Text: Jana Liebi

Gastgeber mit Drive. General Manager Samuel Bichsel, ursprünglich aus dem Emmental kommend, ist Ex-Bänker und keiner, der lange zögert. Für die Wiedereröffnung des ältesten Palace Hotels der Schweiz (Baujahr 1874) im Dezember 2024 ging er volles Risiko: Wirtepatent gemacht, Baustelle gemanagt, ein junges und internationales Team aufgebaut. Noch einen Monat vor der geplanten Eröffnung glich das Haus teilweise einer Baustelle. Ein Mitarbeiter aus dem Küchenteam meinte bei seinem ersten Besuch trocken, hier könne man vielleicht in ein oder zwei Jahren eröffnen. Nichts da! Nach einer kurzen Testphase im Dezember, «mit vielen Learnings», öffnete das Palace seine Türen. Der Erfolg stellte sich schnell ein. Stammgäste inklusive. Einer reiste bereits im darauffolgenden Jahr wieder an. Sein Kommentar: «Of course! Es sei wunderbar gewesen», besseres Feedback nach der Wiedereröffnung gibt es kaum.

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Aktive Gäste, klare Ausrichtung. Rund 80 Prozent der Schweizer Gäste entdecken Mürren im Berner Oberland zum ersten Mal. Sie kommen für das weltberühmte Panorama und bleiben für das Gesamtpaket. Das Konzept ist klar: ein aktiver Gast, das ganze Jahr über. Im Winter startet man praktisch direkt vor dem Hotel auf die Piste, echtes Ski-in, Ski-out. Im Frühling blühen die Krokusse, im Sommer und Herbst locken Wander- und Bikewege die Region zu entdecken. Palace-Gäste profitieren zudem vom direkten Zugang zum Sportzentrum, müssen dank neuer Passage nicht einmal das Gebäude verlassen. Besonders stark ist die Familienfreundlichkeit. Der Kids Club sorgt dafür, dass auch die Eltern entspannt länger beim Abendessen sitzen oder Zeit im Spa geniessen können. 

Grand Hall.

Das imposante Herzstück des Palace Hotels: «The Hall» wurde mit einer Open Kitchen ausgestattet. So kann man das emsige Treiben in der Küche beobachten.

Architektur: Geschichte mit Feinschliff. Wie der Rest des Hotels, wurde auch das Herzstück, die Grand Hall, behutsam umgebaut. Gäste werden hier im Hauptrestaurant des Hotels «The Hall» empfangen. Der Lounge, Frühstücks- und Dinnerbereiche präsentieren sich modernisiert, ergänzt durch eine offene Küche. Gleichzeitig blieb der historische Charakter erhalten. Stuckaturen wurden bewahrt, die originalen Kronleuchter mit ihren Glasstäbchen aufwendig restauriert und das für rund 60’000 Franken. Es hat sich gelohnt! Die Balance stimmt: «The Hall» ist klassisch aber zeitgemäss. Seit Dezember 2025 schreibt hier Giuseppe Riggio die Karte. Zuvor sammelte er bereits Erfahrungen im Frantzén in Stockholm und Memories in Bad Ragaz. Seine Mission ist klar: das Mürren Palace auf der Fine-Dining-Landkarte positionieren.

Hotel Palace Mürren, BE

Raffiniert kombiniert: Lachsforelle mit Buttermilch, Saiblingrogen und Wassermelonenrettich.

Giuseppe Riggio.

Hat Erfahrung im Memories (Bad Ragaz) und im Frantzén (Stockholm) gesammelt: Giuseppe Riggio.

Hotel Palace Mürren, BE

Eine Augenweide und absoluter Gaumenschmaus zugleich: Schokoladen-Kardamom-Dessert.

Fine Dining mit Alpen-DNA. Der gebürtige Kalabrier denkt regional und kocht präzise. Beeindruckend ist sein Randengericht, bei dem er das Wintergemüse in fünf Texturen interpretiert: flüssig, cremig, knusprig, als Glacé und knackig. Klassiker werden neu gedacht. Das «Vitello Trotato» ersetzt den Thunfisch durch geräucherte Forelle und kombiniert das Ganze mit Bergkäse. Auch beim Filet Wellington setzt er auf lokale Produkte, etwa das «Mürren Beef» von Ruedi Lindner, ergänzt durch saisonale Trüffel und Morcheln. Bei Fisch verlässt sich der Italiener auf die Qualität von Bianchi. So überzeugt auch die gebeizte Lachsforelle, die mit einer überraschend stimmigen Erdnusssauce kombiniert wird. Trotz des klaren Fine-Dining-Anspruchs bleibt die Schweizer Küche präsent, nicht zuletzt, weil internationale Gäste genau das erwarten. Beim Fondue hat Riggio allerdings klare Vorstellungen: serviert wird es ausschliesslich draussen auf der Sonnenterrasse. Für die Desserts ist Chef Pâtissier David verantwortlich. Seine Kreationen sind gekonnt komponiert und geschmacklich klar. Kardamom trifft auf Schokolade, ein Millefeuille mit gesalzenem Karamell wird von der frischen Säure der Bergamotte perfekt ausbalanciert.

hh

Top modern, trotzdem erinnern viele liebevolle Details an die Geschichte des Hotels.

Hotel Mürren Samuel Bichsel Mürren

Erweckte das Palace Mürren aus seinem Dornröschenschlaf: GM Samuel Bichsel.

Null Einspruch: Niemand aus dem Dorft hat sich gegen des Baus der Elipse ausgesprochen.

Null Einspruch: Der Bau der neuen Ellipse stiess im Dorf auf keinen Widerstand.

Sharing & Sonnenterrasse. Tagsüber zeigt sich das Palace bewusst entspannt. Im zweiten Restaurant «The Corner» setzt man auf Sharing. Unkompliziert, aber mit Anspruch. Ein «Palace Plättli» mit regionalen Fleischspezialitäten und Hobelkäse oder die alpine Antwort auf Streetfood, die Croquetas, gefüllt mit Trockenfleisch und Mürrener Bergkäse, dazu eine kräftige Rosmarin-Aioli. Doch die Karte kann mehr als nur Apéro. Der Pulled-Beef-Burger mit 24 Stunden gegartem «Mürren Beef», karamellisierten Zwiebeln, Speck und Bergkäse ist saftig und intensiv, genau richtig nach einem Tag draussen. Zum Schluss darf es süss werden: hausgemachte Waffeln mit Vanilleglace oder ein Tiramisu al bicchiere. Am besten setzt man sich dazu auf die Sonnenterrasse und geniesst Essen und Drinks mit einem Blick aufs Alpenpanorama.

Klassik Zimmer.

Viel Platz und ein stilvolles Interieur empfangen die Gäste in den neuen Suiten des umgebauten Palace Hotels.

Modernes Zimmer.

Alpenchic trifft auf höchsten Komfort: Die lichtdurchflutete 60 m² Suite im ellipsenförmigen Neubau bietet ein grosszügiges Wohnambiente.

Was darf's sein: Klassik oder moderne Architektur? Bei den Zimmern haben Gäste die Qual der Wahl zwischen zwei Welten. Im Hauptgebäude bieten Junior Suiten klassischen Charme, grosszügigen Raum und private Balkone. Ganz anders der neue elliptische Anbau, ein architektonisches Statement und zugleich der höchste Holzbau im Berner Oberland. Auf fünf Etagen verteilen sich 14 Suiten im Alpenchic-Stil, mit eindrucksvollem Blick auf den Schwarzmönch. Die Wohnungen verfügen über eigene Küchen und Loggias, auf denen sich die selbstgekochten Mahlzeiten mit Aussicht geniessen lassen. In der Senior Suite Luxe wartet sogar ein Aussen-Whirlpool. Ganz im Sinne von «Bubbles mit Aussicht».

Kräuter, Dampf und Infrarot. Auch der Spa-Bereich ist auf die Bedürfnisse aktiver Gäste ausgerichtet. Finnische Sauna, Kräuter- und Dampfbad sorgen für klassische Entspannung, während Infrarotliegen die tieferliegende Muskelregeneration gezielt unterstützen. Neu ergänzt ein Body-&-Mind-Raum das Angebot, in dem täglich Yogastunden stattfinden. Der Fokus ist klar: Physische und mentale Erholung, die wirkt. Das Mürren Palace schafft den Spagat zwischen Tradition und Moderne. Ein Haus mit Geschichte, das sich neu erfindet, ohne seine Identität zu verlieren oder zu fest auf Luxus-Gäste abzielt. Oder, wie Sam Bichsel es auf den Punkt bringt: «We are a Palace, but not too palace.»

hotel-muerren-palace.ch


Fotos: Mürren Palace, Made in Bern