Miriam Lemke
Wine & Drinks

«Ich freue mich auf den weissen Pâpe Clément»

Miriam Lemke kochte mal im «Fat Duck». Heute ist sie Mondovino-Managerin, büffelt für den «Master of wine».

14. November 2018

Interview: Elsbeth Hobmeier Fotos: Roland Tännler, Nik Hunger

Wein und Gastronomie - ein wichtiges, aber kein einfaches  Thema. Wie stehen Sie persönlich zur Spitzengastronomie?

Beruflich habe ich der Topgastronomie vor rund 15 Jahren den Rücken gekehrt, vor allem wegen dem hohen Konkurrenzdruck und den harten Arbeitszeiten. Ich erinnere mich noch gut ans 2005, da durfte ich ein Stage bei «Fat Duck» in England machen, damals das beste Restaurant der Welt. Ausser ein paar Stunden Schlaf habe ich eigentlich nur gearbeitet. Danach habe ich mich für das Weinbusiness entschieden und bei Bassermann-Jordan in der Pfalz ein Jahr im Keller gearbeitet.

 

Immer mehr junge Frauen setzen sich durch. In der Küche und vor allem als Sommelière.

Handwerkliches Geschick und Erfolg sind zum Glück geschlechtsneutral. Dass es nicht immer einfach war, sich als einzige Frau in der Küche durchzusetzen, habe ich in meiner Zeit als Köchin in der Topgastronomie hautnah erlebt. Erst als ich mir in Kochmeisterschaften erfolgreich Preise erkocht habe, konnte ich mich in der Männerdomäne behaupten.

 

Sie leiten heute den Weinbereich bei Mondovino - auch nicht gerade eine traditionelle Frauendomäne.

Nicht wirklich, die wichtigsten Entscheidungen werden auch heute oft noch von Männern getroffen. Es ist aber schön zu sehen, dass bei Coop viele Frauen bereit sind verantwortungsvolle Posten zu übernehmen. Dadurch entsteht eine bereichernde Dynamik, die das Unternehmen vorwärts bringt.

 

Sie wollen offensichtlich noch mehr über Wein lernen und bereiten sich zurzeit auf die weltweit schwierigste Weinprüfung vor, auf den Master of Wine (MW). Wie läuft‘s?

Nachdem ich die Ausbildung als Weinakademiker absolviert hatte, war der MW der logische nächste Schritt. Ich mache mir jedoch keinen Stress und werde noch einige Jahre brauchen, bis ich dieses Ziel erreiche. Ich habe ja bei Coop einen anspruchsvollen Job und mache zudem in Stuttgart auch noch meinen eigenen Wein. Ich muss viel unter einen Hut bringen.

 

Mit Jan Schwarzenbach arbeitet bei Mondovino bereits einer der wenigen Schweizer Master of Wine. Hat er Sie zu diesem grossen Schritt inspiriert?

Jan unterstützt mich bei meiner Ausbildung. Durch ihn weiss ich auch, wie viel Disziplin und Biss nötig sind, um die Prüfungen zu bestehen. Er stellt für mich regelmässig Blinddegustationen zusammen. Das ist Gold wert, ich kann mich so gezielt vorbereiten.

 

An der Expovina-Prämierung in Zürich haben Mondovino-Weine 48mal Gold und 40mal Silber geholt. Ein unglaublicher Erfolg!

Es ist für uns eine der wichtigsten Auszeichnungen, daher reichen wir ausschliesslich Topprodukte ein. Coop/Mondovino hat sich die Qualitätsführerschaft auf die Fahne geschrieben. Wir wollen nicht der günstigste, aber sicher der beste Weinanbieter der Schweiz sein.

 

Wie kommt der Weinliebhaber zu diesen Sieger-Weinen?

Am besten geht man auf www.mondovino.ch, wählt das Stichwort «Expovina» und klickt dort die gewünschten Weine an. Einzelne Weine sind in bestimmten Filialen erhältlich, andere gibt‘s nur online.

Weinschiff Mondovino in Luzern
Das Mondovino-Weinschiff in Luzern: Mit einer Einladung von Coop oder der Supercard erhält man Zugang.

Unter dem Namen Expovina laufen auch die Weinschiffe am Zürcher Bürkliplatz. Ist Mondovino auch an Bord?

Nein, wir würden dort nicht genügend Raum finden, um die gesamte Breite unseres Sortiments zu zeigen. Wir pflegen unsere eigene Philosophie.

 

Und die wäre?

Wir laden unsere Kunden zu unseren speziellen Mondovino-Weinmessen ein. Dort geht es ums Degustieren und Kennenlernen auch seltener Weine - ohne Kaufdruck, wir sehen die Einladung eher als Dankeschön für die Treue unserer Kunden und freuen uns, jährlich rund 40’000 Besucher an diesen Messen begrüssen zu dürfen.

 

Auf was können sich die Besucher diesen Herbst freuen?

Es stehen über 300 Weine zur freien Degustation bereit, vom einfachen Tischwein für 8 Franken bis zu exklusiven Crus bis zu 1400 Franken. Darunter sind einige ausgewählte Raritäten.

 

Auf welchen Wein freuen Sie sich persönlich besonders?

Auf den Pâpe Clément blanc aus dem Bordelais, eine absolute Seltenheit, die man sonst kaum einmal degustieren kann.

 

>> Das Weinschiff von Mondovino (Coop) steuert in den nächsten Wochen folgende Häfen an: Lausanne (13. bis 18.11.), Luzern (8. bis 16.11.) und Stansstad (17./18.11.). Weitere Weinmessen in Neuchâtel-Maladière (30.11. bis 8.12.) und Basel (4. bis 9.12.). Offen für alle Weininteressierten, sei es mit einer Einladung von Coop, sei es mit der Coop Supercard.

 

>> Miriam Lemke ist Leiterin Direktabsatz Wein bei Mondovino. Momentan bereitet sie sich auf die schwierige Prüfung als Master of Wine MW vor, welche in der Schweiz bisher erst vier Fachleute bestanden haben; unter ihnen Jan Schwarzenbach, der ebenfalls für Mondovino tätig ist.

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