Text & Fotos: Pascal Grob

Edel-Hotel & Züri-Kunsti. Das Fazit nach der ersten Nacht in der «Luxe Suite» im neuen Hotel Five? «Very relaxing», nachdem der 24-Stunden-Concierge-Service um ein Uhr morgens extra noch ein neues Kissen vorbeigebracht hat. Der Luxus eines Fünf-Sterne-Hotels: Sieben Kissen in unterschiedlichen Formen und Härtegraden stehen zur Verfügung, je nach bevorzugter Schlafposition. Bei dieser Gelegenheit hätte meine innere Diva wohl auch gleich noch den Bettüberwurf sowie die Sofa-Kissen entfernen lassen: Kunstpelz scheint mir bei dieser Sommerhitze etwa so sexy zu sein wie eine Tasse Glühwein als Schlummertrunk. Generell lässt sich über den Einrichtungsstil des Hotels streiten – als Liebhaber skandinavischer Designklassiker à la Alvar Aalto oder Tapio Wirkkala nicht ganz so mein Fall –, Sympathiepunkte erntet aber die Kollaboration mit den Studis der Zürcher Hochschule der Künste: In jedem Zimmer hängen zwei bis drei Werke, insgesamt sind es über 200!

Pool-Snacks. Statt Frühstück gehts am zweiten Tag direkt zum «Social Pool»: Der Aussenpool verfügt über verschiedene Sofas und Sonnenliegen, teilweise direkt am Pool-Rand inklusive Tisch im Wasser, oft mit dem idyllischen Blick Richtung Üetliberg-Waldrand. Dazu kommt ein relativ grosses Angebot an Drinks, Bar-Snacks und Salaten, serviert vom aufmerksamen, freundlichen Personal. Also: «One club sandwich and those barbecue wings, please.» Bereits der Augenschein verrät: Das geht besser. Zu wenig Pouletfleisch und zu trocken lautet das Fazit nach den ersten Bissen ins Sandwich, die Pommes frites sind ganz okay. Bei den Wings hingegen lässt die Barbecue-Sauce zu wünschen übrig: Sie umhüllt die Haut bloss, ohne wirklich als Marinade eingedrungen zu sein – und ist definitiv einen Tick zu süss. Bezüglich den Karotten- und Gurken-Stängel, angepriesen als Crudité, lasse ich mal mein Foto für sich sprechen. Der Champagner-Cocktail vom Vortag ist jedoch noch immer in bester Erinnerung: «Can I get another Bellini?»

La-Ola-Welle aus Licht. Fürs Abendessen führt mich mein Weg zum ersten Mal in den vierten Stock. Wo ehemals die Königsfamilie aus Katar ihre Zürcher Residenz hatte, sind nun ein Restaurant, eine Bar sowie zwei Nachtclubs untergebracht. And finally: das angepriesene Dubai-Feeling! Schimmernd rote Wände, deren Musterung an oszillierende Wellen im Wasser erinnert. Bass-lastige Pop- und Elektro-Musik, deren Lautstärke mit voranschreitender Stunde graduell zunimmt. Und die Deckenbeleuchtung, bestehend aus unzähligen Glühbirnen, die zum Takt der Musik in verschiedenen Farben pulsieren oder sich wie eine La-Ola-Welle durch das Lokal bahnen. Und das mit der englischen Sprache habe ich ja bereits in Teil eins meines «Five»-Berichts erwähnt. Bin ich noch in Zürich? Willkommen im «The Penthouse» (grosses Bild oben)! Um mich auf das Abendessen einzustimmen, setze ich mich zuerst auf die grosszügige Balkon-Terrasse, geniesse abermals die Skyline Zürichs und bestelle einen «Penthouse Collins» von der Bar: Kaffirlimetten-Gin mit Grapefruit-Tonic.

Wagyu & Black Cod. Das Food-Angebot des «The Penthouse»? Erinnert irgendwie an «Nobu»: Japanisch inspirierte Gerichte, nicht zu traditionell, heruntergebrochen und aufbereitet für ein internationales Publikum. Mein Favorit: knusprig frittierte Tintenfisch-Karaage mit Limetten-Zesten, Koriander und Yuzu-Mayonnaise – würde ich jederzeit wieder bestellen in Kombination mit einem Cocktail. Auch der «Black Cod» an süsslicher Miso-Marinade war tadellos und auf den Punkt gegart. Statt auf Eis, ein paar Grad wärmer hätte ich mir das Thunfisch-Sashimi gewünscht. Ausserdem würde ich das Wagyu aus Japan (A5!) nächstes Mal lieber pur am Stück bestellen als «Signature dish» mit drei Dip-Saucen statt dominierend süss mariniert in Sojasauce, Ingwer und Knoblauch.