Curdin Janett Kaese Mauerhofer
Life & Style

Curdin Janett – von der Werbung zum Käse

Er war der bekannteste Werber der Schweiz. Heute macht er nur noch für etwas Werbung: für seinen eigenen Käse.

16. April 2019

Text: Kathia Baltisberger Fotos: Olivia Pulver

Neuanfang. Gute Ideen waren jahrelang Curdin Janetts Business. Manchmal waren die Ideen so gut, dass sie ihm Titel wie Werber des Jahres einbrachten – das war vor vier Jahren, als Orange plötzlich Salt hiess. Den Job hat Janett mittlerweile an den Nagel gehängt. Gute Ideen hat er aber immer noch. Nämlich die, eigenen Käse zu produzieren. Zusammen mit Michael Fankhauser – ehemals Marketingleiter bei Tag Heuer – tüftelt er seit Herbst 2016 an der eigenen Marke. «Wir sind zwar keine Käser, aber dafür beide grosse Käse-Fans. Seit ich zehn bin, esse ich Unmengen an Käse», erklärt Janett den Wechsel ins eigentlich unbekannte Metier. Doch Werbung und Uhren stellen sich als gar nicht so üble Voraussetzungen heraus: Die neuen, exklusiven Luxus-Käse brauchen die richtige Vermarktung und mit ihrem Sinn für nachhaltige Produktion treffen sie den Zeitgeist perfekt.

Curdin Janett Fromage Mauerhofer

Marc-Henri Horner kontrolliert den Brebin im Käsekeller.

Curdin Janett Fromage Mauerhofer

In Horners Käserei wird vor allem Vacherin und Gruyère produziert - aber auch Spezialprodukte für Mauerhofer.

Exklusiver Käse. Rund 20 Rohmilch-Produkte gibt es mittlerweile unter dem Namen Fromage Mauerhofer. Die Globus-Einkäufer sind begeistert und führen einige Produkte im Sortiment. Und auch Starchefs wollen den Käse. Carlos Navarro («Rechberg», Zürich) oder Werner Schürch («Emmenhof», Burgdorf) gehören zu Janetts Kunden. Kemmeriboden Geiss aus dem Emmental, Winterberg aus dem Toggenburg, Summaprada Braunvieh aus dem Bündnerland und viele mehr gibt es im Online-Shop. Den Vacherin à l'ancienne lässt Janett mit Weisswein affinieren. «Wir suchen nicht die Region, sondern den Käser aus.» Janett ist auf innovative Käser angewiesen. «Wir haben die Ideen. Aber wir brauchen Käser, die den Mut haben, etwas Neues auszuprobieren.» Mittlerweile tüfteln zehn Käser an exklusiven Sachen.

Curdin Janett Fromage Mauerhofer
Fromage Mauerhofer
Curdin Janett war einst ein Star-Werber, heute produziert er seinen eigenen Käse: Mauerhofer. - Wir besuchen seinen Käser Marc-Henri Horner und dessen Bruder den Landwirt Benoît Horner. Letzerer züchtet die Schafe, welche die Milch für den Käse liefern. - Marsens, FR - 8. April 2019 - Copyright Olivia Pulver
Curdin Janett Fromage Mauerhofer
Curdin Janett Fromage Mauerhofer
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Fromage Mauerhofer
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In Le Mouret grasen rund 60 Schafe bei Familie Horner auf dem Hof.

«Vacherin» mit Schafmilch. Einer von ihnen ist Marc-Henri Horner. Er produziert in Marsens im Kanton Fribourg Gruyère und Vacherin. Produziert wird wie früher. Curdin Janett fragte den Maître Fromager, ob er nicht ein zusätzliches Produkt herstellen möchte. «Zuerst lehnte Marc-Henri ab», erinnert sich Janett. Dann lenkt er doch noch ein. Seit letztem Jahr produziert Horner den sogenannten «Brebin» – ein Wortspiel aus Brebis für französisch Mutterschaf und Vacherin. Das erklärt bereits das ganze Produkt: Der Käse ist so cremig wie ein Vacherin, besteht aber aus Schaf- statt Kuhmilch. 500 Kilo produzierte Horner für Fromage Mauerhofer. «Wieviel gibt es dieses Jahr?», fragt Janett den Käser. «Une petite tonne!», antwortet Horner – eine knappe Tonne. Die Milch für den Käse kommt ebenfalls von einem Horner. Benoît Horner hat einen Hof in Le Mouret FR. Kuhmilch ist sein Hauptgeschäft, doch um den gewünschten «Brebin» produzieren zu können, schaffte sich Benoît extra Schafe an. 

Die Mauerhofer-Kriterien. Horners Schafe fressen ausschliesslich Gras und Heu – eine Voraussetzung bei Mauerhofer. Silage-Futter kriegen die Tiere nicht. Weitere Bedingung: Hof und Käserei müssen im Umkreis von zehn Kilometer liegen. Wer seine Kühe nicht enthornt oder auf Pro-Specia-Rara-Tiere setzt, der bekommt für die Milch noch einen Aufpreis. «Wir geben unsere Produkte nicht als Bio aus. Vieles wäre sicher Bio. Aber unsere Marke soll als Label reichen», sagt Janett. Ziel ist, solche kleinen Käsereistrukturen zu erhalten. «So viele Käsereien gehen zu!», nervt sich der Werber. 

Curdin Janett Fromage Mauerhofer

Benoît Horner musste die Schafe extra kaufen, damit sein Bruder den Schafkäse produzieren kann.

Curdin Janett Fromage Mauerhofer

Der ehemalige Publicis-CEO schaut im Käsekeller in Burgdorf nach dem Rechten.

Krise? Von wegen! Dabei klingt der Branchenwechsel eines Fast-Fünfzigers eher nach Midlife-Crisis. Ist da was dran? «Ich war immer angestellt. Jetzt wollte ich mal etwas Eigenes machen und aus dieser Konzernwelt rauskommen.» Vom Käsen hat Janett mittlerweile zwar mehr Ahnung als zu Beginn, doch seine Kompetenzen liegen dennoch woanders. «Was mich schon immer interessiert hat, waren Strategien, wie man eine Marke langfristig etablieren kann.» Auch wenn Janett nur einen Bruchteil von dem verdient, was er auch schon verdient hat, ist er glücklich mit seiner Entscheidung. «Sollte es sich doch um eine Midlife-Crisis handeln, dann fühlt sich das auf jeden Fall sehr gut an.»  

 

www.fromagemauerhofer.ch