Master of Wine Jan Schwarzenbach
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Jan Schwarzenbach: «Ich mag Bio-Weine»

Die Akzeptanz für Bioweine steigt. Das Interview mit Master of Wine und Mondovino-Experte Jan Schwarzenbach.

Elsbeth Hobmeier | 29. Mai 2017

Jan Schwarzenbach, Bio-Wein, organischer Weinbau, Biodynamie… was heissen diese Begriffe für den Konsumenten, der möglichst naturnah und ohne Schadstoffe produzierte Weine sucht?

Diese Begriffe stehen für eine Art Hierarchie im Weinbau. Der konventionelle Rebbau erlaubt die Verwendung von chemisch-synthetischen Pflanzenschutz- und Düngemitteln. Aber auch hier bestehen strenge Regelungen, was man zu welchem Zeitpunkt spritzen darf. 

Auf zweiter Stufe steht die Integrierte Produktion (IP), welche das Spritzen eindämmt und nur bei unbedingter Notwendigkeit erlaubt.

Den absoluten Verzicht auf chemisch-synthetischen Pflanzenschutz und Düngung fordert das Knospe-Bio-Label. Der Bio-Rebbauer (im englischen Sprachraum „Organic“) verzichtet auch auf eine Herbizidbehandlung unter den Rebstöcken und fördert eine blühende Untersaat mit Schlupflöchern und Brutplätzen für Insekten, Vögel und Amphibien.

Noch weiter geht die biodynamische Methode nach der Lehre von Rudolf Steiner, wo Präparate aus Hornmist und Hornkiesel sowie pflanzliche Sude gespritzt werden. Auch auf die Mondphasen wird geachtet.

Die biologische und die biodynamische Methode sind beide geprägt von der Idee eines achtsamen Weinbaus, der Sorge trägt zu den Böden und dadurch arbeitsintensiver ist.

 

Mondovino verwendet das Label Naturaplan mit der Bioknospe. Was heisst und verspricht es?

Im Coop-Sortiment führen wir heute rund 70 Bioweine, 20 davon aus der Schweiz. Alle diese Weinbaubetriebe müssen sich für die Bio-Knospe zertifizieren lassen, auch die ausländischen Weinproduzenten, welche in unser Naturaplan-Sortiment aufgenommen werden möchten. Der schonende Umgang mit Boden und Pflanzen verspricht eine grössere Artenvielfalt und nachhaltigen Weinbau. 

 

Wo liegt der Unterschied zwischen konventionellem und Bio-Weinbau, was läuft anders im Rebberg und im Keller?

Der Biowinzer muss besonders nasse und feuchtwarme Perioden wegen der Gefahr von Mehltauinfektionen im Auge behalten. Er muss also seine Reben gut beobachten und schnell reagieren. Kurz: Er muss präventiver arbeiten und die Widerstandsfähigkeit der Reben fördern. Wie auch konventionelle Winzer unterliegt er strengen Regelungen. Im Weinbau sind Kupferhöchstmengen einzuhalten und im Keller gelten tiefere Schwefelhöchstwerte.

 

Finden Sie persönlich die Bioweine gleich gut oder sogar noch besser als die konventionellen Weine?

Ich möchte hier nicht schwarz-weiss malen, ich trinke beide gern, wenn sie gut sind. Es geht ja darum, das ganze qualitative Potenzial aus einem Rebberg zu holen. Aber generell finde ich Bio sehr gut, der Trend vieler Topweingüter in Richtung Bio und Biodynamie gefällt mir. Sie sind überzeugt, dass ihre Weine mit diesen schonenden Methoden noch besser werden - und Betriebe wie Château Latour, Romanée-Conti und Chapoutier, die immer schon Spitzenweine machten, müssen dies ja wirklich wissen. 

 

Einst lächelte man über die biodynamischen Ideen mit dem Einbezug der Mondphasen - heute haben sich, wie Sie sagen, renommierteste Weingüter voll darauf umgestellt. Wie ist die Akzeptanz bei den Konsumenten?

Der Absatz und die Nachfrage steigen kontinuierlich, entsprechend bauen wir unser Sortiment auch ständig aus. Coop weist allerdings nur die Bioknospe aus. Wir wissen, dass einige unserer Kunden ausschliesslich Bioweine kaufen und zum Beispiel bei Bordeaux- oder Burgunder-Subskriptionen danach fragen. Aber die Mehrheit will in erster Linie einen guten Wein, egal ob biologisch oder nicht.

 

Der Jahrgang 2016 war wettermässig eher schwierig. Vielerorts konnte die Ernte nur mit grossem Einsatz von Pflanzenschutzmitteln gerettet werden. Hat dies Einfluss auf Ihr Bio-Angebot?

Da chemisch-synthetische Pflanzenschutzmittel bei der Bioknospe nicht erlaubt sind, besteht ein gewisser Einfluss auf die verfügbare Menge, da in schwierigen Regionen weniger Trauben geerntet werden konnten. Aber dies wird sich erst in den kommenden Monaten erweisen.

 

Welche Rebsorten eignen sich ganz besonders für den Bio-Weinbau?

Es wurde eine Reihe von besonders pilzwiderstandsfähigen Sorten, die sogenannten PiWi, gezüchtet und getestet. Dazu gehören die weisse Solaris und die roten Maréchal Foch und Regent. Diese Weine sind jedoch noch nicht sehr bekannt und daher schwierig zu verkaufen. Weit besser akzeptiert sind Bioweine aus beliebten Sorten wie Chardonnay, Pinot noir, Sangiovese, Cabernet oder Tempranillo, die je nach Klima und Jahrgang in den verschiedensten grossen Weinregionen auch biologisch angebaut gut gedeihen. 

 

Seit einiger Zeit werden in der Schweiz der Prix Bio Suisse sowie der Schweizer Bioweinpreis verliehen. Wie schätzen Sie deren Stellenwert ein?

Sie sind wichtig als Schaufenster für die siegenden Betriebe, und die entsprechende Auszeichnung auf der Flasche zeigt Wirkung. Ich denke jedoch, dass die Label der Bioknospe, das unser Naturaplan-Bio-Sortiment kennzeichnet, heute den grösseren Bekanntheitsgrad hat. Wichtig scheint mir, dass jeder Winzerbetrieb sein Bestes gibt und sein Terroir möglichst schonend und gewissenhaft bearbeitet.

 

>> Jan Schwarzenbach (geboren 1976), ist Leiter Direktverkauf Wein am Hauptsitz von Coop in Basel. Im März 2016 absolvierte er erfolgreich die Prüfung als Master of Wine MW - eine äusserst schwierige Ausbildung, die in der Schweiz zuvor erst drei Fachleute bestanden haben.

 

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