Text: Caroline Micaela Hauger

Interviewpartner Loïc Meillard? Immer sehr korrekt. Immer freundlich. Immer eher nüchtern. Einblick ins Privatleben? Nicht so sein Ding. Aber keine Regel ohne Ausnahme. Beim Cover-Shooting und im grossen Interview für das Caminada-Magazin verriet der Walliser Olympiasieger, was ihn auch noch fasziniert: Die Fotografie. Alte Uhren. Die Natur rund um die Staumauer Grande-Dixence. Und gutes Essen! Bei Andreas Caminada auf Schloss Schauenstein trifft man ihn öfter, immer mit seiner Bündner Partnerin Zoé Chastan: die Anreise nach Fürstenau erfolgt mit dem Rennvelo. Zoé, Medienbetreuerin bei Swiss Ski, ist schwanger. Im Sommer wird Loïc Papi. Noch wichtiger als Gold. Ein Interview über Genie, Genuss und Grenzüberschreitungen.

 

Demnächst Family! Olympiasieger Loïc Meillard und seine Partnerin Zoé Chastan, Swiss Ski-Medienverantwortliche, sehen sich nur im Zielraum. Zusammen wohnen ist bei Olympia kein Thema.

Demnächst Family! Olympiasieger Loïc Meillard und seine Partnerin Zoé Chastan, Swiss Ski-Medienverantwortliche, sehen sich nur im Zielraum. Zusammen wohnen ist bei Olympia kein Thema.

# Loïc über Caminada, Hummer & Candle-Light-Dinners

Ich treffe sehr viele Menschen, doch oft bleibt die Bekanntschaft oberflächlich. Meine erste Begegnung mit Andreas Caminada war lustig! Vor vier Jahren waren meine Freundin Zoé und ich mit den Bikes unterwegs, wollten auf Schloss Schauenstein einen Kaffee trinken, doch es war geschlossen. Andreas’ Onkel, der Gärtner ist, hat uns erkannt und bewirtet. Danach stiess Andreas dazu. Wir haben nun schon zweimal bei ihm gegessen.

Was hat Ihnen besonders gefallen?

Der Käse, da kenne ich mich aus. Es war verrückt. Man ist ja sonst schon ziemlich satt, aber im Käsegang gab es noch Brot, Bündnerfleisch, Kartoffeln, Maluns obendrauf. Ich bin fast geplatzt.

Mögen Sie Kaviar, Trüffel, Austern, Froschschenkel?

Foie gras haben Sie vergessen, die mochte ich schon als Kind. Für mich stellt sich eher die Frage der Herkunft, Haltung, Qualität. Ich esse gern frischen Hummer, am Meer gehört das zur Kultur.

Was bewundern Sie an Andreas Caminada?

Was Andreas aufgebaut hat, finde ich grossartig. Er ist ein Leuchtturm für junge Nachwuchsköche. Ich mag seine Leidenschaft, diesen Sternenglanz in den Augen.

Womit verwöhnen Sie Ihre Liebste bei einem Candle-Light-Dinner?

Da wir oft im Hotel essen, macht mir Kochen grossen Spass. Ich würde mit einem Tatar vom Eringer Rind aus unserem Tal starten, zum Dessert gibts Tiramisu und dazwischen einen Heidelbeer-Risotto.

Gehört ein guter Tropfen dazu?

Aber klar doch! Ich bin ja Partner des Weinguts Maison Gilliard.

Dürfen Sie als Spitzensportler ein paar Kilos zu viel haben?

Niemand schimpft mit mir, bei uns gibts keine klare Limite. Wichtig ist es, fit zu sein und sich in seinem Körper wohlzufühlen.

 

Intelligent, bescheiden, saugut: Olympiasieger Loïc Meillard.

Intelligent, bescheiden, saugut: Olympiasieger Loïc Meillard.

Intelligent, bescheiden, saugut: Olympiasieger Loïc Meillard. Dem Fotografen zuliebe: Die perfekte Hocke, auch beim Shooting.

Dem Fotografen zuliebe: Die perfekte Hocke, auch beim Shooting.

Loïc privat: Er sammelt alte Uhren und Kameras, hat den Blick für gute Bilder.

Loïc privat: Er sammelt alte Uhren und Kameras, hat den Blick für gute Bilder.

# Loïc über Marco Odermatt, Verletzungen, Ehrgeiz & Arroganz

Wenn ein Kollege auf dem Podest landet, freue ich mich für ihn. Es motiviert mich, das nächste Mal selbst da oben zu stehen. Mit Talent gewinnt man vielleicht mal ein Rennen, ohne zu wissen, warum. Fleiss und Ausdauer sind viel entscheidender. Ich kann meine Emotionen gut verbergen, doch in meinem Kopf ist es nicht so ruhig, wie es den Anschein macht. Ich gebe in jedem Rennen mein Bestes, mehr habe ich nicht zu bieten. Ich kann jetzt schon eine Karriere vorweisen, die andere so wohl nie erreichen werden.

Wie ist es, ständig mit Marco Odermatt verglichen zu werden?

Wir sind gute Kumpels, diskutieren offen miteinander. Mühsam sind die Medien, die uns ständig gegeneinander ausspielen.

Odermatts Gesicht kennt in der Schweiz jeder. Wie ist das bei Ihnen?

Im Wallis ist der Rummel riesig. Zum Glück sind die Leute in der Schweiz zurückhaltend. Traut sich eine Person, kommen alle. Traut sich niemand, habe ich meine Ruhe.

 

Loïc Meillard über Andreas Caminada: «Er ist ein Leuchtturm für jungen Nachwuchsköche. Ich mag seine Leidenschaft, diesen Sternenglanz in seinen Augen.»

Loïc Meillard über Andreas Caminada: «Er ist ein Leuchtturm für jungen Nachwuchsköche. Ich mag seine Leidenschaft, diesen Sternenglanz in seinen Augen.»

# Loïc über Freizeit, Freiheit & Heimat.

Natürlich wäre es schön, mehr Freizeit und Freiheiten zu haben. Für den Körper und für den Kopf wäre das eindeutig besser. Jede Minute, bei der ich selber wählen kann, was ich mache, ist ein Geschenk. Wir biwakieren gern auf dem Berg.

Kriegen Sie nie genug von Kälte, Eis und Schnee?

Wir Menschen sind generell immer mehr dem Stress ausgesetzt, in so vielen Bereichen. In den Alpen lebe ich ganz im Augenblick. Die Natur ist eine wahnsinnige Kraftquelle für mich. Ich suche bewusst die Einsamkeit, um meine Gedanken zu sammeln, die Schönheit der Bergwelt zu geniessen und sie in Bildern fest zuhalten. Auch auf Reisen habe ich meine Kameras immer dabei.

Ihre drei Kraftorte?

Im Sommer eine Wanderung zur Staumauer Grande-Dixence mit Halt bei der Cabane de Prafleuri. Im Herbst eine Tour zur Essertze-Hütte auf dem Bergrücken über die Gouilles d’Essertze. Im Winter mit Schneeschuhen oder Fellen nach Mandelon ins Val d’Hérens.

Was bedeutet Ihnen Heimat?

Heimat ist, wenn ich nach einer langen Trainingsreise oder einem Rennen die Tür zu meiner privaten Wohnung in Hérémence öffne. Dann fühle ich: Ich bin angekommen.

Wo sehen Sie sich in zehn Jahren?

Ich wäre dann 39 – und hoffentlich bereits pensioniert.

 

Fotos: Sven Bänziger, Getty, Keystone-SDA