Fotos: Lukas Lienhard
Sichere Bank: die hauchdünnen Ravioli. «Die Mittagskarte online stellen? Die Arbeit mache ich mir schon lange nicht mehr», sagt Patricia Giglio. Sie ist Gastgeberin im altbewährten «Il Giglio» am Zürcher Hallwylplatz und weiss genau, dass es sowieso keinen grossen Unterschied machen würde: Stammgäste verlassen sich in aller Regel auf die Tipps von ihr, dem freundlichen Serviceteam und ihrem Mann Vito Giglio in der Küche. Sie bestellen liebend gern die tagesaktuellen saisonalen Tagesempfehlungen wie hausgemachte Tagliolini mit weissem Trüffel oder Vitello tonnato. Und ist mal nichts Passendes dabei, bleiben da immer noch die hauchdünnen Ravioli mit Kalbfleischfüllung – stets ein überzeugender Klassiker des Hauses. Mit dünnem Teig und aromatischer Schmorbratenfüllung. Grosses Bild oben: Vito Giglio und seine panierten Lammkoteletts.

Bei Patricia & Vito Giglio kommt seit Jahren italienische «No-Bullshit-Küche» auf den Tisch.
Wein- und Delikatessenhändler als Gäste. Auf den langjährigen Küchenchef, der vom aktuellen GaultMillau treffend als «einer der letzten Überlebenden der guten, alten No-Bullshit-Küche» beschrieben wird, setzen auch illustre Persönlichkeiten, die ganz viel vom Essen und Trinken verstehen. Und die man immer wieder im unaufgeregt eingerichteten Gastraum antrifft. Etwa der schweizweit bekannte Weinhändler, der am liebsten Pasta all'amatriciana bestellt. Und neulich von einem lauwarmen Artischockensalat mit Parmesanspänen so begeistert war, dass er sich gleich noch eine zweite Portion servieren liess. Da ist aber auch der Geflügel- und Delikatessenhändler, der hier nicht nur die (gelungen saftig zubereitete) Perlhuhnbrust liefert, sondern liebend gern auch selbst zwei-, dreimal pro Woche selbst an den weiss gedeckten Tischen sitzt.

Essen manche Gäste zweimal: den Artischockensalat.

Schnickschnack unnötig: Rindsfilet mit Balsamico.

Sicherer Wert: Ravioli mit Schmorbratenfüllung.
Einfaches wird gefeiert - wie zu Hause. Mal ist es eben Geflügel, mal ein perfekt gebratenes, paniertes Lammkotelett, die als Hauptgang im klassisch eingerichteten Restaurant als Hauptgang empfohlen werden. Puristisch kommt dazu höchstens noch saisonales Gemüse, ein paar gebratene Kartoffeln und eine tiefe Sauce auf den Teller, die diesen Namen auch verdient hat. Wer trotzdem noch Hunger hat, bestellt entweder eine Portion Käse, die auffallend unprätentiös und wie zu Hause serviert wird. Oder eines der drei, vier Desserts, für die Patricia Giglio verantwortlich zeichnet. Panna cotta oder Schokoladenkuchen? Einfach, frisch und gut sind die Nachspeisen immer.

Mittags & abends sitzen im gradlinigen Ambiente viele Gäste, die ziemlich Ahnung von gutem Essen haben.
THE PLACE TO B. Mittags kommt das dreigängige Businessmenü auf 58 Franken zu stehen. Abends bezahlt man für den Viergänger weniger als 100 Franken. Stoffserviette und Brotkörbchen inklusive. Das ist, nur wenige Minuten vom Paradeplatz entfernt, fast schon ein Schnäppchen. Man kann sich übrigens auch punkto offenem Wein – meist sind das eher unbekannte Namen – aufs freundliche, familiäre Serviceteam verlassen. Kurzum: Ein Wohlfühlort, an dem sich zurzeit nur darum bei den Gästen manchmal Sorgenfalten auf die Stirn legen, weil Vito vielleicht doch in zwei, drei Jahren seine Drohung wahr macht – und in den längst verdienten Ruhestand verschwindet. Aber wetten, dass bis dahin die ganze Stammkundschaft noch viele, viele Male im «Il Giglio» einkehrt? Sicuro! Aktuelles GaultMillau-Rating: 15 Punkte.
Die GaultMillau-Tester stellen im Auftrag der UBS jede Woche einen «Place to b.» vor: Adressen für den gepflegten Businesslunch, für den Brunch am Wochenende, für ein Essen mit Freunden, für Trendsetter & Entdecker, für Verliebte. Bereits erschienene «Tipps der Woche» finden Sie hier.
