Text: David Moginier

Die 18. Generation. Die gemeinsame Geschichte der Ortschaft Riex und der Familie Fauquex begann vor über 600 Jahren: Schon Stammvater Antonatus besass hier 1380 Rebberge. Und damit gehört Émilie Fauquex, die seit letztem Dezember auf dem Familienweingut mit tut, zur bemerkenswerten 18. Generation, die vor Ort Rebbau betreibt. In zwei, drei Jahren soll sie, geboren am 24. Dezember 2000, die Domäne von ihrer Mutter Laurence übernehmen.

Weckruf am Weinfest. «Obwohl ich meinem Vater als Kind oft im Weinkeller geholfen habe», erzählt Émilie «wollte ich erst eigentlich Physiotherapeutin werden.» Doch als sie am Weinfest von 2019 teilnahm, zusammen mit ihren Eltern und ihrer Schwester Clara – sei ihr schlagartig klar geworden, dass «ich hierher gehöre, ins Herz des Lavaux, zwischen die Reben und in den Weinkeller». Der Tod ihres Vaters im September 2020, als ihre Mutter mit Unterstützung eines Weinbergsarbeiters und eines Kellermeisters die Leitung des Weinguts übernahm, bestärkte sie noch in diesem Wunsch.

Cully, Rivaz, Changins & Riex. Nach dem Schulabschluss machte Émilie eine Lehre als Weinhändlerin in Cully, verbrachte dann ein Jahr beim renommierten Winzer Christophe Chappuis in Rivaz, «um mehr über die Arbeiten im Rebberg zu lernen.» Schliesslich erwarb sie ein Diplom in Weinbau und Önologie an der Hochschule Changins – und kehrte nach Riex zurück. Bei ihrer Arbeit vor Ort wird sie auch künftig auf ihre Mama zählen können: «Sie liebt den Kontakt zu den Kunden und wird mich in diesem Bericht weiterhin unterstützen.»

VPetite, Emilie Fauquez

Foto aus dem Familienalbum: Schon als Kind half Émilie Fauquex im Weinkeller mit.

Hauptsorte? Die Königin der Rebsorten. Émilie Fauquex macht kein Geheimnis daraus: Sie ist lieber im Keller als im Rebberg – das passt hervorragend, hat die Familie doch mit Simon Vogel einen hervorragenden Weinbauern auf der Payroll. Er betreut mit viel Verve die vier Hektar Rebfläche, die sich über Riex, Épesses, Calamin und Dézaley erstrecken. Es war der verstorbene Vater Denis, der weitsichtig in den verschiedenen Appellationen Rebland zukaufte. Angepflanzt wird dort zu 88 Prozent Chasselas, die Königin der hiesigen Rebsorten; ergänzt von Pinot Noir und etwas Merlot, der in eiförmigen Betontanks gereift wird.

Lust auf den zweiten Schluck. Émilie Fauquex gibt sich bescheiden: «Bisher habe ich noch keinen eigenen Wein gemacht – mein Ziel ist es erstmal, erfolgreich fortzuführen, was wir heute schon machen.» Besonders am Herzen liegt auch ihr der Chasselas, der die Region repräsentiere wie keine andere Sorte. «Und der nach dem ersten Schluck Lust auf einen zweiten macht.» Nicht zuletzt möchte sie der Kundschaft das Reifungspotenzial dieser Weissweine näherbringen –  denn ihr ist aufgefallen: «Jedes Mal, wenn wir einen älteren Jahrgang öffnen, sorgt das für Begeisterung.»

Vins Fauquez

Passt gemäss der Jungwinzerin perfekt zu Fleischterrine: der Dézaley des Weinguts.

Vins Fauquez

Hier gären die jungen Weissweine – sie schmecken aber auch gereift.

Krise? Optimismus! Wie gross ist ihr Respekt vor der nahenden Herausforderung? Die Weinbranche sieht ja schwierigen Zeiten entgegen. «Die Krisen in unserem Zweig, so habe ich gelernt, verlaufen meist zyklisch. Ich glaube, dass es bald besser wird», meint Émilie Fauquex optimistisch. Als Winzer müsse man positiv bleiben, klagen bringe wenig. Auch deshalb hat sie sich mit anderen jungen Fachkräften aus der Region zur Gruppe «Young Winemakers Association» zusammengetan, bereits haben sie gemeinsam ein weisse Cuvée auf den Markt gebracht, weitere Projekte sind geplant.

Privatkunden, Restaurant – und junge Kunden. Und was ist für das eigene Familienweingut geplant? Man arbeite intensiv mit Privatkunden und ausgewählten Restaurants zusammen, den Verkauf von Fassweinen habe man inzwischen eingestellt, da dieser Vertriebskanal zunehmend in Bedrängnis geraten sei. Émilie plant nicht zuletzt, Verkostungsabende mit älteren Jahrgängen zu organisieren – und sie will junge Weintrinker ansprechen. «Sie sind die Kunden von morgen, sie müssen wir erreichen.» Mit ihnen dauert die Geschichte des Weinguts und der Ortschaft Riex noch lange an.

 

Coup de Coeur: Der Riex 2025, «da steckt unser Herzblut drin. Und nur wenige Betriebe verkaufen ihren Chasselas mit dieser Ortsbezeichnung.»

Das liegt im Keller: Riex 2025, Épesses 2025, Calamin 2025, Dézaley 2024; Pinot noir de Riex 2024, Merlot de Riex 2024.

Drei GaultMillau-Köche, die ihre Weine führen: Pierrick Suter im «La Table des Suter», Lucens (17 Punkte). Vania Cebula im «Auberge du Raisin», Cully (14 Punkte). Nino Mango in der «Auberge de Rivaz» (14 Punkte).

Das passt zusammen: Der Dézaley 2023 passt hervorragend zu einer hausgemachten Fleischterrine.