Text: GaultMillau Schweiz Fotos: Nik Hunger

Sake & chinesischer Wein. «L’Amant», Marguerite Duras’ Roman über die Liebe zwischen einem französischen Mädchen und einem chinesischen Mann, ist die literarische Vorlage für das aufgefrischte Restaurant im Einkaufstempel Sihlcity. Die Ost-West-Verbindung findet sich auf der Karte wieder – chinesische Weine oder Sake sind in friedlicher Koexistenz neben europäischen Erzeugnissen vereint.

Gänsekeule & Gänseleber. Im Menü aber wird der reizvolle kulinarische Kontrast, den das Konzept vorsieht, zu wenig herausgearbeitet. Die Ambitionen, auf hohem Niveau zu kochen, sind spürbar, aber im Detail gibt’s Ungenauigkeiten, welche die Harmonie trüben. Die Auster mit Hummerbisque und Gurke zum Start riecht leicht muffig, die Muschel wird vom Krustentierauszug übertönt. Auch bei der Kombination aus Foie gras und piemontesischen Haselnüssen stimmt die Feinabstimmung nicht: Gegen die Röstnoten der Nüsse kommt die Gänseleber kaum an. Potenzial lässt die Küche dann erkennen: zuerst bei der konfierten, «pulled» Gänsekeule mit Erdnuss und Gänseleberespuma. Und dann bei einer perfekten Rehessenz mit einer Einlage aus geschmorter Rehschulter und Sellerie, in dünnen Scheiben geschichtet. Die mit Kerbelwurzel kombinierte Seezunge kommt wohl aus dem Wasserbad und ist leider nicht nur lauwarm, sondern auch etwas ausdruckslos; dazu stört der zu süsse und mächtige Kerbel die Balance. Perfekt kombiniert ist dafür das Spinatpüree mit Kaviar und Kartoffeln, das Kalbsfilet mit karamellisiertem Kürbis fiel bei einem Besuch im Herbst leider wieder zu süss aus.

 

Applaus für die Desserts. Die Nachspeisen sind ausgezeichnet: Ziegenkäsemilch mit Oliven, Mandarine und Schokolade sowie Spekulatius, Mandel- und Zimteis mit Zwetschgen. Auch wenn wir noch nicht in unsterblicher Liebe fürs Restaurant L’Amant entflammt sind – das Potenzial für ein weiteres Rendez-vous ist vorhanden.

 

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L'Amant
Blue Room
13 Punkte
Kalandergasse 1
8045 Zürich