Fotos: Lorena Widmer
Ein internationaler Abend. Spanische Weine, präsentiert von einem Engländer, in einem italienischen Restaurant in der Schweiz – ein ziemlich eigenwilliges Setting an diesem Event von Casa del Vino. Blickt man etwas genauer hin, ergibt es dann doch wieder Sinn: Bei den Weinen handelt es sich um die Abfüllungen von «Mauro», einer Domäne, die sich auf Tempranillo fokussiert hat und ihren Sitz direkt an der Grenze zur Ribera del Duero hat. Der Engländer ist Matthew Roberts, der seit Jahren in Spanien lebt und die Kellerei im Ausland mit viel Witz repräsentiert: «Heute dürft ihr mich auch Mateo nennen!», stellt er gleich zu Beginn angesichts der babylonischen Auslegeordnung des Abends klar. Das Restaurant? Das Zürcher «Antiquario da Marco», wo zwar italienische Küche angesagt ist, die Weine von «Mauro» aber regelmässig geöffnet und sogar im Offenausschank angeboten werden. Nicht umsonst ist Gastgeber Marco Giuliani «Brand Ambassador» für das Weinhaus, wie eine Tafel am Eingang verrät. Grosses Bild oben: Matthew Roberts & Marco Giuliani (v.l.).

Gelungener Einstieg: «Antipasti della Casa» u.a. mit Gamberoni, Seppie, Prosciutto Crudo & Burrata.

Diskutiert wurde von den Gästen auch die Frage, für was das «VS» bei diesem «Mauro» steht.

Gleich zwei Rotweine von «Mauro» gab es zum Primo, ein «Best of» der gefüllten Pasta.
Geöffnet werden jährlich zwei 18-Liter-Flaschen! Marco stellt klar, dass sich seine Gäste überhaupt nicht an den spanischen Weinen stossen. Im Gegenteil: «Wir brauchen sie unseren Gästen gar nicht zu erklären, Mauro ist ein Begriff.» Teilweise nehme die Kundschaft sogar ein Kistchen davon mit nach Hause. Beim Importeur Casa del Vino ist er ein so guter Kunde, dass ihm jährlich zwei 18-Liter-Flaschen des Kultweins zugesprochen werden. «Wir öffnen sie in der Regel an Geburtstags- oder grossen Firmenfeiern.» Und obwohl er noch nie einen Tropfen mit Zapfen dabei hatte, sei er immer noch ein wenig nervös, wenn er ein solches Monsterformat öffnet. Die geleerten Flaschen? Sie werden nicht selten von den Gästen nach Hause genommen. Oder sie finden – wie man beim Besuch des «Antiquario» sieht – einen festen Platz in der gemütlich-gepflegten Einrichtung des Restaurants.
Tomaten, Olivenöl & Kräuter. Der Abend beginnt mit Antipasti im Stile des Hauses: Burrata, eingelegte Pilze, frittierte Gamberoni und Seppie. Und Matthew (oder doch Mateo?) witzelt wieder: «Es hat Pimientos und Rohschinken auf dem Teller – eigentlich schon sehr nahe dran an den spanischen Tapas!» Dann wird er ernster und betont, dass bei beiden Nationalküchen – wenn man denn überhaupt von solchen sprechen kann – gute Produkte im Fokus stehen: «Anders als in der französischen Küche geht es in Spanien und Italien oft eben genau nicht um möglichst komplexe Saucen.» Typische Zutaten wie Tomaten, Olivenöl, Kräuter oder kurzgebratenes Fleisch werden schliesslich in beiden Ländern gern verwendet.

Matthew Roberts zeigte viel britischen Humor: «Ihr könnt mich Mateo nennen!»

Beim Ossobuco mit Polenta und Gemüse überzeugte die köstliche Tomatensauce.
Pasta & ein «very sexy» Wein. Was die italienische Küche der spanischen wohl voraushat, sind die hausgemachten, gefüllten Teigwaren. Sie sind der Hauptgrund, warum die meisten Gäste im «Antiquario da Marco» vorbeikommen. Anlässlich des Wine & Dine kommt gewissermassen ein «Best of» auf den Teller, gleich fünf verschiedene Sorten: In den Teigtaschen verstecken sich Ricotta, Rind- und Kalbfleisch oder gar Lachs. Der Teig ist wunderbar dünn, die Extraportion Butter fehlt nicht. Und ja, natürlich harmoniert das mit dem roten «Mauro» 2024 und dem noch etwas raffinierteren «Mauro VS» 2022 im Glas. «Wobei VS nicht für very sexy steht, obwohl er das ist», kommentiert Matthew Roberts. Gehören diese Weine eigentlich zur D.O. Ribera del Duero? «Streng genommen nicht», so der Experte, «auch wenn man zu Fuss nicht mal fünf Minuten in das berühmte Anbaugebiet hat.»

Er war Gastgeber seitens des «Mauro»-Importeurs Casa del Vino: Claudio Balestra.
Gefragt ist Flexibilität. Dann zeigen die Küche und das Weingut, was sie sonst noch draufhaben: Das Ossobuco besticht mit einer gehaltvollen Sauce, dazu gibt es Polenta und Broccoli. Dem steht auch der anschliessende (sehr internationale) Käseteller mit Taleggio, Brie, Manchego und «Wilde Hilde» in nichts nach. Kredenzt wird unter anderem der «Cartago Paraje del Pozo» 2017 aus dem spanischen Gebiet Toro, der von derselben Winzerfamilie verantwortet wird. «Obwohl ich vor drei Jahren selber in Spanien auf dem Gut war – diesen Wein darf ich heute zum ersten Mal probieren», so Marco Giuliani. Das führt zurück zur Grundsatzfrage: Darf man in einem italienischen Restaurant überhaupt spanische Weine ausschenken? Sie wird vom Gastgeber am Ende ziemlich clever beantwortet: «Das passt genauso gut, wie wenn man italienische Weine zu spanischem Essen geniesst.» Recht hat er: Ein wenig Flexibilität kann eigentlich nie schaden.

