400 Gäste am 120 Meter langen Tisch. Das «La Mamounia» Marrakesch ist Treffpunkt der Welt. Winston Churchill überwinterte hier regelmässig und schenkte der Bar des Palasts seinen Namen. Maurice Ravel spielte in der Bar Klavier. Für Frankreichs Staatspräsident Charles de Gaulle, beeindruckende 1,93 Meter gross, wurde ein Spezialbett gebaut. Alfred Hitchcock drehte im Haus «Der Mann, der zu viel wusste». Und 2023 wurde gefeiert: «100 Jahre La Mamounia»! 400 Gäste schlemmten draussen im Garten an einem 120 Meter langen Tisch. Der Park ist die grosse Attraktion des Kulthotels: Was für eine Grosszügigkeit, was für eine Ruhe. Sinnlich & magisch!

Wagyu-Rindfleisch-Gyoza, Rindfleisch-Consommé, Sesam, Chiliöl und Knoblauch.

«Vong»-Klassiker! Wagyu-Gyoza mit Sesam, Chiliöl & Knoblauch.

Chef Jean-Georges Vongerichten.

Er schreibt für «L’Asiatique» die Karte: Jean-Georges Vongerichten.

La Mamounia Marrakech.

Sharing-Style! Fisch, Fleisch & Pasta kommen mitten auf den Tisch.

Die Drei aus dem Elsass. «La Mamounia» ist fest in der Hand von drei Elsässern. Pierre Jochem, Ritter der Ehrenlegion, ist seit zwölf Jahren General Manager, führt 800 ausgesprochen freundliche Mitarbeiter. Auch Jean-Georges Vongerichten (65 Restaurants auf der ganzen Welt, 5200 Angestellte) hat seine Lehre im Elsass gemacht, bei Paul Häberlin in der «Auberge de l’Ill». Dritter im Bund: Der Franzose Pierre Hermé, Pâtissier mit Ikonen-Status, verantwortlich für alles, was süss ist in dieser luxuriösen Oase. Natürlich hat er längst ein «Macaron Eternelle Mamounia» kreiert: Rose, Jasmin, Honig, Safran. Übrigens: Die Liebe des General Managers zu seiner Heimat ist grenzenlos: Aus dem Heimurlaub kehrt er regelmässig mit 20 Kilo Choucroute im Gepäck zurück, zum Frühstück bevorzugt er einen «Kouglof», nach einem Rezept von Pierre Hermé natürlich.

Jean-Georges & seine Peking Duck. Vier Restaurants stehen zur Wahl, und klar: Jean-Georges Vongerichten ist der berühmteste Mann in Weiss. Nur: Mit Weltstars ist es so eine Sache. Sie schicken zuverlässig die Rezepte und die Rechnung ins Haus, sind aber persönlich praktisch nie vor Ort. «Mister Vongs» Signature Dish in Marrakesch: «Le Canard Laqué à la Pékinoise», erhältlich leider nur am Wochenende. Von der Peking Ente gibt’s erst die knusprige Haut mit Hoisin und Pancakes, dann die geschredderte Brust mit Ingwer und Knoblauch, zubereitet im Wok. Für Sashimi wird Meergetier aus einheimischen Gewässern aufgeschnitten, in erstaunlicher Qualität. Gilt auch für das Tuna Tatar mit Radiesli und Ingwer. Zwei andere Gerichte haben mich weniger begeistert: Die Wonton-Nudelsuppe mit fader Brühe, die lauwarmen Togarashi-Nudeln mit King Crab. Vielleicht müsste der Boss («Ich bin zu 50 Prozent Cuisinier und zu 50 Prozent Businessman»), seit 30 Jahren in New York zu Hause, doch wieder mal vorbeikommen.

«Nur ein Teller Spaghetti? Auch okay!» Im «L’Italien» gleich nebenan ist der Signature Chef häufiger zu sehen. Simone Zanoni kocht eigentlich im berühmten «Georges V» in Paris, fliegt aber regelmässig ein, wenn die Karte wechselt. Auf seinen Statthalter vor Ort kann er sich verlassen: «Simone due», ein junger Chef, steht täglich mit 20 (!) marokkanischen Köchen in der offenen Küche. Das Konzept ist sympathisch entspannt: Die Pasta wird täglich frisch zubereitet, italienische Klassiker wie Agnolotti mit Kalbfleisch oder Tortellini Carbonara-Style dominieren die Karte, auf Schnickschnack wird verzichtet. Chef «Simone uno»: «Die meisten unserer Gäste sind hier in den Ferien. Für mich ist es auch okay, wenn sie nur einen Teller Spaghetti bestellen oder sich eine Costoletta Milanese teilen.»

La Mamounia, Marrakech, Morocco.

Der Tag fängt gut an: Frühstück am riesigen Pool.

Simone Zanoni.

Unkompliziert! Pizza von Sternekoch Simone Zanoni.

La Mamounia, Marrakech, Morocco.

Dessert-Paradies! By Pierre Hermé, Paris.

Im Reich der «Tagines». Im «Le Marocain» bittet Chef Rachid Agouray zu einer kulinarischen Reise quer durchs Königreich und dreht sich fast alles um seine meisterhaften «Tagines»: Langusten, Hummer, Seeteufel aus marokkanischen Gewässern. In allen Restaurants liegt eine beeindruckende Weinkarte auf: Prestige-Bordeaux, Super Tuscans, meist in verschiedenen Jahrgängen. Auffallend im «Mamounia»: Viele grosse Gesellschaften, mit drei Generationen an einem Tisch. Und Bars mit Magnetwirkung: Vor allem beim Sonnenuntergang brummt der Bär.

Acht Hektaren Park! Der Stolz des Hauses? Natürlich die 201 Zimmer und Suiten. Die drei Riads im weitläufigen Park. Der 2500 m² grosse Spa. Besonders beeindruckend ist der magische, gepflegte Garten: Palmen, Laubbäume, Orangenbäume, Olivenhaine und Rosen auf acht Hektaren; mittendrin 1500m² Gemüse- und Kräutergarten. Die Köche surfen durch die Beete; «farm to table» kann man wörtlich nehmen. Epizentrum ist der riesige, fast quadratische Pool: Das Frühstücksbuffet wird hier aufgebaut (bis 11 Uhr), und weil niemand Schwimmunterricht wünscht und es auch keine Leben zu retten gibt, übernehmen die «Maître de natation» andere Aufgaben. Sie rücken die weissen Schirme millimetergenau zurecht, und sie reinigen akkurat die Sonnenbrillen der Gäste. Im «La Mamounia» pflegt man die Details.

www.mamounia.com


Fotos: Alan Keohane, HO