Text: Elsbeth Hombeier Schweiz Fotos: Hans-Peter Siffert

Imposante Domänen. Keine Schweizer Stadt besitzt mehr Rebberge als die Stadt Lausanne. Und keine sind schöner gelegen: Die Mönche des Mittelalters suchten sich die allerbesten Plätze aus. Heute gehören die fünf historischen Weingebiete der Stadt Lausanne. Clos des Abbayes und Clos des Moines im Dézaley, Domaine de Burignon im Saint-Saphorin sowie Abbaye de Mont und Château Rochefort an der La Côte. Besonders spektakulär am Hang klebt Clos des Abbayes mit seinen Türmchen und Balkonen. Im Keller reiht sich Holzfass an Holzfass, hinter Gittertüren lagern über 20’000 Flaschen reifer Weine aus älteren Jahrgängen. Im prächtigen Saal mit dem berühmten Bild der nackten «Belle du Dézaley» feiert die Stadt wichtige Events. «Wir möchten künftig diese herrlichen Gebäude noch mehr öffnen», erklärt Natacha Litzistorf, Mitglied der Stadtregierung. Sie ist stolz auf die Wein- und Landwirtschaftsgüter und die 44 Restaurants im Besitz von Lausanne und will «diese hervorragenden Produkte noch besser vermarkten».

Weingut im Dézaley, Ville de Lausanne

Ein wunderschöner Arbeitsort: Die Clos des Abbayes mit Blick über den Genfersee!

Zwischen Tradition und Moderne. In Sachen Wein ist die Stadt auf gutem Weg, auch dank ihrer Önologin Tania Gfeller. Überzeugt nutzt sie die über 70-jährigen Eichenfässer zur Reifung des Chasselas, «der Luftaustausch bringt dem Wein viel», sagt sie. Gleichzeitig steuert sie zusammen mit Rebmeister Luc Dubauloz die Weingüter in eine biodynamische Zukunft. «2019 ist unser erster biodynamischer Jahrgang in der La Côte», erzählt Gfeller, «im Dézaley dauert es etwas länger». Die imposanten Steinmauern bilden kleine Terrassen und schaffen ein ideales Klima für die Reben. 300 Kilometer Steinmauern zählt allein das Dézaley-Gebiet. Sie lassen die allgegenwärtige Chasselastraube extrem lange reifen: Nirgends treibt sie früher aus, nirgends wird sie später geerntet.

Clos des Abbayes, Clos des Moines  und Burignon in der Chapelle

Historische Etiketten schmücken die Weine für die grosse Dezemberauktion.

Verantwortliche Wein , Ville de Lausanne

Frauenpower: Önologin Tanja Gfeller in ihrem Element!

Immer wieder Neues. Lanciert wurde vor zwei Jahren Le Préambule, ein Schaumwein aus Chasselas, ab Jahrgang 2019 kommt ein reiner Chardonnay namens Charmant auf den Markt. Tania Gfeller ist auch der Motor hinter der prestigeträchtigen Sélection L (wie Lausanne), deren naturnah produzierte Weine hübsche Namen tragen wie Avec Vue (frischer, eleganter Chasselas), Tout nu (Naturwein ohne Sulfit und ohne Filtration), Bord de l’Eau (roter Lagerwein aus Malbec, Cabernet franc und Merlot). Die Weine, die an der berühmten Vente des Enchères versteigert werden, tragen jedoch historische Etiketten. Die Auktion, die seit 1803 stets am zweiten Dezembersamstag stattfindet, ist die älteste Weinversteigerung in Europa und ein grosses Ereignis in Lausanne.