Life & Style

Japan-Whisky boomt. Auch Frauen trinken ihn

Pech für die Schotten: Whisky aus Japan ist im Trend! David O’Halloran vom Globus erklärt uns das Geheimnis.

2017 M09 13

Interview: Patricia Heller. Fotos: Thomas Buchwalder.

Globus bietet über 20 verschiedene japanische Whisky an. Das finden echte Schotten und Iren wohl kaum sehr lustig.

Wir haben bei Globus über 50 japanische Whisky im Sortiment, insgesamt haben wir über 400 verschiedene Whiskys, und die Qualität ist sensationell!

 

Was kann japanischer Whisky, was schottischer nicht kann?

Die Japaner sind Perfektionisten. Sie haben von den Schotten viel gelernt und die Verarbeitung verfeinert. Japanischer Whisky bietet die Verbindung von schottischem Wissen mit japanischem Perfektionismus.

 

Der Durchbruch kam wohl im Jahr 2014, als in Jim Murrays Whisky-Bibel plötzlich der Yamazaki auf Platz 1 stand. Wann ist Globus auf diesen Trend aufgesprungen?

Korrekt. Der Yamazaki Single Malt Sherry Cask 2013 erhielt damals 97.5 von 100 Punkten. Globus hat den Trend bereits 2012 erkannt und das Sortiment mit steigender Nachfrage ausgebaut und ergänzt.

 

Für die Schotten steht die Tradition, die jahrhundertelange Erfahrung. Wofür stehen die Japaner? Für Präzision in der Herstellung?

Tradition und Handwerk sind auch in Japan stark verwurzelt, anfangs kopierten sie Schottland. Aber: über die Jahren haben sie die Herstellung weiterentwickelt und an die japanischen Verhältnisse angepasst. Heute haben sie höchstmoderne Technik in Verbindung mit Tradition. Inspiriert wurden die Japaner beim Whisky auch aus der Teekultur. Da ist nur das reinste Quellwasser gut genug, dieses verwenden sie auch für den Whisky.

 

In Japan ist das Temperaturgefälle höher als in Schottland. Gut für den Alterungsprozess?

Im japanischen Norden, wo die Yoichi Destillerie von Nikka steht, ist das Klima dem schottischen sehr ähnlich. Auf der Hauptinsel befinden sich die Destillerien oftmals in grünen Tälern, die ein mildes und feuchtes Klima haben, welches sich positiv auf den Alterungsprozess ausübt.

Schottische Tradition trifft auf fernöstliche Perfektion: Japanischer Whisky ist im Trend.

Mit den schottischen Labels sind wir in der Schweiz einigermassen vertraut. Welche Namen müssen wir uns für japanischen Whisky merken?

Yamazaki, Hibiki, Akashi und Nikka.

 

Die allerbesten japanischen Whisky sind sündhaft teuer. Welche Whisky-Marken können Sie uns auf Grund eines guten Preis-/Leistungsverhältnisses empfehlen?

Die Preise richten sich nach Verfügbarkeit. Empfehlen kann ich hier Nikka from the Barrel und Hibiki Harmony. Sie sind ein guter Einstieg in die japanische Whiskywelt

 

Ist Whisky eigentlich immer noch eher Männersache?

Forget about it, das ist ein altes Klischee. Sicher sind es mehr Männer, die sich mit Whisky auseinandersetzen, aber heute sind auch Frauen sehr daran interessiert.

 

Wie lange darf ein Whisky im Keller liegen bleiben?

Bei mir nicht sehr lange! Liegt er doch etwas länger im Weinkeller, muss man den Zapfen im Auge behalten, dieser darf nicht austrocknen. Also Flasche gelegentlich auf den Kopf stellen und den Zapfen tränken, da im Winter in der Schweiz die Luftfeuchtigkeit sehr tief fallen kann. Dann kann die Flasche wieder ein paar Monate liegen bleiben.

 

Viele kippen Eis und Cola dazu. Muss für Sie als Whisky-Profi schwer zu verkraften sein.

Leider ja! Mixen ist jedoch im Trend. Mit Ginger Ale gemischt, ergibt Whisky einen guten Cocktail. Ich bevorzuge Whisky jedoch pur und empfehle Whiskysteine, wenn er gekühlt sein sollte. Different strokes for different folks.

 

Aus welchem Glas trinkt man heute seinen Whisky?

Für mich ist und bleibt es der Tumbler. Für Nosing (Verkostung) empfehle ich jedoch das Riedel Nosing Glas

 

Nach japanischem Whisky jetzt der japanische Gin. Londons «Telegraph» titelt: «Japan hat den Whisky-Krieg gewonnen. Jetzt beginnt die Schlacht um den Gin.»

Ja, wir werden dieses Jahr neu den «Ki no Bi Gin» aus Kyoto einführen Er hat uns mit seiner sensationellen Qualität überzeugt.

 

Auch beim Gin hätten wir gerne den Profi-Tipp. Welche Marken haben ein gutes Preis-/Leistungsverhältnis?

Meine persönliche Empfehlung ist der GinRaw, ein sehr eleganter Gin, oder der Hernö Navy Strength. Ein gutes Preis-/Leistungsverhältnis haben Tanqueray Export Strength oder auch der Botanist.

 

Wie trinken Sie Ihren Gin Tonic?

4cl Malfy, auffüllen mit Fevertree mediterran, Eis und Limone. 4cl Gin Mare, auffüllen mit Tonic 1724, Rosmarin-Eis und einem Basilikum-Blatt. 4cl Sipsmith, auffüllen mit je zur Hälfte Gingertonic Fevertree und Fevertree Tonic, im grossen bauchigen Glas servieren!

 

Nix gegen Japan. Aber es gibt auch Schweizer Whisky, Schweizer Gin und Schweizer Tonic. Ihr Urteil?

Säntis Whisky, Turicum Gin (Zürich) und auch Gents sind alles ganz grossartige  Schweizer Produkte, und es stehen sehr sympathische Leute dahinter.

>> David O’Halloran, Senior Buyer Wine & Spirits bei Globus.

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