Text: David Schnapp

Jetzt wird geliefert. «Rumsitzen und jammern liegt mir nicht», sagt Nenad Mlinarevic. Der Koch des Jahres 2016, der heute in Zürich die erfolgreichen Lokale «Neue Taverne» und «Bauernschänke» (beide 15 Punkte) betreibt, hat deshalb schnell reagiert. Schon vor dem Entscheid des Bundesrates, Restaurants bis auf Weiteres zu schliessen, habe er mit seinem Geschäftspartner Valentin Diem und den beiden Marketing-Spezialistinnen Fanny Eisl und Ursina Widmer die Idee entwickelt, seine beiden Restaurants als Ausgangspunkte für Heimlieferungen weiterzuführen.

 

Existenzbedrohender Entscheid. Für viele Betriebe der Gastronomie und Hotellerie sind die Massnahmen vieler europäischer Regierungen existenzbedrohend. Anders als in manchen Gewerbe- oder Industriebetrieben, können Ausfälle nicht auf später verschoben werden. Ein Tisch, der heute nicht besetzt ist, lässt sich nicht einfach in einigen Wochen oder Monaten doppelt besetzen. Für die Gastronomen Mlinarevic und Diem war deshalb klar, dass sie etwas tun müssen, «um unsere Mitarbeiter weiter beschäftigen zu können, aber auch um unsere Lieferanten zu unterstützen», sagt Nenad.

Valentin Diem

Angebot für Zuhause: Gastronom Valentin Diem.

Nenad Mlinarevic Bild 2017 in VitznauKoh, StarkochEsther Michelwww.esthermichel.com

Auf Vollgas eingestellt: Nenad Mlinarevic.

Blumenkohl, Schweinebauch, Planted Chicken. Schon einen Tag nach dem Entscheid des Bundesrates ist die Aktion «Auswärts daheim» gestartet, die entsprechende Website online. «Bauernschänke» und «Neue Taverne» kommen zu den Gästen nach Hause. «Wir werden einige unserer Gerichte gewürzt, vorgegart und vakuumverpackt ausliefern. Zu Hause muss man sie dann nur noch erwärmen oder anbraten und anrichten», erklärt Chef Nenad das einfache Prinzip. Angeboten wird zum Beispiel gerösteter Blumenkohl, der berühmte «Bauernschänke»-Schweinebauch, Weisskohl mit Rapsöl, Pouletschenkel ohne Knochen oder «Plantet Chicken», das Poulet aus Pflanzen. Auch das Sauerteigbrot vom Eigenbrötler zum Fertigbacken wird geliefert. «Wir haben bewusst auf Schweizer Produkte gesetzt, um lokale Betriebe zu unterstützen», so Mlinarevic.

Dynamische Karte. Auf der ersten Karte stehen rund ein Dutzend Gerichte, wobei das Menü in Gemüse, Beilagen, Fisch, Fleisch und Saucen unterteilt ist. «So kann man sich sein Essen selber zusammenstellen», erklärt Nenad Mlinarevic. Die Karte solle dynamisch sein: «Vielleicht kommt ein Produzent, der zu viel von etwas hat, dann arbeiten wir natürlich gerne damit», sagt der 38-Jährige voller Energie und Tatendrang. Eigentlich hätte Nenad Mlinarevic Anfang April für einige Wochen in die Ferien nach Amerika reisen wollen, musste auf Grund der aktuellen Lage aber seine Reise absagen. «Seit dem Herbst und der Eröffnung unseres Gemüserestaurants ‹Neue Taverne› bin ich ununterbrochen auf Vollgas eingestellt», sagt er. Die erzwungene Corona-Pause nutze er deshalb auch, um sich zwischendurch auf den Rennvelo zu entspannen.

 

>> Bauernschänke und Neue Taverne für zu Hause

 

>> Nenad Mlinarevic ist nicht der einzige Starchef, der sich mit «home delivery» gegen den Corona Shut down aufbäumt. Gute Ideen bitte melden, der GaultMillau-Channel hilft gerne mit: gaultmillau@ringieraxelspringer.ch

 

Fotos: Esther Michel, Olivia Pulver, Pascal Grob, Lukas Lienhard