Text: Elsbeth Hobmeier | Fotos: Monika Flückiger

Emmentaler Käse Geschichte mit Matthias Sempach in Käserei Mosigen 2022

Matthias Sempach liefert die Heumilch seiner Kühe in die Käserei Mosigen.

Hofbesuch bei Mättu im Entlebuch. Der Morgen dämmert, noch ist es frisch. Doch im Stall von Matthias Sempach im Vorderbrunnen oberhalb dem luzernischen Dorf Entlebuch ist von Müdigkeit keine Spur. Die Kühe wollen gemolken sein, geduldig stehen sie Schlange und warten, dass sie an die Melkmaschine dürfen. «Es ist wohl eher dieser Leckerbissen, der sie anzieht. Denn wir füttern unsere Kühe AOP-gerecht eigentlich ausschliesslich mit Gras und Heu», schmunzelt Matthias Sempach, den alle nur Mättu nennen, und leert ein wenig Naturfutter in den Trog neben der Maschine, bevor er das Euter der Kuh putzt und den Melkbecher ansetzt. Die Tiere scheinen diese Prozedur zu lieben. Die Reihenfolge, welche Kuh als nächste den Melkstand betritt, legen sie selbst fest. «Da besteht eine genaue Hierarchie, als erste kommt immer Cadeau, als zweite Lara und so weiter», sagt er. 16 Kühe der Rasse Holstein oder Brown Swiss sind zurzeit zu melken, zwei weitere sind trächtig und werden vor der Geburt nicht mehr gemolken. Der weisse Saft rauscht durch eine Leitung in den Kühltank, rund 30 Liter gibt eine Kuh pro Tag. Kaum hat Bianca als Letzte den Melkstand verlassen, fährt auch schon der Tankwagen der Emmentaler AOP-Käserei vor und transportiert die frische, natürliche Rohmilch nach Mosigen in die Bergkäserei. Grosses Bild oben: Schwingerkönig Matthias Sempach mit Tochter Paula. Daneben ein Prachtexemplar von einem Emmentaler AOP.

Emmentaler Käse Geschichte mit Matthias Sempach in Käserei Mosigen 2022

Seine Wunschträume wurden wahr: erst Schwingerkönig, dann Bauer. 

Emmentaler Käse Geschichte mit Matthias Sempach in Käserei Mosigen 2022

Kaum ist fertig gemolken auf Vorderbrunnen kurvt der Tankwagen an. 

Emmentaler Käse Geschichte mit Matthias Sempach in Käserei Mosigen 2022

Und jetzt gibts frische Milch für den Nachwuchs.

Er wollte Bauer werden. Und König. «Als Kind hatte ich zwei Träume - ich wollte Schwingerkönig und Bauer werden», erzählt Matthias Sempach beim Frühstück. Beide Träume wurden wahr. Als siebenjähriger Knirps besuchte er das erste Training beim Schwingklub Kirchberg (BE) und entdeckte seine Leidenschaft für diesen Sport. «Von da an hatte ich den Königstitel als Ziel.» Bei seinem ersten Jungschwingertag wurde er Letzter und gewann eine Dreifachsteckdose. Viele Kämpfe und viele Jahre später war das Ziel erreicht: Mättu Sempach wurde 2013 am «Eidgenössischen» in Burgdorf zum Schwingerkönig gekrönt, kehrte mit dem Kranz aus Eichenlaub auf dem Kopf und mit Siegermuni «Fors von der Lueg» am Halfter zurück nach Hause. Bilder davon sind in seinem Schwingerstübli zu sehen. Hier hängen und stehen seine vielen Trophäen und Preise vom Gabentempel. Ein weiterer Höhepunkt war der Sieg an der Kilchberg Schwinget von 2014. Vier Jahre später trat Mättu Sempach vom aktiven Schwingsport zurück. Heute leitet er noch Kurse und tritt im Fernsehen SRF als Experte auf – vom Sägemehl ans Mikrofon! «Ich habe dem Sport viel zu verdanken und werde dem Schwingen immer verbunden bleiben», sagt Sempach. Er freut sich, dass sein kleiner Sohn Henry offenbar in seine Fussstapfen treten möchte und bereits eifrig trainiert.  

Der Emmentaler AOP aus der Bergkäserei Mosigen. Auch der zweite Traum, jener vom Bauern, wurde Wirklichkeit. 2019 übernahmen Matthias Sempach und seine Partnerin Heidy Jenny, gelernte PR-Fachfrau und Bäuerin mit Fachausweis, den Hof Vorderbrunnen von ihrer Schwester. Er liegt auf 960 Metern über Meer in der Gemeinde Entlebuch LU. Auf 15 Hektar Grünland betreiben die beiden Milchwirtschaft mit eigener Aufzucht und eine Schweinemast. Zum Haushalt gehören neben Mättu und Heidy mit den Kindern Henry und Paula auch Ziegen, Hühner, Enten, Hasen, Katzen und der Hofhund Rex. «Die Arbeit auf dem Hof erfüllt mich. Es macht mich glücklich zu sehen, wie sich meine Familie wohlfühlt», sagt der Schwingerkönig. Die Milch seiner Kühe liefert er in die Bergkäserei Mosigen, seine Partnerin Heidy engagiert sich seit einem Jahr im Verwaltungsrat der Biosphäre Bergkäserei Entlebuch AG, zu welcher Mosigen gehört. «Ich freue mich, dass aus unserer Rohmilch ein so guter Emmentaler AOP gemacht wird», sagt Mättu Sempach, der seit über zehn Jahren als Botschafter für den Schweizer Emmentaler AOP im Einsatz ist, und knufft Käsermeister Beat Koch freundschaftlich in die Schulter. Gegen zehn rund 100 kg schwere Emmentaler AOP-Laibe stellt dieser jeden Tag her, im Lagerkeller reihen sich 220 dieser Riesenbrocken aneinander. Im Selbstbedienungslädeli der Bergkäserei Mosigen gibt es neben Emmentaler AOP in verschiedenen Reifegraden auch eine grosse Auswahl an Bergkäsen, Mutschli und Weichkäsen zu kaufen. «Dieser Laden ist der Hit, er ist immer offen und weit über die Region hinaus bekannt und beliebt», freut sich Beat Koch und knufft freundschaftlich an Mättus breite Brust zurück. 


www.biosphaere-berg-kaeserei.ch
www.emmentaler.ch
www.matthiassempach.ch