaurant Conti, Morco Fonto (photo by Remy Steiner for Gault Millau)

Der Mann für die italienische Klassik: Marco Fontò, Küchenchef im traditionsreichen «Conti».

Einer der schönsten Speisesäle der Schweiz. Der Ehrentitel «Mutter aller Seefeld-Restaurants» gebührt aber dem «Conti» an der Dufourstrasse 1. Wegen seines Flairs, das viel zum gastronomischen Renommee des Quartiers beigetragen hat, und wegen seiner Tradition. Seit sechs Jahrzehnten kann man hier gepflegt italienisch tafeln. In einem der schönsten Speisesäle der Schweiz sitzt man an grosszügig bemessenen Tischen und sieht den guten Service-Geistern zu, wie sie mit geschickten Händen einen Branzino aus der Salzkruste lösen und filettieren oder den berühmten Spaghetti all’astice den letzten Schliff geben. Küchenchef Marco Fontò, seit drei Jahren im «Conti», seit zehn Jahren im Seefeld, steht für blitzsaubere, klassische italienische Küche. Ravioli, Grigliata di pesce, Carpaccio, Scaloppine al limone – tutto buonissimo!

15.12.2026, Zürich, Restaurant Conti, Gericht; grigliata di pesce (photo by Remy Steiner for Gault Millau)

Wie am Meer: Grigliata di pesce aus der «Conti»-Küche.

15.12.2026, Zürich, Restaurant Conti, Gericht; dreierlei Ravioli (photo by Remy Steiner for Gault Millau)

Evergreen des Hauses: Ravioli mit hauchdünnem Teig und dreierlei Füllungen.

Die stille Kraft des «Conti». Rudi Bindella senior, dessen Familienunternehmen das «Conti» im 22. Jahr führt, sagt: «Ich habe dieses Lokal immer sehr bewundert und mir gewünscht, dass wir es eines Tages verantworten dürfen.» Grosszügigkeit und Gastfreundschaft stehen für Bindella über allem. «Wir möchten unseren Gästen herzlich, zuvorkommend, achtsam und dienstbereit begegnen. Das gelingt Geschäftsführer Guirino Amorelli und seinem Team vorbildlich. Da zwischen den Tischen viel Platz ist, können wir die stille Kraft dieses Ortes bewahren.»

Fotos: Remy Steiner, Adrian Bretscher