Fotos: Roy Matter

Gastfreundschaft seit 1855. Forellen, Karpfen, Froschschenkel: Das sind die Genüsse, mit denen die Familie Cachot seit 1855 Gäste aus nah und fern in ihren Gasthof am Ufer des Doubs lockt. Wir sind auf André Jaegers Empfehlung hier gelandet. «Forelle blau, Salzkartoffeln und Beurre noisette an diesem traumhaften Ort – mehr braucht es nicht zum Glück», findet der Spitzenkoch, der in der «Fischerzunft» in Schaffhausen 20 Jahre lang mit 19 GaultMillau-Punkten ausgezeichnet war. Claude-Alain Cachot, seit 2012 in der fünften Generation Patron des Hôtel-Restaurant du Doubs, freut sich über Jaegers Lob und nimmt uns auf der Terrasse herzlich in Empfang. An den blitzblank polierten Holztischen würde rund die Hälfte der Einwohnerschaft von Goumois Platz finden. 92 Menschen leben im Dorf, das berühmt ist für den Rocher du Singe, einen gewaltigen Felsen, der aussieht wie ein Gorillakopf. Die Brücke, die vom schweizerischen in den französischen Teil von Goumois führt, befindet sich gleich vor dem Hôtel-Restaurant du Doubs, ist quasi die Erweiterung seiner Terrasse. Bild oben: Blick aus der Luft auf das Hôtel-Restaurant du Doubs.

Fische aus kristallklarem Wasser. Der Frühling wagt sich im Jura erst spät aus der Deckung. Bei unserem Besuch Ende April trägt die Natur ein zartgrünes Kleid, und wir frösteln noch ein wenig, wenn die Sonne für ein paar Sekunden hinter einer Wolke verschwindet. Als Monsieur Cachot fragt, was wir essen möchten, müssen wir nicht lange überlegen. Als Vorspeise die Platte mit Beinschinken, Rauchwurst und Speck, danach je einmal gebackenen Karpfen und Forelle blau. Die Fische sind hier von besonderer Güte. Sie stammen aus der Zucht von Jérôme Choulat in Soubey. Choulat beliefert auch Jérémy Desbraux («Maison Wenger», Le Noirmont), GaultMillaus «Koch des Jahres 2026», mit seinen Regenbogen- und Bachforellen. Der grosse Trumpf seines Betriebs: frisches, neun Grad kaltes Quellwasser aus den Franches-Montagnes. «Ganz früher», so erzählt uns Claude-Alain Cachot, «schwammen im Doubs noch genügend Forellen für die Restaurantküchen. Dann aber nahmen die Touristenströme zu – und die Fischbestände ab. In den 1970er-Jahren musste mein Vater Forellen aus der Deutschschweiz zukaufen, die in mit Wasser gefüllten Holzkisten per Postauto angeliefert wurden.» 

Jambon à l'os, Saucisse, Lard fumé, Hôtel-Restaurant du Doubs in Goumois JU, 22. April 2026, Hôtel-Restaurant du Doubs, 2354 Goumois, JU. Copyright Roy Matter

Beinschinken, Speck, Rauchwurst – heiss geliebt im Restaurant der Familie Cachot.

Claude-Alain Cachot, Hôtel-Restaurant du Doubs in Goumois JU, 22. April 2026, Hôtel-Restaurant du Doubs, 2354 Goumois, JU. Copyright Roy Matter

Claude-Alain Cachot präsentiert stolz eine hausgeräucherte Speckseite von einem Schwein seines Vaters.

Speck von den eigenen Schweinen – hausgeräuchert. Seine beglückenden bodenständigen Gerichte bereitet Claude-Alain Cachot auf einem grossen gusseisernen Herd zu, in dem ein Holzfeuer lodert. Der Rauch zieht in eine Kammer unter dem Dach, wo die Cachots seit Generationen Speck und Würste räuchern. «Mein Vater hält stets drei Schweine, die wir jeweils zu einem Schlachter in der Nähe bringen und deren Fleisch wir danach selbst verarbeiten», erklärt unser Gastgeber, während er mit einer gewaltigen Pfanne voller Froschschenkel aus Vallorbe im Waadtländer Jura hantiert. Die Schenkelchen schwimmen in einer sämigen Sauce, die wunderbar nach Weisswein und Knoblauch duftet. Auch Papa Jean-Claude, eigentlich längst pensioniert, steht in der Küche und geht seinem Sohn zur Hand. Der Seniorchef übernahm den Betrieb 1965 von den Eltern und erweiterte ihn 1993 um 15 einfache, aber überaus gemütliche Hotelzimmer mit Sicht auf den türkis schimmernden Doubs.

Claude-Alain Cachot, Hôtel-Restaurant du Doubs in Goumois JU, 22. April 2026, Hôtel-Restaurant du Doubs, 2354 Goumois, JU. Copyright Roy Matter

Sohn Théo sieht zu, wie Claude-Alain Cachot eine Forelle aus dem Vivier holt.

Friture de filet de carpe, Hôtel-Restaurant du Doubs in Goumois JU, 22. April 2026, Hôtel-Restaurant du Doubs, 2354 Goumois, JU. Copyright Roy Matter

Noch ein Klassiker des Hauses: «Fritture de carpe», knusprig augebackene Karpefenfilets.

Du Doubs

Unter der Brücke, die Frankreich mit der Schweiz verbindet, verstecken sich Forellen, Saiblinge und Barben.

Sogar Eisvögel fliegen über den Doubs. Claude-Alain Cachots Frau Stéphanie wieselt mittags und abends mit Platten voller frittierter Karpfenfilets, Froschschenkel oder Pommes frites durch den grossen Speisesaal. Sohn Théo hilft gerne ein wenig mit, geniesst es aber auch, dem Papa und dem Opa beim Kochen zuzusehen. Besonders hell leuchten seine Augen, wenn ihn der Vater auf die Brücke mitnimmt und ihm zeigt, wo im kristallklaren Wasser sich die flinken Forellen und Saiblinge verstecken. Der dickste Brocken, den ein Angler hier aus dem Fluss zog, brachte 5,45 Kilogramm auf die Waage. Die Natur ist in Goumois so intakt, dass sogar Eisvögel über den Doubs fliegen und nach kleinen Fischen jagen.

Ein vom Aussterben bedrohtes Dessert. Inzwischen sind die Teller leer und unsere Bäuche voll. Doch Monsieur Cachot möchte uns noch einen Bestseller des Hauses vorführen: Omelette flambée. Eigelb und Eiweiss, mit Zucker getrennt schaumig geschlagen, im Ofen so lange gebacken, bis eine feine Kruste entsteht, und schliesslich am Tisch mit Grand Marnier flambiert. «Das ist eine regionale Spezialität, die leider vom Aussterben bedroht ist. Es gibt sie entlang des ganzen Flusses nur noch in einer Handvoll Restaurants», erklärt der passionierte Koch. Wie die allermeisten Produkte, die Claude-Alain Cachot in seinem Betrieb verarbeitet, stammen die Eier für das köstliche Dessert aus der nächsten Umgebung. «Mein Einkaufsradius beträgt knapp 20 Kilometer. Es gibt hier im Jura eigentlich alles, was ich brauche», führt er aus. Und wenn ihm ein Gast sagt, das Essen habe ihn an die eigene Grossmutter erinnert, dann ist der Koch aus Goumois rundum zufrieden.